"Hakaya" - mit Geschichten Brücken bauen

Foto: Peter Wehowsky

Joudi Ayash kennt die Situation als Mutter mit arabischen Wurzeln in Deutschland. Sie möchte das Vertrautwerden mit der neuen Heimat durch Geschichten unterstützten - und sie möchte, dass der Klang der Muttersprache nicht in Vergessenheit gerät. Das brachte sie auf die Idee für das Projekt "Hakaya". Im Interview mit Susanne Brandt erzählt sie von ihren Ideen, Plänen und Wünschen.

Ich grüße Sie, Joudi Ayash. Mit Ihrem Projekt „Hakaya“ möchten Sie Hörbücher für Kinder in arabischer Sprache zu deutschen Geschichten anbieten. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

J.A.: Als Flüchtlingsmutter mit arabischen Wurzeln habe ich immer versucht, meinem Kind Geschichten aus beiden Sprachen (Arabisch und Deutsch) in unserer neuen Heimat vorzulesen, um neue Kommunikationskanäle in unser Muttersprache zwischen meinem Kind und uns zu erstellen und neue Perspektiven in seiner Fantasie zu erschaffen. Ich hatte Schwierigkeiten, arabische Geschichten zu finden, die sich mit den Bedürfnissen der Kinder befassen und gleichzeitig den Zugang zu meiner Muttersprache erleichtern könnten. Zudem habe ich mit vielen arabischen Müttern gesprochen. Sie teilen die gleiche Meinung, dass die Kinder durch Kindergarten, Schule und Freunde die deutsche Sprache lernen und überwiegend sprechen, jedoch den Zugang zu der arabischen Sprache, die nur zuhause gesprochen wird, verlernen. Die Eltern lernen zwar auch Deutsch. Aber zu Hause sprechen sie Arabisch. Die Familie hat keine gemeinsame Sprache mehr. Dies führt zu Missverständnissen und Problemen.

Durch das Lesen habe ich die Unterschiede zwischen den verschiedenen Kulturen bemerkt. Aber auch die gemeinsamen menschlichen Werte, die uns alle verbinden. Die genannten Erfahrungen habe mich auf meine Idee und mein Traumprojekt gebracht, den ich „Hakaya“ benannt habe: Es werden Kindergeschichten aus dem Deutschen ins Arabische zu übersetzt und als Hörbuch aufgenommen. „Hakaya“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet: Geschichten.
Besonders wichtig ist mir: einen neuen Kommunikationskanal in arabischer Sprache ermöglichen zu können, nämlich den zwischen den Eltern und den Kindern und der Wahrnehmung zu ihrer ursprünglichen Umgebung und ihrer neuen Heimat.

Im Ursprung sind es deutsche Geschichten, die für die Hörbücher ins Arabische übersetzt werden. Wie finden Sie Geschichten, die sich dafür eigenen?

J.A: Zunächst sollten sich die Geschichten an Kinder im Vor- und Grundschulalter richten. Zudem wünsche ich mir neutrale Geschichten, die ohne religiösen oder politischen Hintergrund sind und sich mit den Bedürfnissen der Kinder befassen. Sie sollen Erziehungsstile fördern, die auf ein dialogisches Miteinander und dem Selbstausdruck der Kinder beruhen. Und sie sollen sich mit dem Alltag des Kindes beschäftigen und den nach Deutschland zugezogenen Kindern helfen sich in ihrer neuen Umgebung besser zurecht zu finden. Die gesellschaftlichen Werte wie Gemeinsinn, Mitgefühl und soziale Intelligenz sollen gestärkt werden.

„Hakaya“ ist ein Online-Angebot. Was muss man tun, um die Geschichten zu hören? Und wie erfahren Familien von diesem Angebot?

J.A.: Hakaya ist seit November 2020 online gestellt. Zur Vermarktung wurde dafür mit mehreren Kampagne auf Facebook geworben. Hakaya befindet sich momentan in der Probezeit und zwei Geschichten sind nun kostenlos für die Besucher verfügbar.
Die eingesprochenen Bücher sind unter www.hakaya.de zu finden. Zudem sind wir auf unterschiedlichen Social-Media Kanälen zu finden, wie Spotify oder iTunes.
Nach Ablauf der Testphase planen wir für die runter geladenen Geschichten kleine Preise zu verlangen, da die Geschichten mit Produktions- und Urheberrechtskosten verbunden sind.

Mal in die Zukunft geschaut: Noch steht Ihr Projekt ganz am Anfang. Welche Schritte haben Sie sich für die nächste Zeit vorgenommen?

J.A.: Mein Kopf ist immer voller Ideen. Es ist vielmehr eine Frage der Zeit und der finanziellen Unterstützung. Für die Zukunft hoffe ich, dass wir noch viel mehr Geschichten unterschiedlicher Genre auf die Website stellen können. Geplant sind anfänglich drei Bücher pro Monat, je nach urheberrechtlichen Vereinbarungen ist eine Ausweitung geplant.
Wir möchten den Kontakt mit den Eltern fördern und die Meinungen der Kinder über die Geschichten hören. Auch sind wir offen für neue Ideen zur noch besseren Umsetzung. Zusätzlich planen wir auch zu den Geschichten eigene Kinderlieder auf  der Website zu veröffentlichen, beispielsweise von jungen Bands oder auch von Kindern, die selbst gerne Musik machen. Am liebsten in unterschiedlichen
Musikrichtungen und über verschiedene Themen.

Gibt es etwas, was Interessierte noch über Hakaya wissen sollten? Und haben Sie noch einen Wunsch, bei dem andere Menschen helfen können, damit er vielleicht in Erfüllung geht?

J.A.: Bei meinem Projekt Hakaya werden deutsche Kindergeschichten als Hörbücher ins Arabische übersetzt und eingesprochen. Aber es ist vielmehr auch der Versuch, die verschiedenen Kulturen einander näher zu bringen und die Barrieren zwischen den unterschiedlichen Mentalitäten zu verringern. Die Kinder sollen mit den gemeinsamen menschlichen Werten aufwachsen und schon im Kindesalter ein solidarisches Miteinander lernen. Wichtig, besonders für arabischsprachige Kinder, sind Geschichten aus denen die Kinder etwas über ihren Körper, ihre Gefühle und ihr Selbstbewusstsein lernen können.  Hakaya braucht momentan viele Geschichten und Autoren, die von der Idee
begeistert sind und mich in der ersten Phase unterstützen möchten. Ich bin sehr an Kinderbüchern interessiert, die von Freundschaft, Liebe oder Sachgeschichten/ Erziehungsgeschichten handeln.

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Engagiert Herkunftsländer Literatur Medien Projekt Sprache Zusammenleben
Susanne ist im Bibliothekswesen tätig. Bei kohero schreibt sie eigene Texte, unterstützt als Schreibtandem und [...]

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