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Die Rückkehr nach Haifa. Eine Buchvorstellung

Die Lektüre ist eine kleine palästinensische Perle: Der Autor Ghassan Kanafani führt uns in die zwiespältige Welt von Israel und Palästina, von Israelis und Palästinensern. Er lässt uns schwanken in unserer Sympathie. Er lässt uns fragen nach Gerechtigkeit, Elternliebe, Opfer. Ihm gelingt es, uns empathisch teilhaben zu lassen am Schicksal des palästinensischen Volkes in einem Einzelschicksal. Ohne ausufernd zu tief zu schürfen, vermittelt seine knappe Prosa subtil Gedanken, Hoffnungen, Ängste, Ergebenheit und Fragen nach Heimat und Identität. 

Die Rückkehr nach Haifa.

Wie mit einem Skalpell zerlegt er in „Rückkehr nach Haifa“ die Situation der Geflüchteten und Neuangekommenen:  Träume von Angekommensein und die Träume von Rückkehr, die oft zu einem Totengrab der eigenen Hoffnungen und Sehnsüchte werden. Zurück zu den Wurzeln, zur Vergangenheit, zur Familie, zur Herkunft. Aber es führt kein Weg zurück. Rückkehr ist fast immer mit einem definitiven Abschiednehmen verbunden. Denn die Zeit steht nicht still. Panta rhei.

Und so hat sich das Schicksal von Said und Safiya nach zwanzig Jahren des Bangens, der Vorwürfe vollendet. Sie stehen ihrem leiblichen Sohn gegenüber: Chaldun, der damals in den Wirren von 1948 verloren ging. Denn die wogenden Massen der Fliehenden, die Kraft des mitreißenden Menschenstromes trieb alle zum Meer. Und obwohl sie sich gegen diesen menschlichen Magneten stemmten, gelang es ihnen nicht, zu ihrer Wohnung zurückzukehren, wo der fünfmonatige Chaldun allein in seinem Bett lag. Sie wurden zu Eltern ohne Kind: heimatlos, kinderlos, entwurzelt. Mit der Einsicht voller Reue: Wir hätten Chaldun nie verlassen dürfen, nicht die Wohnung, nicht Haifa.

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