Aus der Kanzlei in die Altenpflege

Vor fünf Jahren kam Abdallah Taan nach Deutschland. Seinen Beruf kann der Rechtsanwalt hier nicht ausüben. Deshalb hat er sich dazu entschieden, in der Altenpflege zu arbeiten. Nach drei-jähriger Ausbildung ist er nun seit Anfang April 2021 als examinierter Altenpfleger in einer Demenz-Wohngemeinschaft tätig.

Porträt Taan
Fotograf: apd

Abdallah Taan (42) ist einer von hunderttausenden Menschen, die 2015 nach Deutschland geflohen sind. Der aus Damaskus stammende Syrer wohnt nun in Gelsenkirchen und hat vor kurzem seine Ausbildung in der Altenpflege bei der APD, der Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH, absolviert.

Nichts zu tun kommt nicht in Frage

Wie hunderttausende Syrer*innen, die ihre Heimat wegen des Krieges und des zunehmenden Leidensdrucks verließen, entschloss sich auch Abdallah, Syrien zu verlassen und mit seiner Familie nach Deutschland zu fliehen. Er ist Rechtsanwalt von Beruf und hätte gerne seine Arbeit in Deutschland weitergeführt. Allerdings wurde ihm von der Agentur für Arbeit gesagt, dass er seinen Beruf in Deutschland nicht ausüben könne, da die deutschen Gesetze andere sind als die in seiner Heimat. 

Porträt von Altenpfleger Taan
Als Rechtsanwalt kann Taan in Deutschland nicht mehr arbeiten. Doch er hat einen neuen Beruf in der Altenpflege gefunden, der ihn erfüllt.

Abdallah bekam einen Aufenthaltstitel als anerkannter Flüchtling, dadurch darf er in Deutschland mindestens für drei Jahre bleiben. So erhielt er die Möglichkeit zu arbeiten und sich in die deutsche Gesellschaft besser zu integrieren. Durch die Sprachkurse schaffte Abdallah seine ersten Schritte. Danach versuchte er, mit seinen Sprachkenntnissen einen Job zu finden, um auf eigenen Beinen zu stehen.

Nach dem Gespräch mit der Agentur für Arbeit verabschiedete sich Abdallah von der Idee, in Deutschland in seinem alten Beruf zu arbeiten. Trotzdem gab er nicht auf, denn „nichts zu tun“ kommt für ihn nicht in Frage. Deshalb suchte Abdallah nach einer anderen Möglichkeit, um sich in seinem neuen Leben wohlzufühlen und einen produktiven Beitrag zum Wohle der ganzen Gesellschaft leisten zu können. Auf diese Weise wollte er auch ein gutes Bild seiner eigenen Kultur vermitteln.

Das Glück in der Altenpflege finden

In Gelsenkirchen kümmerten sich Abdallah und seine Frau um eine alte Nachbarin. Er ging für sie einkaufen und half ihr bei der Körperpflege. Die alte Dame machte Abdallah auf die APD, die Ambulanten Pflegedienste Gelsenkirchen, aufmerksam. Sie sagte ihm: „In Deutschland gibt es viele alte Menschen, die Hilfe brauchen. Versuche, dort als Altenpfleger dein Glück zu finden“.

Über eine Orientierungsmaßnahme für Geflüchtete erhielt Abdallah dann einen Praktikumsplatz bei der APD. Die Teilnahme an dem Seminar war für ihn ein weiterer Schritt zum Ziel, in der Altenpflege zu arbeiten. „Ich wollte eine Ausbildung in diesem Bereich machen, denn ich liebe alte Menschen. Sie zu pflegen und zu baden, ist für mich so als würde ich mich um meine eigenen Kinder kümmern“, sagt Abdallah. „Ich habe diesen Beruf ausgewählt, denn Alte zu pflegen und Menschen zu helfen sind wichtige Aufgaben“, ergänzt er.

Während der Ausbildung hat Abdallah viel über das Leben in Deutschland und die deutsche Kultur gelernt. Mittlerweile hat er seine Sprachkenntnisse verbessert. „Ich habe viele Wörter gelernt“, sagt er. Am Anfang fiel es ihm schwer, alle neuen Wörter und die Gespräche mit den alten Menschen zu verstehen, doch er fand einen Umweg durch ein Lächeln. Abdallah meint: „Der kürzeste Weg zum Herzen eines anderen Menschen ist ein Lächeln. Damit kann man Brücken bauen nicht nur zwischen den Menschen, sondern auch zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen“.

Er hat es geschafft!

Abschllussfeier der Ausbildung von Taan
Taan auf der Abschlussfeier seiner Ausbildung in der Altenpflege.

Im März 2021 schloss der Syrer die Ausbildung mit sehr guten Prüfungsnoten ab. Seit April ist er mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag in einer Demenz-WG der APD in Gelsenkirchen tätig, die ganz in der Nähe von seiner Wohnung liegt. Vor der Abschlussprüfung seiner Ausbildung hatte Abdallah monatelang Tag und Nacht gelernt, damit er die Prüfung besteht. Als das Ergebnis kam, rief er „Hurra! Ich habe es ja geschafft!“ „Ich bin jetzt sehr zufrieden“ ergänzte er.

Vorbild werden

Trotz der Schwierigkeiten empfand Abdallah keine Panik vor der Zukunft in dem neuen Land. Weil es ihm unmöglich war, in seinem alten Beruf zu arbeiten, handelte er flexibel und suchte sich einen anderen Weg, um sich ein gutes Leben in seiner neuen Heimat aufzubauen.

Mit seiner erfolgreichen Lebensgeschichte ist er zu einem Vorbild in seiner Community geworden. Abdallah erzählt seinen Freunden, Bekannten und der Familie über seine Tätigkeit in der Altenpflege. Viele davon sind bereits seiner Empfehlung gefolgt und haben sich im Pflegebereich beworben. Einer von ihnen war ebenfalls Anwalt in Syrien und befindet sich im April 2021 nun im zweiten Ausbildungsjahr zum Pflegefachmann bei der APD.

In Deutschland fühlen sich Abdallah und seine Familie willkommen, obwohl sie aus einer anderen Kultur stammen. Bald wird Abdallah einen Antrag auf Einbürgerung stellen. Deshalb möchte er den Deutschen für ihre Gastfreundschaft danken. Außerdem bedankt er sich vom ganzen Herzen bei der APD, dass man ihm dort die Chance gab, Teil eines tollen Teams zu sein.

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Info:

Die APD, Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH, wurde 1993 gegründet. Zu den Dienstleistungen des Unternehmens zählen die ambulante und teilstationäre Pflege, hauswirtschaftliche Dienste, die ambulante Begleitung von Demenz-Wohngemeinschaften sowie Servicewohnen.  Mit mehr als 450 Mitarbeitenden, rund 800 Patientinnen und Patienten sowie sechs Demenz-Wohngemeinschaften in Gelsenkirchen und Meinerzhagen zählt das Familienunternehmen zu den größten privaten ambulanten Gesundheits- und Pflegediensten in Deutschland.

Unter dem Motto „Pflege kann integrieren“ trägt die APD ihren Teil zur „Willkommens- und Bleibekultur“ in Deutschland bei. Mittlerweile arbeiteten Menschen aus 13 Nationen unter dem Dach der APD, u.a. aus Serbien, Polen, Kenia oder der Türkei. APD-Geschäftsführer Claudius Hasenau sagt: „Wir betrachten Vielfalt als Bereicherung und Chance. Durch Ausbildung und Beschäftigung in der Pflege können wir als Arbeitgeber den Menschen, die zu uns kommen, eine berufliche Heimat geben.“ (Quelle).

Ahmad Shihabi
Als Praktikant bei einem Verlag fing Ahmad mit seiner Arbeit im Journalismus an. Danach arbeitete er als Redakteur im Politik- und Kulturbereich bei dem palästinensischen Magazin „Al-Hourriah“. Seit Februar 2019 unterstützt er das Team des JournalistenBüro Herne als Redaktionsassistent.
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Ahmad Shihabi
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