Jüdisches Leben zum LESEN

Was weißt du eigentlich über jüdisches Leben? Wie glaubst du, sieht der Alltag von Jüd*innen aus? Obwohl die jüdische Kultur seit über anderthalb Jahrtausenden ein prägender Bestandteil unserer Gesellschaft ist, haben viele gar keine oder nur wenige Berührungspunkte mit dem Judentum. In unserer dreiteiligen Reihe “Jüdisches Leben zum Folgen, Lesen und Hören & Sehen” wollen wir dir einfache und teils unterhaltsame Möglichkeiten zeigen, wie du die Vielfalt des jüdischen Lebens kennenlernen und in deinen Alltag integrieren kannst.

In unserem ersten Teil versorgen wir dich mit Lesestoff, der dich mit jüdischen Perspektiven bereichert.

Max Czollek – Desintegriert euch!

Bereits im Vorwort ist bemerkbar, dass Max Czollek sehr wütend ist. Der jüdische Autor hat ein Problem damit, dass viele Menschen in Deutschland nach wie vor Minderheiten in Rollen drängen. Dabei geht es bei Czollek vor allem um Jüd*innen, die zu Themen wie Holocaust oder Antisemitismus immer eine Antwort haben müssen. Sie sind Teil eines “Integrationstheaters”, das das Bild einer geläuterten Gesellschaft stabilisiert. Das verschleiert rechte Gedanken, die sich währenddessen auch in der sogenannten gesellschaftlichen Mitte ausbreiten. Czolleks Lösung: Desintegration.

In Desintgriert euch! plädiert, appelliert und argumentiert Czollek für eine Gesellschaft, in der niemand das Recht hat, andere zur Integration aufzufordern. Das Buch findest du hier beim Verlag btb.

 

Eve Harris – Die Hochzeit der Chani Kaufman

Kann ein junges Paar heiraten, obwohl es sich nur dreimal gesehen hat, kaum ausgetauscht und noch nie berührt hat? Die eigensinnige Chani Kaufman und der schüchterne Baruch Levy tun es. Beide leben in London und stammen aus jüdisch-orthodoxen Familien – arrangierte Ehen gehören zur Tradition. Auf die Ehe wird Chani von der Rebbetzin Zilberman vorbereitet. Sie und ihr Ehemann Chaim Zilberman sind angesehene Mitglieder der Gemeinde. Während Chani sich Gedanken über ihren Zukünftigen, die Ehe, das Glück und die Zukunft macht, erinnert sich die Rebbetzin an ihr “altes” Leben zurück. Ein Leben, in dem sie Sneaker, Jeans und lange Haare trug. Und das sie aus Liebe hinter sich gelassen hat.

Eve Harris lässt ihre Leser*innen nicht nur an den Gedanken ihrer Figuren teilnehmen, sondern bringt ihnen auch den jüdischen Alltag gleich mehrerer Familien näher. Am Ende des Buches gibt es ein Glossar, das die jiddischen Begriffe erklärt. Das Buch ist hier beim Diogenes-Verlag erschienen.

 

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Thomas Meyer –  Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse

Die Mutter von Mordechai Wolkenbruch, der von allen Motti genannt wird, will eigentlich nur das Beste für ihren Sohn. Dazu gehört auch die Vermählung mit einer jungen orthodoxen Frau. Doch die Frauen, die Mottis Mutter ihm vorstellt, sehen alle aus wie sie. Motti lehnt ab und wirft ein Auge auf seine Kommilitonin Laura – einer schickse, eine Nichtjüdin. Sie trägt Jeans, trinkt auf Partys am liebsten Gin Tonic und redet, wie ihr der Mund gewachsen ist. Aber geht das? Eine schickse heiraten und glücklich werden? Nach einem Aufenthalt in Israel erkennt Motti schnell, dass das Leben weit mehr zu bieten hat, als er bislang dachte. Und das dieses “mehr” nicht immer gut ist.

Thomas Meyer erzählt mit viel Humor die Geschichte eines jungen Juden aus Zürich, der versucht, sich von seiner Mutter zu befreien und damit ins Ungewisse stürzt. Auch hier gibt es am Ende des Buches ein Glossar mit jiddischen Begriffen. Das Buch findest du hier beim Diogenes-Verlag.

 

Katharina Höftmann Ciobotaru – Alef

Maja liebt Eitan. Eitan liebt Maja. Eigentlich nichts Ungewöhnliches – doch die beiden stammen aus zwei völlig unterschiedlichen Welten. Maja wächst in der DDR auf. Ihre Mutter ist Karrierefrau mit Alkoholproblem. Ihr Vater verliert sich nach der Wende.

Eitan ist Israeli. Die Angehörigen seiner Familie haben den Holocaust überlebt. Auf dem Weg bis zur ersten Begegnung von Maja und Eitan erzählt Höftman Ciobotaru die Geschichten der beiden Familien, die sich durch ein Jahrhundert zieht. Es geht um Schicksalssschläge, Veränderungen, Schuld und Liebe.

Mit Alef hat Höftman Ciobotaru eine Liebes-, Herkunfts- und Familiengeschichte geschaffen, die ihrer eigenen nicht unähnlich ist und die Leser*innen bis zur letzten Seite in Atem hält. Das Buch ist hier bei Ecco, einem Verlag für weibliche Stimmen, erschienen.

 

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Juna Grossmann – Schonzeit vorbei : Über das Leben mit dem täglichen Antisemitismus und ihr Blog “irgendwie jüdisch”

Wie der Titel bereits verrät, erzählt Juna Grossmann in ihrem Buch “große und kleine Geschichten des alltäglichen Antisemitismus”. Sie berichtet von Menschen, denen sie während ihrer Arbeit in einem jüdischen Museum begegnet und den verletzenden Aussagen und Vorwürfen, die sie sich immer wieder anhören muss. Von einem koscheren Ladenbesitzer in Berlin Tegel, der seinen Laden nach Anfeindungen aufgegeben und daraufhin seine Heimat Deutschland verlassen hat. Und von ihrer Mutter, die die Mesusa (Schriftkapsel, die an der Haus- oder Wohnungstür hängt) von ihrer Wohnungstür genommen und aus der Wohnung entfernt hat. “Man kann ja nie wissen”, sagt Grossmanns Mutter. Das Buch findest du hier bei Droemer Knaur.

Seit 2008 beschreibt sie zudem hier auf ihrem Blog “irgendwie jüdisch” ihren Alltag als Jüdin. Hier rezensiert sie Bücher anderer Autor*innen und sammelt Empfehlungen.

 

Ira Ginzburg & Citykat Stories – Tel Aviv Stadtgeschichten 

Wie könnte man besser die jüdische Kultur kennenlernen als mit einer Reise nach Tel Aviv? Auch wenn ihr vielleicht (noch) nicht die Möglichkeit habt, physisch nach Tel Aviv zu reisen, könnt ihr mit dem illustrierten City-Guide trotzdem schon auf Entdeckungsreise in der pulsierenden Metropole gehen. Es handelt sich bei dem Guide nicht um einen gewöhnlichen Stadtführer, sondern um ein Mal- und Kreativbuch, ein Reisetagebuch und einen Ratgeber rund um die Kultur, Architektur, Kulinarik und das Lebensgefühl von Tel Aviv. Ob Tipps für die schönsten Sehenswürdigkeiten und Party-Locations, Fun-Facts über die israelischen Eigenarten oder Hebräisch-Vokabeln für die gelungene Kaffeebestellung – In diesem kreativen Büchlein ist für jede*n etwas dabei!

Der deutsch-jüdische Verlag Ariella möchte mit dem City-Guide einen neuen, modernen und  humorvollen Zugang zur israelischen Stadt Tel Aviv, und letztendlich zum Judentum schaffen. Die deutsche Ausgabe des City-Guides findest du hier.

 

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Wenn du noch mehr über das jüdische Leben erfahren möchtest, dann lies doch hier das Interview mit Rebecca Rogowski, einer gläubigen Jüdin.

Du möchtest noch mehr über das jüdische Leben in Deutschland erfahren? Dann entdecke hier in Teil 3 spannenden Hören  und hier in Teil 2 interessante Instagram-Accounts, den du folgen kannst.

Beruflich wie privat haben es Diane Wörter angetan. Doch nicht nur beim Schreiben und Lesen geht ihr Herz auf, sondern auch beim Lindy Hop. Wenn sie nicht tanzt, trifft man sich in Museen, Kinos oder auf Konzerten. Bei kohero setzet sie ihr Können im Social-Media-Bereich ein. „Für mich ist kohero eine spannende Möglichkeit mich für etwas Gutes einzusetzen und das zu tun, was ich eh gerne mach: kreativ arbeiten, schreiben und Menschen kennenlernen.“
Luisa hat Kultur der Metropole in Hamburg studiert und beschäftigt sich gern mit politischen Themen, v.a. im Kontext feministischer Diskurse. Bei kohero ist sie seit Januar 2021 und möchte sich hier für einen Dialog zwischen Menschen mit den verschiedensten Hintergründen einsetzen.
Anna hat American Studies und Französisch in Mainz, Dijon und Sherbrooke (Québec) studiert. Sie liebt es zu reisen und neue Kulturen zu entdecken. Neben ihrem großen Interesse für interkulturelle Themen, begleitet sie schon immer eine Leidenschaft fürs Schreiben. „Es ist mein Wunsch, gesellschaftlich und kulturell relevante Themen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und die Geschichten von Menschen sichtbar zu machen, die wirklich etwas zu erzählen haben.“
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