Muhajerin bedeutet Geflüchtete

Hier erzählt ein Sohn der Stadt Damaskus von seinen Erinnerungen an sein Stadtviertel.

Fotograf: Privat

Kurze Geschichte eines Stadtviertels in Damaskus

 

Muhajerin ist ein ziemlich neues Stadtviertel (oder Stadtachtel, wenn man genauer sein will) von Damaskus, es liegt im Nordwesten der Stadt. Der Name bedeutet „Immigranten“, weil es von jenen gegründet wurde.

Zwischen 1890 und 1900 brachen viele Kriege im Balkan und auf Kreta (eine große Insel im Mittelmeer) aus. Zehntausende Personen, die nichts hatten, flohen nach Damaskus. Als sie nach Damaskus kamen, gab es eine Flüchtlingskrise.

Damals war Damaskus, wie heute noch, eine „für-alle-Stadt“, für alle Religionen und alle Völker. Dort wohnten Moslems (fast alle Konfessionen des Islams), Christen (zurzeit gibt es rund zehn christliche Konfessionen) und Juden. Sie waren Araber, Kurden, Assyrer und Syriacs, Türken und Türkmenen.

Als die Flüchtlingskrise geschah, nannten die Damaszener die Flüchtlinge „Immigranten“ und nicht „Flüchtlinge“ und eine Entscheidung wurde unter den Einwohnern gefällt: Diese Immigranten müssten auf jeden Fall unterstützt werden. Was wirklich besonders war, dass einige von den reichsten Damaszenern den Immigranten ein äußerst großes Landstück im Nordwesten Damaskus umsonst gaben, sodass sie ein neues Leben anfangen konnten. So fing das Stadtviertel an und so sind die Immigranten Eigentumsinhaber geworden. Sie verloren keine Zeit und bauten ihre Häuser und die meisten gründeten ihre eigenen „Unternehmen“.

Danach, zwischen 1914 – 1918, kamen viele neue „Immigranten“ wegen verschiedenen Kriegen aus verschiedenen Orten vom Kaukasus (Aserbaidschan, Armenien, Georgien, Tschetschenien, Inguschien, Tscherkessien, Chechnien, Dagestans usw.) hinzu.

Als diese „Muhajerin“ ihre eigenen Landstücke bekamen und unterstützt wurden, arbeiteten sie äußerst hart, bauten Häuser und hatten viel Erfolg. Nach und nach sind sie reich geworden.

Nun ist das Stadtviertel „Muhajerin“ eines der reichsten Stadtviertel Damaskus. Der ehemalige König Syriens und alle syrischen Präsidenten hatten dort Residenzen, einschließlich der jetzige Präsident- und auch fast alle Botschaften von allen Staaten der Welt liegen dort.

Diese Geschichte ist meinerseits eine Inspirationsgeschichte. Eine Geschichte der Mühe, der Flucht und des Erfolgs. Nach diesen Erinnerungen glaube ich, dass man alles, was man will, machen kann, trotz allen Schwierigkeiten und harten Situationen.

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