Stilles Leben im Corona-Lockdown

Sahar erfährt durch die Medien vom Corona-Virus. Sie macht sich Sorgen wegen der Situation in ihrem Heimatland und auch wegen ihrer Arbeit. Ihr Leben steht still.

Corona. Foto: CDC on Unsplash
Fotograf: Foto: CDC on Unsplash

Ich fühle und denke, dass mein Leben stillsteht, als ob ich an einigen Stellen blockiert wäre, von denen ich mich nicht weg bewegen kann.

Die Nachrichten berichteten vom Corona-Virus

Im Januar bin ich durch die Nachrichten auf Corona aufmerksam geworden, als die Bevölkerung in China dieses Virus bekommen hat und in der Folge immer mehr Menschen infiziert wurden und starben. Ich verfolgte die Nachrichten, um zu wissen, wie es mit China weitergeht.

Später kam es zu dem Punkt, dass die Nachrichtenkanäle und Facebook-Seiten verkündeten, dass das Virus auch Menschen im Iran infiziert hat, und dann kam es nach Europa. Ich war erschrocken, weil ich bis dahin keine weiteren Informationen über dieses Virus hatte, aber als ich viel recherchierte, war ich total schockiert, wie es sich auf alle Menschen auf der Welt auswirkt und noch weiter auswirken wird. Denn wie ich beobachtet hatte, reisten viele chinesische Staatsbürger als Touristen nach Europa, wo sie das Virus übertragen konnten.

Dann kamen die Probleme

Es kam der Moment, Mitte März, da bekam ich eine E-Mail vom Büro, dass es geschlossen wird. Das hat mich damals geärgert, weil ich mein Laptop-Ladegerät nicht dabei hatte und ich konnte auch nicht ins Büro rein. Ein Kollege löste das Problem, weil er ein extra Ladegerät hat, das ich ausleihen konnte.

Das zweite Problem war, dass ich für das Homeoffice einen neuen Laptop hatte, der nicht konfiguriert war, so dass ich keinen Zugang zu den Internet Tools und dem Server hatte. Das wurde ebenfalls mit Hilfe eines Kollegen gelöst, indem wir unsere Bildschirme teilten und er mir telefonisch half.

Das dritte Problem war, dass ich in eine neue Wohnung umgezogen bin, in der ich keine Wifi-Verbindung habe. Aber eine Nachbarin hat mir ihr Wifi-Passwort gegeben und ich bin glücklich wegen ihrer Hilfe in dieser Situation, denn die Internet-Firma liefert die Verbindung erst Anfang Mai. Das ist eine sehr lange Zeit.

Jetzt im Lockdown habe ich eine schreckliche Zeit zu Hause, weil ich vom Homeoffice aus arbeite. Ich lebe allein und nur meine Arbeit und mein soziales Leben, haben mich immer beschäftigt. Dabei brauche ich mein soziales Leben wirklich, ich möchte ausgehen und ohne Stress einkaufen oder spazieren gehen. Auch das Berufsleben ist beeinträchtigt, denn niemand ist sicher, ob er oder sie weiterhin auf ihrer/seiner Stelle arbeiten wird oder nicht, weil die Budgets gekürzt wurden und die Büros planen ihr Personal abzubauen.

Gleichzeitig mit der Schließung der Regierungsbüros musste ich meine Adresse auf meinen Dokumenten ändern. Und jetzt muss ich warten bis der Lockdown vorbei ist.

Corona in Afghanistan

Ich halte mich durch E-Mail-News-Abonnements und Social Media über das Virus auf dem Laufenden und wenn ich die Nachrichten in meinem Herkunftsland Afghanistan, im Land meiner Familie und Freunde verfolge, ist die Situation schlimm. Jeder hat Angst wegen der unzureichenden medizinischen Behandlungen und der geringen Anzahl medizinischer Einrichtungen in meinem Land. Die Regierung wird nichts mehr tun können, wenn die Zahl der Infizierten steigt. Die Menschen werden sterben, weil die Regierung keine Einrichtungen hat.

Was die Abriegelung betrifft, so ist Kabul seit einer Woche unter Lockdown. Wenn in Afghanistan eine Person nicht arbeitet, bekommt sie kein Geld. Die Bevölkerung kann nun also entweder zu Hause bleiben oder raus gehen um zu arbeiten und Geld zu verdienen.

Eine Woche vor der Ausgangssperre sind die Lebensmittelkosten dort in den Himmel gestiegen. Ein Sack Mehl kostet normalerweise 1500 Rupien, aber letzte Woche wurde der Preis verdoppelt, und die Ladenbesitzer verlangten bis zu 3000 Rupien pro Sack Mehl. Dasselbe passierte auch bei allen anderen Lebensmitteln.

Auch in Deutschland überteuerte Produkte

Auch hier in Deutschland habe ich das beobachtet. Vorher kaufte ich Desinfektionssprays für 1,99 Euro und letzte Woche, nachdem ich lange danach gesucht hatte, fand ich es für 5 Euro. Das gleiche war der Fall bei Handdesinfektionsmitteln, zuerst kostete es 1 Euro und letzte Woche habe ich eines für 4 Euro gekauft. Ich schätze, es ist eine völlig unfaire Welt.

Meine Message:

Bitte bleibt zu Hause denn da seid ihr sicher. Bitte bleibt loyal. Wenn ihr die Symptome des Virus bekommen habt, riskiert nicht, dass andere es auch bekommen. Es ist nicht die Arbeit der Regierung, jede Person in ihrem Haus zu überprüfen.. Es ist eure eigene Verantwortung, loyal zu bleiben und zu Hause zu bleiben, damit ihr andere nicht mit dem Virus ansteckt. Bleibt zu Hause und hofft, dass wir alle bald aus dieser Situation herauskommen!

 

Entstanden im Tandem mit Tilla Lingenberg in SchreibTandem Projekt
Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“
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Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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