Neues aus Afghanistan: Mitte Juni bis Mitte Juli

In unserer monatlichen Kolumne "Neues aus Afghanistan" fasst unsere Autorin alle Ereignisse aus der Region zusammen.

Häuser in Kabul, Afghanistan

Truppenabzug

Die Türkei kann ihre Truppen in Afghanistan halten, wenn die Verbündeten sie politisch, finanziell und logistisch unterstützen. Am 07. Juni hatte Verteidigungsminister Trukey in Ankara ein Gespräch mit den USA zu diesem Thema. Joe Biden kündigte an, dass die Truppen seines Landes ab dem 1. Mai mit dem Abzug aus Afghanistan beginnen werden. Der Abzug wird bis zum 20. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 abgeschlossen sein.

Es wird erwartet, dass mehr als 5000 Truppen der NATO aus Afghanistan abziehen werden. Die Türkei hat 500 Soldaten in Afghanistan als Teil der NATO-geführten Resolute support Mission (RSM)

Angriffe der Taliban

Seit Mitte Juni gab es erneut Explosionen.

Der Sprecher des Innenministeriums, Tariq Arian, sagte, vom 12. bis zum 17. Juni habe die Statistik gezeigt, dass die Taliban 30 Attentate, 115 Explosionen und sechs Selbstmordattentate verübt hätten. Hierbei wurden neben 79 Toten weitere 219 Menschen verletzt und Dutzende von Häusern zerstört.

Am 14.6. zerstörten die Taliban eine Brücke im Bezirk Shulgara in Balkh: Nach Zusammenstößen mit Sicherheitskräften in diesem Landkreis zerstörten die Taliban die Brücke mit einer Mine. Die Brücke verband die Dörfer Khakbad und Naqalin mit dem Zentrum des Distrikts Shulgara und erschwert so nun den Bewohnern der Dörfer das Reisen.

 Am 10. Juli fand ein Taliban-Angriff in der Nähe der Stadt Kandahar statt. Offizielle Angaben sagen  die Taliban haben mindestens zwei Sicherheitsaußenposten in Kandahar übernommen und kontrollieren zehn Bezirke in Kandahar. Aber der Bürgermeister/ Governeur von Kandahar (Rohullah Khanzada) und der Polizeikommandant Salim Ehsas haben versichert, dass die Situation unter Kontrolle ist. Dennoch gibt es Bedrohungen.

Afghanische Sicherheitskräfte bekämpfen die Taliban auch in den Zentren der Provinzen Kunduz, Baghlan, Herat, Ghazni, Faryab und Miadan Wardak.

Covid 19

Am 12. Juli hat das Gesundheitsministerium mitgeteilt, dass es innerhalb von 24 Stunden 1.236 neue  Covid 19-Fälle gab von 3.603 Proben. Im gleichen Zeitraum gab es 58 Todesfälle. Die Gesamtzahl der registrierten Fälle beträgt jetzt 135.889 und die Gesamtzahl der Todesfälle beträgt 5.849 nach den Zahlen des Gesundheitsministeriums. Letzte Woche erhielt Afghanistan aus den USA 1,48 Millionen Dosen des Impfstoffes von Johnson & Johnson.

China spendete auch rund 1 Million Dosen der Covid-Impfstoffe.

Abschiebung aus Deutschland

10.06.2021: Deutschland schiebt eine Gruppe von afghanischen Flüchtlingen ab: 42 afghanische Flüchtlinge, deren Asylanträge in Deutschland abgelehnt wurden, wurden abgeschoben. Seit Dezember 2016 hat Deutschland damit begonnen, afghanische Flüchtlinge, deren Asylanträge abgelehnt wurden, abzuschieben. Seitdem wurden 1.100 Afghanen auf 32 Flügen nach Afghanistan ausgeflogen.

Afghanistan bei den Olympischen Spielen

Am 1. Juli 2021 kündigte der afghanische Nationale Olympische Ausschuss an, dass fünf Athleten aus vier verschiedenen Sportarten, darunter Schwimmen, Leichtathletik und Taekwondo, nach Japan reisen werden. Sie nehmen an den Wettkämpfen teil und vertreten Afghanistan.

Asienmeisterschaften

Muhsan Rezaee gewann die 24. Runde der Asienmeisterschaften durch den Gewinn der Goldmedaille. Er besiegte seine Gegner aus Kuwait, Taiwan, Pakistan und Südkorea. Es ist das erste Mal, dass ein afghanischer Taekwondo-Kämpfer eine asiatische Meisterschaft gewonnen hat.

Flucht aus den eigenen Häusern

Nach Angaben von BNA sind aufgrund des anhaltenden Krieges und der Zusammenstöße mehr als 1500 Familien aus verschiedenen Bezirken der Provinz Daikundi aus ihren Häusern geflohen. Sie wurden in das Dorf Kisavi in Kati vertrieben. Pato ist ein unsicherer Distrikt in Daikundi, in dem die Taliban für Sicherheit gesorgt haben. Aber dieses Mal haben sie die Häuser zerstört und das Eigentum der Zivilbevölkerung in Brand gesetzt, so dass die Menschen ihre Häuser verlassen haben.

Afghanischer Dokumentarfilm

Der afghanische Dokumentarfilm Birds Street wird in der Filmmarkt-Sektion des internationalen Filmfestivals in Cannes gezeigt. Es ist ein 70-minütiger sozialer Dokumentarfilm. Sahraa Karimi hat ihn unter der Regie von Hezbullah Sultani produziert.

Visa für gefährdete afghanische Frauen

Am 10. Juli stellten die USA 2000 Einwanderungsvisa für gefährdete afghanische Frauen aus. Es sind Frauen, die in der Politik tätig sind: Journalistinnen, Menschenrechtsaktivistinnen und zivile Aktivistinnen, die nach dem vollständigen Abzug der US-Truppen gefährdet sind.

Neues Luftabwehrsystem

Am 12. Juli kündigten der Minister für Verteidigung und Inneres ein neues Luftabwehrsystem an, das auf dem Flughafen Kaul installiert wurde. Das System hat sich bei der Abwehr von Raketen und Flugkörpern in der Welt bewährt. Es basiert auf Erfahrungen.

Afghanische Währung

Am 7. Juli ist die afghanische Währung innerhalb von 24 Stunden gegenüber dem Dollar und anderen ausländischen Währungen gefallen. Wirtschaftsexperten sagen, dass einer der Hauptgründe für den Werteverlust die Unsicherheit ist, die der Abzug der ausländischen Truppen verursachte. So ist der Preis für Öl, Reis und Mehl auf dem Markt gestiegen. Es gibt nicht genug Waren auf den Märkten. Gleichzeitig ändern sich die Preise und steigen jeden Tag rapide an. All dies steht in direktem Zusammenhang mit dem Anstieg des Dollarwertes.

Neues aus Afghanistan im Mai kannst du hier lesen.

Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“
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Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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