Neues aus Afghanistan im Juli

In unserer monatlichen Rubrik "Neues aus Afghanistan" fasst unsere Autorin Sahar Reza die Ereignisse des letzten Monats, Juli, zusammen. Heute geht es überwiegend über die Gewalt, die den Menschen in dem Land angetan wird.

Kabul, Neues aus Afghanistan
Fotograf: Mohammad Rahmani on Unsplash

Aufbau von Koranschulen

Die Taliban bauen in Panjshir, Khost und Tora Bora extremistische Koranschulen auf und versuchen, Afghanistan in eine Hochburg des Terrorismus zu verwandeln. Die Einrichtung eines Trainingscamps mit einer Kapazität von Tausenden von Schülern unter einem religiösen Vorwand hat keine anderen Ziele als die Provinzen in eine starke Basis für Terroristen zu verwandeln. Die Einrichtung solcher Schulen ist weder notwendig noch sinnvoll, sondern sie dient anderen Zielen. Wenn diese Situation fortgesetzt wird, dann wird es für die gesamte Region und die Welt gefährlich, da die Taliban dort Terroristen hervorbringen werden.  *8am.af

Frauen begehen Selbstmord

In weniger als 24 Stunden haben drei Frauen in den Provinzen Takhar, Uruzgan und Diakondi Selbstmord begangen. Die Gründe für ihre Selbstmorde waren: Armut, häusliche Gewalt, fehlende Bildung und Arbeitslosigkeit sowie Dutzende anderer Schwierigkeiten, mit denen afghanische Frauen konfrontiert sind. Sie haben keine andere Wahl, als Selbstmord zu begehen. Es fehlt an rechtlichen Institutionen, die sich mit Fragen der häuslichen Gewalt befassen. *8am.af

Gewalt an der afghanischen Bevölkerung

Die Hilfsmission der United Nations Assistance Mission in Afghanistan (UNAMA) berichtet zusammenfassend über die Menschenrechtslage in Afghanistan in den zehn Monaten seit der Übernahme des Landes durch die Taliban. Demnach gab es bisher 2106 zivile Opfer (700 Tote und 1406 Verletzte). Die Mehrzahl der zivilen Opfer ist auf gezielte Angriffe des Islamischen Staates in der Provinz Khurasan gegen ethnische und religiöse Minderheiten wie Schulen, Moscheen und Versammlungsorte zurückzuführen. Wichtigste Ergebnisse des Berichts, 15. August 2021 – 15. Juni 2022: 8am.af

Sie erfolgten vor allem durch Angriffe mit improvisierten Sprengsätzen (IED), die der ISIL-KP zugeschrieben werden, und nicht explodierte Sprengkörper (UXO).

– 160 außergerichtliche Tötungen, 178 willkürliche Festnahmen und Inhaftierungen, 23 Fälle von Isolationshaft und 56 Fälle von Folter und Misshandlung ehemaliger Angehöriger der ANSF und der Regierung durch das Taliban-Regime.

– 59 außergerichtliche Tötungen, 22 willkürliche Verhaftungen und Inhaftierungen sowie 7 Fälle von Folter und Misshandlung von Personen, die der Zugehörigkeit zur ISKP beschuldigt werden, durch die De-facto-Behörden.

– 18 außergerichtliche Tötungen, 54 Fälle von Folter und Misshandlung sowie 113 Fälle von willkürlicher Verhaftung und Inhaftierung und 23 Fälle von Isolationshaft von Personen, die der Mitgliedschaft in der Nationalen Widerstandsfront NRF beschuldigt werden.

– 217 Fälle von grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Bestrafung durch die Taliban seit dem 15. August 2021

– 118 Fälle von übermäßiger Gewaltanwendung durch die De-facto-Behörden zwischen dem 15. August 2021 und dem 15. Juni 2022.

– Menschenrechtsverletzungen, von denen 173 Journalist*innen und Medienschaffende betroffen waren, von denen 163 den De-facto-Behörden zugeschrieben wurden. Darunter waren 122 Fälle von willkürlicher Festnahme und Inhaftierung, 58 Fälle von Misshandlung, 33 Fälle von Bedrohung und Einschüchterung und 12 Fälle von Isolationshaft. Außerdem wurden in diesem Zeitraum sechs Journalisten getötet (fünf von der selbsternannten Organisation Islamischer Staat im Irak und in der Levante – Provinz Chorasan, einer von unbekannten Tätern).

– 65 Menschenrechtsverletzungen betrafen Menschenrechtsverteidiger, von denen 64 den De-facto-Behörden zugeschrieben wurden. Darunter waren 47 willkürliche Verhaftungen, 17 Fälle von Inhaftierung ohne Kontakt zur Außenwelt, 10 Fälle von Misshandlung und 17 Fälle von Bedrohung und Einschüchterung.

Internationale Afghanistan-Konferenz

Die Taliban-Delegation hat Kabul in Richtung Taschkent verlassen, um an der internationalen Afghanistan-Konferenz teilzunehmen. Diese sollte am 25. und 26. Juli mit eintägiger Verspätung stattfinden. An der Konferenz nahmen 20 Länder der Welt teil, darunter Indien, Pakistan und Iran. „Das Hauptziel der Veranstaltung ist die Entwicklung einer Reihe von Maßnahmen und Vorschlägen für die Ansätze der Weltgemeinschaft zur Förderung der Stabilität, der Sicherheit, des Wiederaufbaus nach dem Konflikt in Afghanistan und seiner Integration in regionale Kooperationsprozesse im Interesse des multinationalen afghanischen Volkes und der ganzen Welt“, heißt es in einer Erklärung des usbekischen Außenministeriums. **TOLO News/8am.af

Thomas West, der Sonderbeauftragte der USA für Afghanistan und Teilnehmer der Konferenz von Taschkent, hat am 26. Juli in einer Reihe von Tweets seine Besorgnis über Menschenrechtsverletzungen, Einschränkungen für Journalist*innen und das Fehlen eines integrativen politischen Prozesses in Afghanistan zum Ausdruck gebracht. Tolo News

Kontrollpunkte an der afghanisch-iranischen Grenze

Die Taliban haben an der afghanisch-iranischen Grenze und im Norden des Landes Kontrollpunkte eingerichtet. Damit wollen sie die Ex-Regierung, ehemalige Soldaten und Kräfte der Nationalen Widerstandsfront identifizieren. 

An der iranisch-afghanischen Grenze werden spezielle Gemeinschaftsspione eingesetzt. Die Mitglieder dieses Teams überprüfen und befragen alle Personen, die die Grenze überqueren wollen, und fragen sie nach ihrem Ausweis. Sie gleichen die Namen und Angaben der Passagiere mit der ihnen vorliegenden Liste ab. Das Team, das die Personen durchsucht, besteht aus Taliban-Mitgliedern und ist mit Mobiltelefonen, Internet und Identitätslisten gesuchter Personen ausgestattet. Diejenigen, die die Grenze überqueren, werden gründlich kontrolliert und verhört. 8am.af

Situation in den Gefängnissen

Seit der Machtübernahme der Taliban sind ehemalige Regierungsmitglieder, Armeesoldaten, Mitarbeiter der Sicherheitskräfte und der nationalen Polizei inhaftiert. Jugendliche und normale Bürger* innen werden unter dem Vorwurf der Kollaboration mit der Nationalen Widerstandsfront und bewaffneten Gruppen, die den Terrorismus bekämpfen, verhaftet. 

Die Gefangenen befinden sich in einer schmerzhaften Situation: Die Zellen sind überfüllt und es gibt keine geregelte Schlafenszeit für die Gefangenen. Dreimal täglich werden sie von den Gefängniswärtern gefoltert und geschlagen. Sie erhalten nur einmal Essen pro Tag und haben keinen Zugang zu gesundem Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Und sie leiden unter psychischen Problemen. 

Keine Menschenrechtsinstitutionen überwachen ihre Situation. Die Bedingungen in den Gefängnissen sind sehr streng. Es dürfen keine Informationen aus den Gefängnissen herauskommen. Den Quellen zufolge heißt es, dass die Taliban nicht wissen, wie sie die Akten ordnen und die Fälle an das Gericht weiterleiten können. Deshalb gibt es Menschen, die seit Monaten im Gefängnis sitzen, deren Fälle aber noch nicht bearbeitet wurden.  Nach einem Bericht der New York Times wurden in den ersten sechs Monaten der Taliban-Herrschaft etwa 500 ehemalige Soldaten verhaftet, gefoltert und getötet. 8am.af

Hochwasser

Die Hochwasser in den Provinzen Paktia, Zabul, Diakundi und Bamyan hat große finanzielle Verluste verursacht und viele Familien vertrieben. Landwirtschaftliche Flächen und Wasserversorgungskanäle wurden zerstört. 8am.af

Quellen haben bestätigt, dass die Taliban den ehemaligen investigation Deputy of narcotics management of Herat police command, head of the criminal and commander of Atal corps in the national secrutiy festgenommen haben. Sie alle arbeiteten für die vorherige Regierung in der Provinz Herat. 8am.af

Neues aus Afghanistan aus dem Monat Juni kannst du hier lesen.

Sahar Reza
Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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Sahar Reza
Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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