Neues aus Afghanistan: im Februar

In unserer monatlichen Rubrik "Neues aus Afghanistan" fasst unsere Autorin Sahar Reza die Ereignisse des letzten Monats zusammen.

Kabul, Neues aus Afghanistan
Fotograf: Kabul, Neues aus Afghanistan

Umgang mit eingefrorenen Geldern

Joe Biden hat angeordnet, die eingefrorenen afghanischen Gelder aufzuteilen.  Die 3,5 Milliarden Dollar sollen für die humanitären Bedürfnisse Afghanistans verwendet werden. Die anderen 3,5 Milliarden Dollar verbleiben in den USA  und sollen für die Opfer des Terrorismus in den Vereinigten Staaten verwendet werden. Tolo News.

Der US-Präsident ordnete an, dass die Hälfte der Devisenreserven Afghanistans nach gerichtlicher Genehmigung den Opfern des 11. Septembers zur Verfügung gestellt werden sollen. Die andere Hälfte soll für humanitäre Hilfe in Afghanistan verwendet werden. Nach dieser Anordnung sagte der pakistanische Vertreter bei den Vereinten Nationen, Munir Akram: „Ein halber Laib Brot ist besser als nichts.“ „Ich unterstütze die Entscheidung der USA, die Hälfte der eingefrorenen Guthaben Afghanistans freizugeben“, sagte Munir Akram. „Es wird mehr Geld benötigt, um die zusammengebrochene Wirtschaft Afghanistans wiederzubeleben.“ 8am news

Die Einwohner in Kabul haben gegen die Entscheidung von Joe Biden protestiert. Die Demonstranten wiesen darauf hin, dass die Anschläge vom 11. September nichts mit Afghanistan zu tun haben. Dieses Geld gehöre dem afghanischen Volk. Sie forderten die internationale Gemeinschaft und die UNO auf, dies zu berücksichtigen. Bakhtar News

Friedensdorf Deutschland

Die Afghan Red Crescent Society (ARCS) plant in Zusammenarbeit mit dem Friedensdorf Deutschland in den nächsten zwei Wochen mindestens 80 Kinder zur medizinischen Behandlung nach Deutschland zu bringen. Die Kinder leiden an verschiedenen Krankheiten. Das Friedensdorf Deutschland ist in Zusammenarbeit mit dem ARCS seit über 30 Jahren in Afghanistan aktiv, um Kinder mit verschiedenen Krankheiten zu behandeln. Laut Statistik behandelte das Friedensdorf Deutschland bisher rund 4.500 Kinder. Tolo News

Heimkurse für Mädchen

Zainab Mohammadi, die Gründerin der Stiftung Pen and Book, hat mit Heimkursen für Mädchen ab der sechsten Klasse begonnen, die am Schulbesuch gehindert wurden. Sie finanziert die Schule, deren Schüler aus den Provinzen Kabul und Parwan stammen. Schneiderei, Handstricken und Weben gehören zu den Berufen, die die Frauen neben der Alphabetisierung erlernen. Tolo News

IEA in Doha

Delegationen der IEA trafen am 15. Februar in Doha, Qatar mit Vertretern der Europäischen Union zusammen.  In der Zwischenzeit traf Mawlawi Amir Khan Muttaqi, der amtierende Außenminister, mit der Union der muslimischen Gelehrten und Vertretern der Golfstaaten zusammen. Bakhtar News

Situation in Panjshir

Einige Bürger in Panjshir behaupten, dass Dutzende von Familien die Provinz wegen der Belästigung durch die derzeitigen Regierungstruppen verlassen haben. Sie sagen, dass nach den bewaffneten Angriffen auf die Regierungstruppen die lokalen Regierungstruppen Hausbesuche durchführen. Dabei schlagen sie die Bewohner und nehmen sie fest. Die örtlichen Beamten bezeichnen diese Vorwürfe als Gerüchte. Die Bewohner haben zugegeben, dass sie die Provinz wegen der genannten Probleme trotz ihrer schlechten wirtschaftlichen Lage verlassen wollen. 8am News

Festnahme von Journalisten

Der ehemalige BBC-Journalist Andrew North ist in Kabul verschwunden. Der Kriegsreporter, der aus Bagdad und Beirut berichtet hat, arbeitete als unabhängiger Journalist und für die UNO in Afghanistan. Am Freitag, den 11. Februar, erklärten einige seiner Kollegen,  sei er zusammen mit acht anderen ausländischen Journalisten in Kabul festgenommen worden. Es wurden Verhandlungen zwischen der UNEMA und Beamten in Kabul aufgenommen, um ihre Freilassung zu erreichen. Die UNEMA hat die Nachricht noch nicht offiziell bestätigt. Und auch die Beamten haben sie nicht bestätigt. 8am News

Proteste von Frauen

Die Taliban haben bei dem Treffen in Oslo versprochen, das Minstry of Women Affairs, das Frauenministerium, wieder zu öffnen. Es ist eine Einrichtung von Frauenangelegenheiten nach islamischen Standards. Sie werden die Proteste der Frauen nicht unterdrücken und die Demonstrant*innen freilassen, wenn ihre Verhaftung bestätigt wird. Die Taliban versprach auch, die Schulen und Universitäten wieder für Frauen zu öffnen. Die Aktivistinnen, die an dem Treffen teilnahmen, fordern auch die Beteiligung von Frauen in der Politik und Wirtschaft. 8am News

Überfall auf Kambaksh Neoui

Eine Gruppe bewaffneter Männer mit Taliban -Ausweisen betrat das Haus von Kambakhsh Nekoui, um es zu inspizieren. Dabei verprügelten sie seine Familienangehörigen. Kambakhsh Nekoui ist ein Universitätsprofessor in Kabul. Er schrieb auf seiner Facebook-Seite:  „Ich habe heute einen traurigen und demütigenden Vorfall erlebt. Meine Frau und meine Tochter wurden schwer verprügelt, mein psychischer Zustand und der meiner Familie sind im schlimmsten Zustand. Meine Frau wurde schwer verletzt.“

Er kritisierte die anhaltenden Unruhen in Kabul. Weiterhin fügte hinzu, dass in der Stadt keine Ordnung herrsche und niemand zur Verantwortung gezogen werde. „Es ist, als ob wir mitten im Nirgendwo unter räuberischen Wölfen festsitzen“. „Die Bürger können auseinandergerissen, geplündert und weggebracht werden. Das ist das Schicksal eines Afghanen, der dazu verdammt ist, zu leben.“ Herr Nikoui betonte, dass er mit keiner politischen Gruppierung in Kontakt stehe und dass es seine und die Pflicht seiner Frau sei, aufzuklären. 8am News

Verbreitung von Omikron

Nach Angaben von Beamten der Covid 19-Behandlungskrankenhäuser in Parwan, Kapisa und Panjshir sind 70 bis 85 % der Bewohner dieser Provinzen mit Omikron infiziert. Zwar verfügen sie nicht über Diagnosekits, aber aufgrund der Symptome und Erfahrungen sagen sie, dass alle Patienten mit Omikron infiziert sind. 8am News

Höchststand von Armut

Eine Frau in Farah hat erzählt, dass sie ihre beiden kleinen Töchter für 60.000 Afghanis verkaufen musste, um ihre beiden Söhne zu retten. Der Ehemann ist drogenabhängig und sie muss manchmal die Wäsche von Nachbarn waschen, um Brot für ihre Kinder zu verdienen. Sie sagt, sie habe zwei Töchter verkauft, weil sie kein Einkommen habe. Zivilaktivisten in Farah berichten, dass die Armut ihren Höhepunkt erreicht hat. Tausende von Familien in Farah haben während des zwei Jahrzehnte andauernden Krieges in dem Land ihre Vormünder verloren. Berichte über Kinderhandel meldeten auch die Provinzen Herat, Ghor und Ghazni. Aber die von den Taliban geführte Regierung bezeichnete sie als Gerüchte des Feindes. Mit der Machtübernahme der Taliban erreichten Armut und Arbeitslosigkeit einen Höchststand. Nach Angaben internationaler Organisationen leben mehr als 90 % der afghanischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.

Afghanische Botschaften in den USA

Ein offizielles Schreiben des US-Außenministeriums an die afghanische Botschaft im Land sagt, dass die Fortsetzung der Aktivitäten der Botschaft aufgrund wirtschaftlicher Probleme unmöglich ist. Man fordert die Botschaft in Washington und die afghanischen Konsulate in New York und Los Angeles auf, ihre Türen zu schließen und den Betrieb einzustellen. Im Antwortschreiben bat die afghanische Botschaft die US-Regierung, das Vermögen der Botschaft in der City Bank freizugeben und die diplomatischen Vertretungen weiterarbeiten zu lassen. Außerdem bat man darum, dass die Flagge Afghanistans in der Botschaft und anderen Konsulaten gehisst werden darf. Die USA sind das erste Land, das die diplomatischen Vertretungen Afghanistans nach der Machtübernahme durch die Taliban schließt. Die Botschaften Afghanistans sind seit dem Machtwechsel im Land eines der umstrittensten Themen. Tolo News

Neue Richtlinien für Hochschulen

Das Ministerium für Hochschulbildung hat neue Richtlinien herausgegeben. Sie schreiben vor, wie Professor*innen, Aufsichtspersonal und Student*innen in Hochschuleinrichtungen ihre nationale Kleidung, den Shalwar Kameez,  tragen müssen. Außerdem müssen sie sich nach dem islamischen Gesetz verhalten und auftreten. Der jüngste Gesetzesentwurf des Ministeriums für Hochschulbildung schränkt auch Journalist*innen und Medien ein. Er besagt, dass Journalist*innen weder den Universitätscampus fotografieren noch Professor*innen und Verwaltungsangestellte interviewen dürfen. Ein weiterer Plan des Ministeriums für Hochschulbildung sieht die vollständige Geschlechtertrennung an den Universitäten vor. So müssen männliche und weibliche Student*innen in getrennten Klassen lernen.

Studentinnen, Professorinnen  und weibliche Büroangestellte müssen die Universität in vollem Hijab besuchen. Er sollte einfarbig schwarz sein und den ganzen Körper bedecken. Sie dürfen sich nicht schminken, und Studentinnen werden nur von Professorinnen unterrichtet.  Im Falle eines Mangels werden ihnen vorübergehend männliche Professoren zugeteilt, um sie zu unterrichten.  Derzeit sind nur die öffentlichen Universitäten in den tropischen Provinzen für Studentinnen zugänglich.  8am News

Unterricht für Jungen und Mädchen

Das Bildungsministerium hat erklärt, dass die Jungen und Mädchen der Klassenstufen 1 bis 6 ihre Ausbildung auf der Grundlage des neuen Plans getrennt und zu unterschiedlichen Zeiten fortsetzen werden. Der Plan wird dem Premierminister vorgelegt werden. „Die wichtigsten Punkte des Plans sind folgende: Die Klassen sollten getrennt sein, die Klassen sollten nicht gleichzeitig unterrichtet werden, weibliche Lehrerinnen dürfen Mädchen und männliche Lehrer Jungen unterrichten“, sagte Aziz Ahmad Reyan, der Sprecher des Bildungsministeriums. Dem Plan zufolge muss die Kleidung der Schüler den islamischen Gesetzen und Vorschriften entsprechen. „Die Kleidung der Schüler*innen sollte sich an der afghanischen Kultur orientieren. Die Farbe ist nicht wichtig“, fügte er hinzu. Tolo News

Flucht aus Afghanistan

Die Menschen, die in den letzten Monaten gezwungen waren, in den Iran zu flüchten, befinden sich in einer ungewissen Situation. Sie haben Probleme ein Visum und -Aufenthaltsgenehmigungen zu erhalten. Nun befürchten sie, dass man sie nach Afghanistan abschiebt, wenn sie diese nicht erhalten. Darüber hinaus haben die wirtschaftlichen Hindernisse dazu geführt, dass sie trotz jahrelanger Erfahrung in der militärischen Geheimdienstarbeit hart arbeiten müssen, um ihre Familien zu unterstützen. Die meisten Menschen sind über illegale Wege in das Land gekommen. Ihre Geschichten, die sie über Schmuggelrouten erzählen, sind schmerzlich und deprimierend. Die Zahl der Menschen, die nach dem Sturz der vorherigen Regierung im Iran Zuflucht gesucht haben, ist nicht bekannt. 8am News

Afghanische Geflüchtete, die es ohne Papiere in die Türkei geschafft haben, haben Angst vor einer Abschiebung. Obwohl sie den Menschenhändlern viel Geld gezahlt haben, leben sie jetzt im Verborgenen, um nicht von den türkischen Streitkräften erwischt zu werden. Das hätte ihre Abschiebung zur Folge. Die meisten dieser Menschen warten darauf, die Grenze zu überqueren und nach Europa zu gelangen. Tolo News

Bei einem Treffen zwischen dem Innenministerium und den Kommandeuren der Polizeibezirke der Stadt Kabul wurden die Sicherheitskräfte angewiesen, an den Checkpoints nicht auf Personen zu schießen und keine Fachleute einzustellen. Tolo News

Über die Ereignisse im Januar kannst du hier lesen.

Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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