Nachrichtenüberblick KW13/22

Es gibt Neuigkeiten – und zwar so viele, dass man kaum hinterher kommt. Deshalb sammeln wir für dich alles Wichtige zum Thema Migration und Flucht. In dieser Woche geht es in den Nachrichten unter anderem um die Integration ukrainischer Geflüchteter in Deutschland und um die Auswanderung aus Russland.

Nachrichten KW13
Fotograf: kohero Magazin

Nachrichten aus Deutschland…

Integration von Aussiedler*innen gelungen

Etwa 4,6 Millionen sogenannte Aussiedler*innen und Spätaussiedler*innen kamen zwischen 1950 und 2020 nach Deutschland. Sie sind meist deutscher Abstammung und migrierten aus einem Staat des ehemaligen Ostblocks oder der Sowjetunion nach Deutschland. Eine Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BaMF) und des Sachverständigenrates für Integration und Migrations (SVR) hat nun die Integration der Aussiedler*innen betrachtet. Der Großteil von ihnen ist gut gebildet, auf dem Arbeitsmarkt integriert und verdienen ein durchschnittliches Einkommen. Besonders gilt das für Menschen, die vor dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Sowjetunion aus Polen und Rumänien nach Deutschland migriert sind. Postsowjetische Aussiedler*innen, die nach 1990 nach Deutschland kamen, sind teilweise weniger integriert in Arbeitsmarkt und sind häufiger von Altersarmut betroffen. Politisch neigen Aussiedler*innen zu konservativen Parteien und identifizieren sich stark mit Deutschland.

 

Integration ukrainischer Geflüchteter in Deutschland

Etwa 280.000 ukrainische Geflüchtete sind bis jetzt in Deutschland angekommen. Da ein Ende des Krieges bisher nicht in Sicht ist, brauchen die Geflüchtete nun eine Bleibeperspektive und Zugänge zum Arbeitsmarkt, Schulen und Universitäten. So sollen Sprach- und Integrationskurse sowie Angebote zur Kinderbetreuung ermöglichen, eine Berufstätigkeit aufzunehmen. Ukrainische Berufsabschlüsse sollen schneller anerkannt und Geflüchtete über ihre Arbeitnehmerrechte informiert werden, damit sie nicht in prekären Arbeitsverhältnissen landen. Kritik gibt es bisher an der Organisation der Sprachkurse. Die sei viel zu bürokratisch, um eine ausreichende Zahl an Kursen zur Verfügung zu stellen.

 

Neue Zahlen zu rassistischer Diskriminierung in Deutschland

2021 gab es einen deutlichen Anstieg der registrierten rassistischen Vorfälle in Berlin: das Berliner Register erfasst 4.841 Fälle von Beleidigungen, Körperverletzungen und Propaganda. Täglich sind es etwa 13 Vorfälle. Auch Diskriminierung am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche oder in der Schule wurde häufiger registriert – vermutlich, weil Betroffene sie mittlerweile häufiger melden.

Der Roma-Verband hat ebenfalls die Diskriminierungsfälle in der Hauptstadt 2021 gezählt. 137 registrierte Vorfälle gab es dort. Viele dieser Vorfälle spielen sich in Behörden bei der Beantragung oder Bearbeitung von existenzsichernden Sozialleistungen ab. Besonders kritisiert wird außerdem, dass Berliner Behörden anscheinend einen vermuteten Roma-Hintergrund in den Akten vermerkt haben. Das ist einerseits rechtswidrig, andererseits ethisch sehr problematisch angesichts der Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus.

Mehrheit der Deutschen sieht Rassismus als ernstes Problem

Laut einer Umfrage des Meinungsinstitutes YouGov hält eine Mehrheit der Deutschen Rassismus für ein ernsthaftes Problem: 66% der Frauen und 53% der Männer sprachen sich dafür aus. Etwa die Hälfte von ihnen kritisiert außerdem, dass nicht genug gegen Rassismus getan wird. Gefragt wurde außerdem nach den eigenen Erfahrungen mit rassistischer Diskriminierung. Dabei gaben gut die Hälfte der Befragten an, die keine deutsche Nationalität haben, schon rassistische Diskriminierung erlebt zu haben. Die Ergebnisse der Studie seht ihr hier.

 

… und der Welt

Geflüchtete an bosnisch-kroatischer Grenze

Auch wenn die Aufmerksamkeit für die Geflüchteten an der bosnisch-kroatischen Grenze nachgelassen hat, ist ihre Situation nach wie vor alarmierend. An der Stelle des ehemaligen Flüchtlingslagers Lipa entstand im November 2021 ein neues Camp, das Platz für etwa 1500 Menschen hat. Hier bleiben wollen die meisten jedoch nicht. In Bosnien haben sie keine Zukunftsperspektive, dürfen nicht arbeiten und harren unter menschenunwürdigen Bedingungen in Lagern, verlassenen Häusern oder Zelten aus. Die EU-Grenze ist jedoch für die meisten unüberwindbar, die kroatische Polizei geht brutal gegen gegen Flüchtende vor, die die EU-Außengrenze übertreten. Nicht selten werden Menschen gepushbackt (also gewaltsam aus der EU gebracht), die es bereits bis nach Slowenien geschafft haben.
Mehr dazu könnt ihr hier lesen.

 

Auswanderung aus Russland

Infolge des Krieges in der Ukraine verlassen mehr und mehr Menschen Russland – jedoch nicht in Richtung Westen, sondern in den Kaukasus und Zentralasien, schreibt die Migrationsforscherin Olga Gulina. Viele von ihnen sind gut gebildet, sie sind Akademiker*innen, Journalist*innen, IT-Spezialist*innen und qualifizierte Fachkräfte, die aufgrund bürokratischer Schwierigkeiten und fehlender Flugverbindungen nicht nach Europa ausreisen können. Gulina bezeichnet diesen Exodus als besonders dramatisch, da Russland nicht nur Bürger*innen, sondern auch Unternehmen, Ideen und Zukunftspotential verliere. Die Aufnahmeländer wie Usbekistan und Armenien sind relativ offen für Migrierende aus Russland. Nicht zuletzt, weil sie dadurch auch hochqualifizierte Fachkräfte gewinnen können. Viele der Länder sind außerdem neutral gegenüber dem Krieg in der Ukraine. Das könnte bei einer möglichen Rückkehr der Migrierenden nach Russland sehr wichtig sein.

 

Humanitäre Lage in Afghanistan

Die Lage der Menschen in Afghanistan bleibt alarmierend. Etwa 95% der Bevölkerung hat nicht ausreichend zu essen, neun Millionen der insgesamt 39 Millionnen Afghan*innen seien direkt von einer Hungersnot bedroht. 13 Millionen Kinder brauchen dringend humanitäre Hilfe. Die Taliban haben außerdem, entgegen ihrer Ankündigung, den Schulbesuch für Mädchen länger als bis zur 7. Klasse verboten. Auf einer Geberkonferenz haben 41 UN-Staaten ingesamt 2,4 Milliarden Dollar für die humanitäre Unterstützung Afghanistans zugesagt. Damit das Geld nicht in die Hände der Taliban fällt, soll es direkt an anerkannte Hilfsorganisationen fließen.

 

Die gute Nachricht!

Mehr als 70 Menschen von “Sea-Eye” aus Seenot gerettet

Die Seenotrettungsorganisation “Sea-Eye” hat auf dem zentralen Mittelmeer 70 Menschen gerettet, unter denen sich 22 Kinder befanden. Die in Seenot Geratenen stammen aus Ägypten, Syrien und Nigeria. Auch die private Hilfsorganisation SOS Méditerranée hat bei ihrem letzten Einsatz 130 Menschen aus Seenot retten können und darf nun mit insgesamt 160 Menschen in Sizilien an Land gehen. Die “Sea-Eye 4” sucht derzeit noch nach einem Hafen, in dem sie an Land gehen kann.

Emily ist Wahlhamburgerin, Sinologiestudentin und außerdem begeistert von Sprache und Politik. Bei kohero möchte sie diesen beiden Leidenschaften zusammenbringen und mehr über Migration und die Herausforderungen, denen Menschen dabei begegnen, lernen. Sie schreibt Artikel und arbeitet am Newsletter mit.

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