Mobile Hilfe in Hamburg – GoBanyo

Im Duschbus GoBanyo können Obdachlose in Hamburg duschen und bekommen dort auch saubere Kleidung. Wir haben mit dem Gründer von GoBanyo über Waschen, Würde und die Zukunft ohne Obdachlosigkeit gesprochen.

Der Duschbus GoBanyo
Fotograf: Alina Perschal

Häufig sehen wir an den immer gleichen Orten Obdachlose sitzen, manchmal über Wochen oder sogar Jahre. Wie kann eine einzelne Person einem Menschen helfen, der auf der Straße lebt?

Ich glaube da ist immer die einfachste Antwort: erst einmal den Mut und die Überwindung finden auf jemanden zuzugehen. Meistens ist das was du über eine Person oder Situation denkst, oft nicht die Wirklichkeit. In Situationen wo ich selber unsicher bin, atme ich dreimal tief durch. In dem Moment kann ich mir ein Herz fassen um die Person anzusprechen. Man sollte sich entscheiden zu helfen.

Warum engagierst du dich mit GoBanyo für Menschen, die obdachlos sind?

Ich bin sehr optimistisch, dass wir es schaffen können die Obdachlosigkeit in 10 Jahren zu beenden.

Ich habe irgendwann zu mir gesagt, ich möchte ein Mensch sein der nicht wegschaut. Und wenn jemand seine Würde nicht selbstständig aufrechterhalten kann oder in Not ist, sehe ich es als meine Pflicht an, mein bestmöglichstes zu tun um der Person zu helfen.
Was wir brauchen ist mehr Mitmenschlichkeit. Wir brauchen Leute die sich im Klaren sind, dass wir in der Stadt, in der wir leben, nicht nur alleine sind. Wir sind viele und leben hier gemeinsam.

Der Gründer von GoBanyo, Dominik Bloh. Foto von Julia Schwendner

Was macht euer Angebot besonders?

Kein Mensch möchte irgendwo hingehen, wo es ihm nicht gefällt, das ist ganz simpel. Der Duschbus oder das Duschdorf sind Orte, wo die Menschen gerne hingehen. Wir sehen regelmäßig die gleichen Leute die hier herkommen. Niemand beschädigt irgendetwas, weil es Ihnen wichtig ist, diese Möglichkeiten zu nutzen.

Wenn du etwas für Menschen bereitstellst, was jemandem zeigt, dass er oder sie denselben Wert hat wie andere, wird gut damit umgegangen.

GoBanyo scheint immer größer zu werden, wo seit ihr zu finden?

Die Container vor dem Millerntorstadion sind teilstationär fest und nun können wir mit dem Duschbus noch mehr Randgebiete anfahren. Ganz neu ist der Standort Bergedorf. Somit haben wir die Möglichkeit mehr Menschen die Möglichkeit zu bieten zu duschen. Wir sind nun an sieben Tagen die Woche unterwegs.

Wir arbeiten außerdem darauf hin, dass in diesem Jahr eine zweite mobile Einheit auf die Straße kommt.

Warum ist der Zugang zu Hygieneangeboten und medizinischer Versorgung so wichtig? Wie hast du das damals selbst erlebt?

Sich beim Arzt in einer Praxis behandeln zu lassen war nicht möglich ohne Krankenkassenkarte. Ich hab es dann in der Notaufnahme versucht, aber auch da, wenn es nicht lebensnotwendig ist, wird man nach einer minimalen Behandlung entlassen. Das Leben auf der Straße macht krank und kann chronische Krankheiten hinterlassen. Das liegt auch daran, dass der Zugang zum Duschen schlecht ist und Körperpflege so zur Herausforderung wird.

Was muss in der Politik passieren, damit es weniger Menschen in die Obdachlosigkeit treibt?

Ich denke, dass wir immer erst da anfangen zu helfen, wo es eigentlich schon zu spät ist.

Die Hilfe muss früher ansetzen, wenn die Menschen noch im Wohnraum sind. Es darf erst gar nicht passieren, dass jemand auf der Straße landet. Ich glaube daran, dass sich Obdachlosigkeit beenden lässt, mit dem Konzept von Housing first. Es hat schon in einigen europäischen Staaten Praxis, dass jedem Menschen erst einmal bedingungslos eine Unterkunft zur Verfügung steht, um damit seine Dinge regeln zu können. Denn auf der Straße irgendwas zu regeln ist nicht möglich. Man braucht ein Dach über den Kopf. Das kann die Politik jeder Zeit ändern und dazu fordere ich sie auch auf.

Wohnraum in Städten ist knapp und die Nachfrage und Mieten werden höher. Die Menschen können ihre Wohnung dadurch nicht mehr zahlen. Deshalb ist ein bedingungsloses Grundeinkommen und eine Wohnungsmöglichkeit absolut notwendig.

Wo setzt GoBanyo an?

Der Duschbus ist hoffentlich Hilfe zur Selbsthilfe, bedeutet, ich kann jetzt selber entscheiden, mit frisch gewaschenen Klamotten und geduscht mein Ziel zu erreichen. Ich fühle mich jetzt selbstbewusst genug, um die Dinge anzupacken.

 

Standorte:

Fischmarkt

Millerntor (Harald-Stender-Platz 1)

Bergedorf (Johann-Meyer-Straße)

Steintorplatz (Museum für Kunst und Gewerbe / Hauptbahnhof)

 

Aktuelle Öffnungszeiten findet ihr auf gobanyo.org

Ich habe meine Kreativität in den letzten 8 Jahren als Köchin ausgeübt, fotografiere sehr gerne und bewerbe mich in diesem Jahr für ein Regie Studium. Ich möchte Filme drehen, da ich dort Geschichten über Kulturen, Menschen und ihre Emotionen und Hintergründe ausdrücken kann. So kann ich in verschiedene Welten eintauchen und die Blickwinkel der Welt zeigen. Dies ist mir als ehrenamtliche Autorin beim Kohero Magazin ebenfalls möglich. Das Schreiben hat mir schon immer viel Spaß gemacht und ich möchte mich für Menschen einsetzen, indem ich ihre Geschichten, mit ihnen gemeinsam erzähle.
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