#LetHerLearn: Universitäts- und Arbeitsverbot für afghanische Frauen

Innerhalb einer Woche wurde Frauen in Afghanistan der Zugang zu Universitätsbildung sowie die Arbeit in NGOs untersagt. Seit der Machtübernahme der Taliban wird das Leben der Afghaninnen immer weiter eingeschränkt. Grundlegende Menschenrechte bleiben ihnen verwehrt.

Fotograf*in: Nathan Dumlao on Unsplash

Seit der Machtübernahme der Taliban ist es Mädchen und Frauen untersagt, den Unterricht der zweiten Sekundarstufe (ab der 7. Klasse) zu besuchen, sie dürfen nicht in Parks gehen oder in Fitnessstudios trainieren. Ohne männliche Begleitung dürfen Frauen nicht verreisen und sie müssen eine vollständige Verschleierung tragen. Am 20. Dezember 2022 wurde Frauen die Universitätsbildung verboten. Begründungen für diesen Beschluss gab es keine. 

Einen Tag nach dem Dekret sorgten bewaffnete Kräfte vor den Unis dafür, dass Studentinnen keinen Zugang mehr bekamen, so u.a. ein Bericht der Deutschen Welle.

Im Interview mit dem Rundfunk fragt Nahid Shahalimi, afghanische Autorin, Künstlerin und Menschenrechtlerin, wie viel die Menschen dort noch ertragen können. Es gebe Dutzende Fälle von Frauen und Mädchen, die unter diesem Regime keine Zukunft für sich sehen und Selbstmord begehen, berichtet sie. Von der Politik fordert Nahid Shahalimi ernsthaftes Bemühen und keine leeren Versprechen via Tweet.

Unter dem Hashtag #LetHerLearn sammeln sich Tausende Postings auf Instagram von Aktivist*innen und Künstler*innen, die internationale Aufmerksamkeit fordern und sich mit den Frauen in Afghanistan solidarisieren. “Wir haben protestiert und gefleht, genau wie unser Nachbarland, aber ihr habt alle geschwiegen, wir haben alle geschrien, aber ihr habt alle die Augen geschlossen. Wir sind nicht schockiert über das, was sie unseren Frauen und Männern antun, es war nur eine Frage der Zeit, und das ist es, was wir versucht haben, euch allen zu sagen”, schreibt Qeas Pirzad auf Instagram. 

Arbeitsverbot für Frauen in NGOs

„Als ob die Situation nicht schon schlimm genug wäre, markiert diese Ankündigung nun einen neuen Tiefpunkt in der Verletzung der grundlegendsten und universellen Menschenrechte für die gesamte Menschheit“, kritisiert Naseer Ahmad Faiq, Vertreter der gestürzten Regierung Afghanistans bei den UN, das Hochschulverbot. Noch lauter wird die internationale Politik in Bezug auf das Arbeitsverbot für Frauen in Nichtregierungsorganisationen. Dieses wurde am Samstag, den 24. Dezember durch das Wirtschaftsministerium verkündet – die Begründung der Taliban: Die Frauen würden ihre Verschleierung nicht wie angeordnet tragen.

Während das Land aufgrund des harten Winters in einer Krise steckt und humanitäre Hilfe dringend benötigt wird, trifft diese Entscheidung alle: Frauen verlieren ein grundlegendes Recht und das Einkommen für ihre Familien. Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) kündigte an, die internationale Hilfe für Afghanistan vorläufig zu unterbrechen.

Organisationen wie das Internationale Rettungskomitee, Aktion gegen Hunger, die Caritas und Save the Children stellten ihre Arbeit weitestgehend ein. Ohne die weiblichen Angestellten könne man Bedürftige, unter ihnen Kinder und andere Frauen, nicht erreichen, erklärt Stefan Recker von Caritas International Afghanistan im Interview mit der tagesschau. Es gehe außerdem darum, ein Zeichen zu setzen. Der Büroleiter in Kabul hofft, dass es aufgrund der humanitären Notlage so zu einem Kompromiss mit den Taliban kommt. 

Tatsächlich sorgte die Reaktion auf das Beschäftigungsverbot dafür, dass Mohammad Hanif, Wirtschaftsminister der Taliban, und Koordinator der humanitären Hilfe in Afghanistan für die UN, Ramis Alakbarow, sich zwei Tage nach dem Verbot zu einem Gespräch trafen. Laut des Gesprächsprotokolls, das der ARD vorliegt, wolle Mohammad Hanif helfen, das Verbot zurückzunehmen. Dieses beziehe sich nicht auf humanitäre Hilfe und die Arbeit der Vereinten Nationen. Es gehe einzig darum, dass die Frauen in den Organisationen nicht korrekt verschleiert seien, so der Wirtschaftsminister. 

#LetHerLearn

Afghanischen Frauen wird die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, das Verdienen eines Einkommens, der Zugang zu Bildung und vielem mehr verboten, weil Männer sich durch ihre Anwesenheit, durch ihre Haare, gestört fühlen würden. Doch viele solidarisieren sich mit den Frauen in ihrem Land. Im Live-TV zerreißt ein Universitätsprofessor aus Kabul, es handelt sich wohl um Ismail Mashal, seinen Abschluss als Reaktion auf das Hochschulverbot.

„Der Ausschluss der Frauen von der Bildung steht im völligen Widerspruch zu den Grundsätzen unserer islamischen Kultur und den Werten unserer Gesellschaft und zeigt die Ignoranz der Taliban“, sagt eine Lehrerin aus Afghanistan. Sie steht in Kontakt mit der ARD. Sie fordert: „Wir wollen gehört werden von der internationalen Gemeinschaft. Auch weil uns die Taliban sicher noch weiter einschränken werden.” 

Die internationale Gemeinschaft, insbesondere die Politik, muss erkennen, wie elementar die Teilhabe der Frauen an der Gesellschaft und das Recht auf Bildung für alle ist. Wie grundlegend es ist, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Vor 10 Jahren wurde die damals 15-jährige Malala Yousafzai aus Pakistan von den Taliban angeschossen, weil sie trotz eines Verbotes zur Schule gegangen ist und sich für das Recht von Bildung für Kinder eingesetzt hat. Am 12. Juli 2013 sagte sie vor den Vereinten Nationen: “Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern. Bildung ist die einzige Lösung. Bildung geht vor.” #LetHerLearn

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