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Überblick über Frauenrechte in Afghanistan

Die Situation bezüglich der Frauenrechte unterscheidet sich in den verschiedenen Regionen Afghanistans. Es muss eine vergleichende Perspektive eingenommen werden, um zu verstehen, ob Frauen die gleichen Rechte haben oder nicht.

Fotograf: Sophie MArtin

Meistens konzentrieren sich die Medien und Berichte nur drauf, ob die Frauen über Grundrechte in ihrem Leben verfügen. Das ist in den meisten der gesicherten Provinzen der Fall. Denn dort haben Frauen Zugang zum Großteil der in der Verfassung vorgeschriebenen Rechte.
Der Zugang zu den Grundrechten besteht also, weil sie in gesicherten und entwickelten Provinzen leben oder weil sie eine gute Familie haben, die an ihrer Seite steht und ihnen alles bietet, was sie brauchen. Frauen, denen der Weg zu den Grundrechten versperrt ist, werden jedoch nicht beachtet.

Einschränkungen gibt es für das weibliche Geschlecht überall

Frauen gelten als die unterdrückte Gesellschaft Afghanistans. Sie haben kein Recht auf ihr eigenes Leben, ihre Zukunft, ihren Körper oder ihre eigenen Gedanken. Die patriarchalische und religiöse Gemeinschaft verweigert den Frauen leider die aktive Teilhabe und den Zugang zu großen Teilen der Gesellschaft.
Die Situation der Frauen variiert in den Provinzen stark mit dem Hauptmerkmal der Sicherheit. In den meisten unsicheren Provinzen ist es Frauen untersagt, zur Schule zu gehen. Ihnen ist es ebenfalls nicht erlaubt, ohne Begleitung eines männlichen Familienmitgliedes das Haus zu verlassen. Dies schließt die Frauen von der Gesellschaft aus.
In den meisten gesicherten Provinzen hingegen können Frauen problemlos das Haus verlassen oder zur Schule gehen. Bildung und andere soziale Aktivitäten ist ausschließlich Frauen in den sicheren Provinzen vorbehalten.

Aber selbst in den gesicherten Provinzen stehen Frauen vor Einschränkungen in sämtlichen Lebensbereichen. Innerhalb der Familie werden die meisten Frauen bereits als Mädchen diskriminiert. Männer haben in der Familie eine höheren Stellenwert, weil sie als Versorger der Familie gelten.
Am Arbeitsplatz werden Frauen mit Problemen durch ihre männlichen Kollegen konfrontiert. Diese erwarten von ihnen oft sexuelle Gefälligkeiten, damit sie eine bessere Position erhalten oder überhaupt angestellt werden.

Der Kampf für die Frauenrechte muss weitergehen

Es gibt immer noch Zwangsehen, bei denen Mädchen in sehr jungem Alter mit einem alten Mann verheiratet werden. Außerdem gibt es Mädchen, die im Haus der Schwiegereltern zu Tode geschlagen werden. Andere werden verprügelt oder verbrannt, weil sie ein weibliches Kind zur Welt brachten. Manche Mädchen werden aus finanziellen Gründen verheiratet. Andere als Tauschgeschäft angeboten, um beispielsweise einen Bruder, der einen Mord begangen hat, aus dem Gefängnis zu befreien.
Es werden nach wie vor Ehrenmorde an Mädchen durch Familienmitglieder verübt. Viele Frauen sterben während einer Schwangerschaft oder Geburt: Entweder, weil sie keinen Zugang zu der notwendigen medizinischen Versorgung haben, oder weil ihnen der Besuch eines Arztes wegen traditionellen und altertümlichen Denkweisen verwehrt wird. Es gibt Mädchen, die inhaftiert werden, weil sie eine sexuelle Beziehung führen. Frauen können gesteinigt werden, wenn sie ihren Ehemann betrügen. Es existieren viele weitere diskriminierende und schändliche Taten.

Es wurden viele Projekte in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft durchgeführt, um solche Probleme zu überwinden. Leider erfolglos, weil die patriarchalischen, religiösen und alten Traditionen der Gesellschaft zu dominant sind.
Wir brauchen einen langfristigen Prozess der Modernisierung und Bildung, um diese gesellschaftlichen Probleme zu überwinden. Dieser Prozess darf nicht nur in schriftlicher Form stattfinden. Er muss in der gesamten Gesellschaft erfolgen. Insbesondere in jenen Bereichen der Gesellschaft, in denen es viele Vorurteile und ungebildete Menschen gibt, die keinen Zugang zu sozialer Fürsorge und Sicherheit haben. Frauen, die in unterentwickelten Provinzen leben, dürfen nicht vergessen werden und es muss berücksichtigt werden, dass sie besonders starker Hilfe benötigen.

Dieser Text wurde gemeinsam mit Tilla Lingenberg im schreibtandem Projekt geschrieben.

Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“
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Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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