„Mit meiner Kamera entdecke ich die Welt“

Edy Tavares Moniz hat eine Menge von der Welt gesehen: Seine Wurzeln liegen in Kap Verde, Afrika. Gelebt und gearbeitet hat er unter anderem in Brasilien und den Vereinigten Staaten, bis es ihn zum Studium der Fotografie nach Mexiko zog. Vor wenigen Monaten kam er mit seiner Frau nach Deutschland.

Edy Tavares Moniz. @Alejandra Gutierrez
Fotograf: Alejandra Gutierrez

„Mit meiner Kamera entdecke ich die Welt“

Sein Traum ist es, sich in Hamburg einen Namen als professioneller Fotograf zu machen und später ein eigenes Studio zu eröffnen. In dem folgenden Interview erklärt Edy Tavares Moniz, warum ihm die analoge Fotografie so gefällt, welches seine Lieblingsmotive sind und wann er damit begonnen hat, seinen Traum nach und nach zu verwirklichen.

Woher kommen Sie?

Ich komme von der kleinen Insel Kap Verde im Süden Afrikas. Sie war bis 1975 eine portugiesische Kolonie, danach wurde sie unabhängig. Die offizielle Sprache ist aber immer noch portugiesisch. Darüber hinaus sprechen wir dort Kreol, eine sehr alte Sprache. Oft vermischen wir die beiden Sprachen.

Wann haben Sie Kap Verde verlassen?

Im Jahr 2004 bin ich von dort weggegangen, zunächst nach Brasilien, wo ich Informatik studiert habe. Das Studium habe ich mit dem Bachelor abgeschlossen, später arbeitete ich einige Jahre für verschiedene Firmen als System Administrator. Danach bin ich für ein paar Monate in die USA gezogen, nach Boston genauer gesagt. Ich wollte in dieser Stadt Fotografie studieren, doch das wäre viel zu teuer geworden, denn aufgrund meines Studentenvisums hätte ich nicht genug arbeiten können, um alle Rechnungen zu begleichen. Ich beschloss, zunächst zurück nach Kap Verde zu gehen, wenigsten für ein halbes Jahr. Ich bekam jedoch die Idee, ein professioneller Fotograf zu werden, nicht aus meinem Kopf. Zu dieser Zeit lebte meine Freundin in Mexiko, wir hatten eine Fernbeziehung, sahen uns nur einige wenige Male im ganzen Jahr. Also entschieden wir uns, gemeinsam in Mexiko zu leben. Ich ergriff dann die Möglichkeit, dort Fotografie zu studieren.

Was war Inhalt dieses Studiums?

Insgesamt habe ich zweieinhalb Jahre studiert. Am Anfang lag der Fokus auf der analogen Fotografie. Wenn man eine analoge Kamera benutzt, ist man gewissermaßen gezwungen, das Bild vor seinem inneren Auge zu sehen, bevor man den Auslöser betätigt. Mit einer digitalen Kamera ist das anders, da kann man ein Foto nach dem anderen machen, bis man das richtige hat. Ein analoger Film dagegen hat gerade mal 32 Bilder. Man muss also nachdenken, bevor man abdrückt.

Gefällt Ihnen die analoge Fotografie?

Oh, ja, ich liebe es! Aber ich kann gar nicht so genau sagen, warum eigentlich. Es ist der gesamte Prozess: Angefangen damit, den Film in die Kamera einzulegen, dann das Fotografieren an sich und schließlich der Gang in die Dunkelkammer. Dort behandelt man den Film mit all den Chemikalien, um ihn dann zu entwickeln. Das macht echt Spaß.

Wie lange dauert so etwas?

An der Universität haben wir nur Schwarz-Weiß-Filme entwickelt. Das dauert gar nicht so lange, vielleicht eine Stunde oder sogar weniger. Für mich hat dieser Vorgang etwas Magisches. Und es entspannt mich. Wenn man in der Dunkelkammer arbeitet, ist man voll und ganz auf die Arbeit dort konzentriert. Mann vergisst dann alle Probleme und Sorgen.

Was haben Sie noch während Ihres Studiums gelernt?

Wir hatten Kurse, in denen uns alles darüber beigebracht wurde, was man über die richtige Beleuchtung wissen muss. Konkret ging es also darum, wie Licht sich verhält und welche physikalischen Eigenschaften es hat. Und natürlich haben wir viel über Portrait- aber auch über Produktfotografie gelernt. Wir hatten sehr viele Unterrichtsstunden über die Theorie hinter der Fotografie.

Hat Ihnen dieses Studium Spaß gemacht?

Ja, na klar! Wir hatten viel Spaß und Freude. Und ich hatte die Möglichkeit, von verschiedenen, großartigen Lehrern zu lernen, das war wirklich toll! Sie alle waren in der Fotografie etabliert, einer von ihnen war sogar der Hauptfotograf für Starbucks in ganz Mexiko. Er hat mir sehr viel beigebracht!

Wie ist das Leben in Mexiko?

Es ist schon nicht ganz ungefährlich, man muss immer vorsichtig sein. Aber ich liebe Mexiko, es hat eine wunderschöne Natur, mir gefallen das Essen, die Menschen, die Kultur. Aber man darf nicht vergessen, dass die Kriminalität, die Korruption und vor allem der Drogenhandel dort sehr weit verbreitet und allgegenwärtig sind.

Welche Sprachen sprechen Sie?

Ich spreche Portugiesisch, Spanisch, Englisch und Kreol. Und ich bin gerade dabei Deutsch zu lernen.

Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?

Ich bin jetzt seit vier Monaten hier. Ich meine, warum nicht Deutschland? Okay, die Sprache ist wirklich schwierig zu lernen und es ist auch immer ziemlich kalt hier. Alle meine Freunde meinten, dass ich verrückt sei, hierher zu ziehen. Aber mir persönlich gefällt das Leben in Hamburg. Es ist eine Herausforderung. In Deutschland ist das Leben sehr ruhig, klar strukturiert und die Dinge laufen. Ich mag das!

Sie sind sehr viel herumgekommen in den letzten Jahren. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Zu Hause ist dort, wo das Herz ist. Und im Moment ist dies hier in Deutschland.

Wann haben Sie mit der Fotografie begonnen?

Als ich meine Frau getroffen habe, also vor fünf Jahren. Vorher hat mir das Fotografieren gar nicht so sehr gefallen. Doch als mich meine Frau einmal in Brasilien besucht hat, hatte sie eine Kamera dabei. Aus Spaß habe ich begonnen, Bilder von ihr zu machen. Plötzlich habe ich gemerkt, dass es wirklich toll ist, mit der Kamera zu experimentieren, Motive zu suchen und schließlich den Moment einzufangen. Nachdem meine Frau zurück nach Mexiko gereist ist, habe ich mir sofort eine professionelle Kamera gekauft. Und ich habe angefangen, alles über Fotografie zu lesen. Das mache ich heute immer noch. Ich bin regelmäßig auf verschiedenen Blogs unterwegs und folge anderen Fotografen auf Twitter, Facebook und Instagram.

Mit welcher Kamera arbeiten Sie bevorzugt?

Ich besitze insgesamt vier Kameras. Ich arbeite sehr gerne mit meiner Spiegelreflexkamera, einer Nikon. Aber ich bin überzeugt, dass es nicht nur auf die Kamera ankommt, sondern vielmehr auf den Menschen dahinter. Und wie ich schon erwähnt habe: Ich bin verrückt nach analogen Kameras!

Ist es denn noch angesagt, mit einer analogen Kamera zu arbeiten?

Ja, denn an die Qualität, die man mit einer analogen Kamera erreicht, kann eine digitale Kamera niemals herankommen. Besonders im Bereich der Produktfotografie verwenden viele Fotografen immer noch analoge Kameras. Die Bilder werden viel authentischer und intensiver.

Fotografieren Sie jeden Tag?

Ja, fast jeden Tag. Meine Kamera habe ich eigentlich immer bei mir, sie ist mein Freund. Mit meiner Kamera entdecke ich die Welt.

Was sind Ihre bevorzugten Motive?

Oh, das hängt sehr davon ab, in welcher Stimmung ich bin. In den letzten Wochen habe ich mich verstärkt der Porträtfotografie gewidmet, weil sich das einfach richtig angefühlt hat. Aber noch vor etwa zwei Monaten habe ich nur Produkte fotografiert. Ich kam nach Hause, sah eine einfache Tasse und habe darüber nachgedacht, wie ich diese am besten in Szene setzen kann. Das, was ich aber wirklich gerne mache, ist Streetlife-Fotografie (Straßenfotografie). Ich gehe raus, schaue mich um und finde so viele interessante Dinge, die ich gerne fotografieren will. Die Momente fange ich mit meiner Kamera ein, das ist wirklich großartig!

Von all den Fotos, die Sie bisher gemacht haben, welches ist Ihr Lieblingsbild?

Ich mag vor allem die Bilder, die ich von meiner Frau geschossen habe. Und glauben Sie mir, das sind wirklich viele, sowohl Close ups als auch Porträts. Meine Lieblingsbilder vor ihr sind diejenigen, auf denen sie Grimassen schneidet, denn sie sind echt lustig und sie sieht so fröhlich darauf aus! Ein anderes Bild, welches ich sehr mag, zeigt einen Freund von mir mit einer großen Schlange, die sich um seinen Körper windet.

Auf Ihrer Homepage findet man sehr viele Schwarz-Weiß-Bilder. Was gefällt Ihnen an dieser Technik?

Wissen Sie, es gibt etwas an der Schwarz-Weiß-Fotografie, was ich wirklich mag. Farbige Bilder bereiten mir nicht dieselbe Freude. Schwarz-Weiß, das ist einfach klarer, die Bilder haben so viel mehr Charme, sind authentischer. Wenn ich für jemanden arbeite, mache ich selbstverständlich auch Farbfotografie. Aber wenn ich für mich alleine fotografiere, dann bevorzuge ich schwarz-weiß.

Was bedeutet Ihnen das Fotografieren?

Es gibt mir die Möglichkeit, mich auszudrücken. Wenn ich fotografiere, dann kann ich dem alltäglichen Stress entfliehen, es hilft mir, zu entspannen. Sobald ich mit meiner Kamera unterwegs bin, vergesse ich alles um mich herum, meine Probleme werden kleiner und kleiner. Bilder zu schießen, das klart meinen Geist auf.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Ich bin mit einer Sache in meinem Kopf nach Deutschland gekommen: Ich möchte hier als professioneller Fotograf arbeiten. Ich will also mein eigenes Unternehmen aufbauen, ein eigenes Studio, das wäre mein Traum.

Neugierig geworden? Dann schauen Sie sich auf der Homepage von Edy Tavares Moniz um:

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