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Was heißt für mich Heimat?

Ava Hedayat sitzt im Café und denkt über ihren Werdegang nach. Die erfolgreiche deutsche Juristin hat gerade ihren vierzigsten Geburtstag gefeiert. Es war ein schönes Fest mit ihrem Mann und einige Freunde. Bis auf einen Moment, wo sie mit einer witzig gemeinter Frage konfrontiert wurde, die sie aber verunsicherte.

Warum sie nach so vielen Jahren in Deutschland ihr starkes österreichisches Vokabular und den so typischen Akzent beibehält, wollte jemand wissen. Dabei lag ihr Geburtsort Tausende von Kilometern von Österreich entfernt. Teheran, eine Stadt, die sie nur in alten Bildern der iranischen Eltern ab und zu mal sieht. Sie beherrscht nicht die Sprache, da sie als Kleinkind zusammen mit der Familie nach Salzburg ging. Sie wird im Schlaf manchmal überrascht, wenn unscharfe Bilder wie in einer endlosen Schleife ihre Träume beleben. Es sind unscharfe Gemälde, wie auf den alten Fotos. Sie fragt sich, ob das die Erinnerungen sind, die eine echte Heimat erklären.

Heimat braucht keine Definition

Vor längerer Zeit hat sie einen eher aufwühlenden Artikel gelesen: Heimat ist ein Gefühl. Ava erinnert sich an den Text: „Heimat braucht keine Definition, weil sie kein Begriff ist: sie ist ein Gefühl“, heißt es dort. Und: „Heimat ist schwarz-weiß, und sie ist grau aber sie ist nicht dieses Grau, das aus der Mischung von Schwarz und Weiß entsteht. […] Das Grau ist das der Beton-Hochhäuser, ein Symbolbild der inhumanen Städteplanung im Osten. Um die Bedeutung dieser Bilder weiß ich, aber ich fühle sie nicht. Heimat ist Gefühl, […] es ist privat wie intim, individuell ist es auch. Es hat eine Farbe und einen Geruch, es hat Bilder, die keines Retro-Filters bedürfen.“

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My name is Behishta, I’m 19 years old. I was born in Afghanistan but I grew up in Tashkent,…
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Leonardo De Araujo
Leonardo De Araújo, geboren in Rio de Janeiro, Brasilien lebt seit etwas mehr als 30 Jahren in Deutschland, vorwiegend in Hamburg. Nach einigen Berufsjahren in Werbeagenturen hat er 35 Jahre in der Fernsehproduktion gearbeitet. Nebenbei hat er sich auch als Drehbuchautor und Fotograf beschäftigt – und für das Flüchtling-Magazin, heute kohero, geschrieben.
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