Ortolan Speise

Kennt ihr den Ortolan? Dieser Artikel wirft einen kritischen Blick auf unsere Singvögel auf dem Speiseplan und den Raub ihres Lebensraumes.

Mein Schwiegervater war ein Ornithologe. Ich habe wohl die Vogelliebe von ihn geerbt und bin fasziniert von diesen fliegenden gefiederten Dinosauriern der Lüfte. Seit Jahren führe ich ein Vogel-Tagebuch, beobachte sie mittels einer Bird-App.

Manche lieben sie auch gebraten und gekocht. Früher gab es in Frankreich ein sehr berühmtes Gericht: gegrillter Ortolan. Zuerst wird der kleine Singvogel gefangen, in einer Dunkelkammer gemästet, in Armagnac ertränkt und anschließend gegrillt und am Stück mit Haut und Knochen verspeist. Dabei verhüllt man den Kopf unter einer weißen Serviette, um den anderen den unappetitlichen Anblick zu ersparen und Schmatzgeräusche zu minimieren.

Seit 1979 ist es jetzt in Europa verboten, Singvögel zu essen. Es gab aber eine Ausnahme: Silvester 1995 genoss der frühere französische Präsident François Mitterand, schwer krank, seine letzte Mahlzeit: zwei gebratene Ortolane nach oben beschriebenem Rezept.

In Italien werden Singdrossel, Spatz, Rotkehlchen und andere geschützte Vogelarten von Wilddieben mit Netzen und Leimruten gefangen. Qualvoll sterben die Vögel, damit sie am Ende auf dem Teller landen. Die getöteten Tiere werden dann illegal – unter der Ladentheke – angeboten.

In Deutschland steht sogar der Haussperling seit 2002 auf der Roten Liste, da seine Verbreitung stark zurückgegangen ist. Dank dieser Maßnahme erholt sich der Bestand in Deutschland etwas.
Zwar stehen Singvögel nicht auf dem Speiseplan der Deutschen, dafür aber nehmen wir durch intensive, nicht nachhaltige Landwirtschaft und Pestizideinsatz den durchgekommenen Vögeln die Existenzmöglichkeiten. Man tötet die Vögel nicht, raubt ihnen aber den Lebensraum.

Ich wollte schon immer mal einen Pirol sehen. Ich vermisse ihn. Aber vielleicht wird mein Pirol gerade von einer Beduinen-Familie verspeist oder findet kein Platz mehr für sein Nest?
Mich macht das traurig.

Tipp

Dazu passend gibt es hier das Rezept für eine Hühnerpastete

Genia ist freie Künstlerin und für Bilder und Illustrationen bei kohero verantwortlich. „Ich liebe meine kulinarische Ecke und bin ständig auf der Suche nach verrücktesten Rezepten für Euch.“
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