Neues aus Afghanistan im August 2022

In unserer monatlichen Rubrik "Neues aus Afghanistan" fasst unsere Autorin Sahar Reza die Ereignisse des vergangenen Monats, August, zusammen.

Nachricht aus Afghanistan

Stationierung neuer Kämpfer

Quellen aus Takhar haben berichtet, dass die Taliban Dutzende neuer Kämpfer in verschiedenen Dörfern der Provinz Takhar stationiert haben.

Entlassung aus Regierungsbüros

Die Taliban haben 30 weibliche Angestellte aus den Regierungsbüros der Provinz Jawzjan entlassen. Diese Frauen arbeiteten im Büro des Gouverneurs, im Finanzamt, in der Stadtverwaltung, im Landwirtschaftsministerium sowie in der Abteilung für ländliche Entwicklung.  Die Taliban, die in der Provinz Jawzjan regieren, haben den Frauen mitgeteilt, dass sie ihre Dienste nicht mehr benötigen. 

Wiedereröffnung des Büros der Weltbank

Die Weltbank hat mitgeteilt, dass sie ihr Büro in Afghanistan wiedereröffnen wird und ihre Mitarbeiter bald nach Kabul zurückkehren werden. Die Weltbank hatte ihre Aktivitäten und Projekte, die von der Weltbank finanziert wurden, eingestellt. Das hat sich auch negativ auf die wirtschaftliche Situation Afghanistans ausgewirkt. Diese Entscheidung der Weltbank würde auch auf Widerstand stoßen, wenn sie ohne Rücksicht auf die Ansichten der USA und ihrer Verbündeten getroffen würde. 

Die Taliban schikaniert

Lokale Quellen in Ghazni sagen, dass die Taliban im Bezirk Jaghuri in der Provinz Ghanzi Menschen gefoltert und schikaniert haben. Die Taliban fordern Waffen von der Zivilbevölkerung und dringen nachts unter dem Vorwand Waffen zu finden, gewaltsam in die Häuser der Menschen ein.

Wirtschaftlicher Zusammenbruch

In einer Pressemitteilung hat das Internationale Rettungskomitee erklärt, dass durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch Afghanistans das Land auf eine humanitäre Krise zusteuert. Es heißt, dass mehr Afghan*innen als in den letzten 20 Jahren des Krieges getötet werden könnten, wenn die Situation so weitergeht. Für den wirtschaftlichen Zusammenbruch in Afghanistan gibt es verschiedene Gründe, wie z.B.: die Verringerung der Entwicklung, das Einfrieren der Bankreserven, der Mangel an internationaler Unterstützung, der Abbruch der internationalen Finanzbeziehungen, der Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten, die Schwierigkeiten bei der Überweisung von Bargeld ins Ausland, die Beschränkung des Zugangs von Frauen zur Arbeit und die Aussetzung der ausländischen Hilfe. Tolo Nachrichten

Tötung eines Taliban-Kommandeurs

Quellen bestätigen, dass Grenztruppen an der Grenze zwischen Afghanistan und Iran den ehemaligen Kommandeur der Taliben, Mawlawi Mehdi Mudschahid, getötet haben. Der Kommandeur wollte aus dem Land fliehen und in den Iran ziehen. Er diente als Leiter des Geheimdienstes der IEA in der Provinz Bamyan und stellte sich später gegen das Islamische Emirat, nachdem er nach einigen Konflikten in den Bezirk Balkhab geflohen war. 

Anschläge auf Hazara-Gemeinschaft

Nach drei Explosionen im Westen Kabuls an den Aschura-Tagen in diesem Monat, haben die Vereinten Nationen das Taliban-Regime aufgefordert, die Sicherheit der Aschura-Trauernden zu gewährleisten. Bei den Explosionen wurden zahlreiche Menschen getötet und Dutzende verletzt. Amnesty international bezeichnete diese Anschläge als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Hazara-Gemeinschaft zahlt den Preis für den Regimewechsel in Afghanistan. Seit der Machtübernahme der Taliban hat es mehrere Anschläge auf die Hazara-Gemeinschaft in verschiedenen Provinzen gegeben. 

Frauenproteste

Am 13. August gingen die Frauen in Kabul auf die Straße und forderten mit Slogans: Essen, Arbeit, Freiheit und die Situation der Mädchenschulen ihre Rechte ein, aber der Protest wurde aufgelöst. Die Taliban-Kämpfer verhafteten während dieser Demonstration mehr als 10 Journalist*innen. Die ausländischen Journalist*innen, die ebenfalls anwesend waren, wurden später freigelassen, während die anderen an einen unbekannten Ort gebracht wurden. 

Explosionen

Bei einer Explosion vor der Visastelle der russischen Botschaft in Kabul wurden am 5. September mehr als 20 Menschen verletzt und getötet.  Bisher hat sich niemand zu der Explosion bekannt. 

Eine weitere Explosion traf am 2. September in der Provinz Herat eine Moschee. Dabei wurde einer der Taliban-Anhänger, Mawlawi Mujeeb al Rahman Ansari, beim Freitagsgebet getötet und Dutzende von Menschen verletzt. 

„Er war eine der berüchtigtsten Persönlichkeiten im Westen des Landes, die für ihre Verbindungen zu Saudi-Arabien und ihre extremistische und regierungsfeindliche Haltung während des früheren Republikregimes bekannt war. Als die Taliban am 15. August 2021 die Macht in Afghanistan übernahmen, unterstützte er das Taliban-Regime. Er erklärte es für zulässig, die Gegner der Taliban in der von den Taliban-Mitgliedern abgehaltenen Loya Jirga zu enthaupten.“

Hier könnt ihr die Kolumne aus dem Monat Juli lesen.

 

Sahar Reza
Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

Dir gefällt die Geschichte? Unterstütze das Magazin

Engagement ist unbezahlbar, aber ohne Geld geht es nicht. Damit wir weiter unabhängig arbeiten können, brauchen wir finanzielle Mittel. Mit deinem Beitrag machst du kohero möglich. Spende jetzt!

Sprachweh nach Muttersprache
Letzten Samstag habe ich einen Bekannten getroffen. Seit langer Zeit habe ich endlich mal wieder in meiner arabischen Muttersprache,…

Schreiben für ein Miteinander.

Wir freuen uns auf dich. Komm ins Team und werde ein Teil von kohero. Die Möglichkeiten der Mitarbeit sind vielfältig. Willkommen bei uns!

Kategorie & Format
Autorengruppe
Sahar Reza
Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

Newsletter

Was gibt’s Neues im multikulturellen Deutschland? 

Dein kohero-Newsletter mit exklusiven Stories, Events & Tipps.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kohero Magazin