Meine Erfahrungen mit der Freiwilligenarbeit

Am 5.12. war der Tag der Ehrenamtlichen. Unsere Autorin berichtet über ihre Erfahrungen mit der Freiwilligenarbeit in Deutschland, wie und wo sie anfing und welche Auswirkungen sie auf die Gesellschaft hatte.

Zum Tag des Ehrenamtes am 5.12. möchte ich mit Ihnen über meine Karriere in Deutschland sprechen, insbesondere über meine Erfahrungen in der Freiwilligenarbeit im Bereich Bildung und Sozialarbeit. Was ich getan habe und welchen Einfluss die Arbeit auf meine Persönlichkeit und viele Menschen in der deutschen Gesellschaft hatte.

Ankunft in Deutschland

Als ich 2016 nach Deutschland kam: „Alles drehte sich darum, wie ich Erfolg haben und mich beweisen kann.“
In Syrien haben wir viel verloren, wir hatten nicht genug Rechte.
Es gab also keine Zeit, die Vergangenheit zu bedauern, sie war einfach vorbei…
Seit ich in Deutschland angefangen habe die Sprache zu lernen, habe ich parallel dazu Freiwilligenarbeit geleistet. Das habe ich bis zum Ende meines Studiums getan. Ich kann sagen, dass mein Enthusiasmus nicht geringer ist als früher…

Erste Erfahrungen in der Freiwilligenarbeit

Hier in Thüringen, genauer gesagt im Herzen der Landeshauptstadt Erfurt, habe ich meine ersten Schritte in der Freiwilligenarbeit gemacht, indem ich in vielen humanitären Organisationen im Dienste der Migranten und ihrer Unterstützung tätig war. Nach dieser Erfahrung wuchs meine Leidenschaft immer mehr, vor allem, als ich in die Gesichter vieler Menschen Züge von Freude und Glück malen konnte…
Dann begann ich meine Aktivitäten mit Kindern in verschiedenen Organisationen zur Unterstützung von Flüchtlingskindern aller Altersgruppen, und das tue ich immer noch…

Aktivitäten für Kinder

Bildungs- und Motivationsaktivitäten für Kinder waren eine dieser Aktivitäten. Trotz der Härten und schwierigen Bedingungen aufgrund der COVID-19-Pandemie und der ständigen Abriegelung wechselte ich zum Online-Unterricht. All diese Aktivitäten haben mir trotz der Müdigkeit und der eigenen Anstrengung Spaß gemacht.
Aber wenn ich mich an die Gefühle erinnere, die ich danach hatte, motiviert mich das, weiterzumachen. Und bis heute kehre ich in meine Heimat zurück und bin stolz auf all diese Momente, die ich als großen Erfolg für mich betrachte.
Unmittelbar nachdem ich einem Kind geholfen habe, erhalte ich ein Lächeln, Worte des Dankes oder aufrichtige Einladungen von den Eltern.
Dafür bin ich so dankbar. Zwar werde ich für meine freiwillige Arbeit nicht bezahlt, aber ich bekomme mehr als Geld: ein Lächeln, unschätzbare Erfahrungen, Wissen, soziale Kompetenzen und einfach das Gefühl, etwas erreicht zu haben.

Engagement an der Universität

Ich habe mich auch im Rahmen meiner Universität ehrenamtlich engagiert und an vielen Freiwilligenprogrammen teilgenommen, indem ich Flüchtlingsstudenten und Einwanderer betreute und sie bei der Wahl ihrer Studienfächer in Instituten und Universitäten unterstützte.
Meine erste Teilnahme an einer Aktivität an der Universität werde ich nicht vergessen: Ich sollte ausländische und geflüchtete Studenten motivieren, die Sprache zu lernen und zu beherrschen.
Meine Aktivitäten beschränkten sich nicht auf die Universität, sondern ich beteiligte mich auch an verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten außerhalb dieses Rahmens.
Ich habe auch dazu beigetragen, Frauen und Flüchtlingen zu helfen, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren und ihnen Wege zu ebnen, sich in diesem Land aktiv zu beteiligen…
Dabei konnte ich  feststellen, dass die Frauen diejenigen sind, die am meisten mit Herausforderungen zu kämpfen haben. Durch das Unterrichten ihrer Kinder habe ich die Gesellschaft von Grund auf kennengelernt. Ich habe herausgefunden, wie sie sich den sprachlichen Herausforderungen in ihren verschiedenen Phasen stellen, sei es auf persönlicher oder familiärer Ebene. Deshalb habe ich diese Initiative ergriffen, um die Eltern zu entlasten und ihnen die Schwierigkeiten des Lebens zu erleichtern, indem ich ihnen durch pädagogische Lektionen und Aktivitäten bei der Erziehung ihrer Kinder neben der Schule eine helfende Hand biete.
Es war mir auch ein Anliegen, durch meine Arbeit Hoffnung in den Herzen meiner Schüler zu wecken und ihnen das Gefühl zu geben, dass Erfolg und Spitzenleistungen möglich sind.

Offenheit für Gespräche

Ich bin immer offen für Gespräche und Kommunikation mit ihnen und versuche alles zu verstehen, worunter sie leiden. Sei es Frustration, Missverständnisse oder andere Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, um sie überwinden zu können. Außerdem habe ich ihnen Selbstvertrauen und Optimismus vermittelt, ihre Persönlichkeit gestärkt und ihnen geholfen, ihre Ziele und Pläne für ihre Zukunft festzulegen.
Ich habe oft das gleiche Gefühl von Glück und Zufriedenheit, das meine Schüler haben: Ich sehe, wie sie schon in jungen Jahren danach streben, sich weiterzuentwickeln, wenn ich ihnen nützliche Ratschläge gebe, damit sie ihre Erfahrungen verbessern können. Das ist wirklich ein sehr schönes Gefühl.
Ich bin auch stolz darauf, dass ich in humanitären Organisationen zahlreiche Bildungsveranstaltungen und Workshops zu verschiedenen kulturellen und sozialen Themen durchführen konnte, um viele Frauen und Mädchen auf einer persönlichen Ebene zu unterstützen.

Hilfe für junge Frauen

Vielen jungen Frauen konnte ich helfen, in den Arbeitsmarkt einzutreten und sie dabei unterstützen, ihre Ausbildung abzuschließen.
Viele von ihnen waren verschleierte Mädchen (mit Hijab), für die der Schleier ein Hindernis für die Arbeit von Frauen war. Ich kann sagen, dass ich vielen helfen konnte, diese Schwierigkeiten zu überwinden und ihre Ansichten zu ändern.
Manchmal fühlte ich mich in Situationen, in denen ich anderen nicht helfen kann, hilflos. Ich will nicht egoistisch sein.
Die Freiwilligenarbeit hat mir etwas gegeben, was alles andere mir nicht geben kann.

Dieser Text ist im Schreibtandem mit Margarethe Hoberg entstanden.

Shilan Akan
Shilan ist eine eine kurdische Frau, 24 Jahre alt und studiert Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaft an der Universität Erfurt. Sie ist ein Mitglied im Diversitätbeirat der Uni Erfurt und kommt aus Syrien. Shilan lebt seit 2016 in Deutschland. Sie ist eine aufstrebende Studentin. Derzeit engagiert sie sich in mehreren Organisationen.  

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Shilan Akan
Shilan ist eine eine kurdische Frau, 24 Jahre alt und studiert Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaft an der Universität Erfurt. Sie ist ein Mitglied im Diversitätbeirat der Uni Erfurt und kommt aus Syrien. Shilan lebt seit 2016 in Deutschland. Sie ist eine aufstrebende Studentin. Derzeit engagiert sie sich in mehreren Organisationen.  

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