The Power of the Arts – Kultur verbindet

„Wir haben das große Glück in einer Gesellschaft zu leben, die noch nie so vielfältig und liberal war. Die anhaltenden Debatten zeigen aber, dass dieser Zustand nicht selbstverständlich ist. Deshalb ist es wichtiger denn je, diese Initiative fortzusetzen. Wir freuen uns, erneut vier Projekte auszuzeichnen, die sich trotz unterschiedlicher Widerstände beispiellos für unsere offene Gesellschaft engagieren“.

Das Team von Weiter Schreiben sitzend und stehend an einem Schreibtisch

Mit diesen Worten eröffnete Elfriede Buben die Vergabe der diesjährigen Preise bei „„The Power of the Arts“. Sie ist die Leiterin für Gesellschaftliche Verantwortung bei der Phillip Morris GmbH. Mehr als 120 gemeinnützige Initiativen sind diesem zweiten Aufruf von „The Power of the Arts“ gefolgt. Mit jeweils 50.000 Euro können nun vier ausgezeichnete Kultur-Initiativen ihr Engagement für eine offene Gesellschaft und ein „neues Wir“ ausbauen und professioneller gestalten.

Durch Kultur und Begegnung den einsamen Alltag verändern

Es galt eine Jury zu überzeugen, die unter anderem aus Persönlichkeiten wie Samy Deluxe (Rapper), Lamya Kaddor (Autorin und Islamwissenschaftlerin), Diana Kinnert (Politikerin, Unternehmerin und Autorin) und Clemens Schick (Schauspieler) bestand.

Eine der Initiativen, das Projekt „Kulturisten-Hoch2“, bildet Tandems aus älteren Menschen und Oberstufenschülerinnen und -schülern, die gemeinsam Ausstellungen, Theater – oder Opernaufführungen besuchen. Sie nutzt die verbindende Kraft von Kunst und Kultur, um den Kontakt zwischen Menschen verschiedener Milieus zu initiieren und den Zusammenhalt in den Stadtteilen zu fördern. Der Preis ermutigt dazu, das Projekt auf weitere Stadtteile und Städte auszuweiten. Nach Meinung der Jury „ermöglicht das Projekt einen Zugang zu Kultur und fördert generationsübergreifende Begegnungen. Die Teilnehmenden werden in ihrem oftmals einsamen Alltag von Jugendlichen abgeholt und dadurch ermutigt, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten“.

Mit Serienkultur zum Perspektivwechsel verlocken

Eine weitere Auszeichnung ging an das Projekt „ Migrantpolitan – Kampnagel“. Als selbstverwaltetes Veranstaltungszentrum werden hier für viele geflüchtete Kunstschaffende Einstiegsmöglichkeiten in die kreative Branche und reale berufliche Perspektiven geschaffen. Mit dem Preis soll das 12-köpfige Team zu einem professionellen Ensemble ausgebaut werden. Eine Besonderheit ist die Gestaltung einer Soap Namens „Ramadram“, die zum Ramadan 2019 über YouTube verbreitet wird. „Die Soap ist eine authentische Abbildung arabischer Serienkultur. Der Zuschauer wird auf humorvolle, aber seriöse Art einen Blick von ihnen in Erfahrung bringen. Der künstlerisch-biographische Zugang ermöglicht einen Perspektivwechsel, der gut tut“.

Eine Initiative von 100 Frauen ermöglicht geflüchteten Schriftstellerinnen ihre Arbeit im Exil fortzusetzen. Mit dem Projekt „Weiter schreiben“ von „Wir machen das/wearedoingit e.V.“ schaffen Autorinnen wie Annett Gröschner, Nora Bossong und Nino Haratischwili eine Plattform, wo die Arbeiten der Geflüchteten in den Vordergrund rücken. Mit dem Preisgeld wird die bisherige Online-Präsenz um ein gestaltetes Printmagazin erweitert. Nach den Worten der Jury „entstehen in einem einzigartigen Austausch Texte, die in die Breite wirken. Trotz biographischer Bindungen steht dabei die Qualität der literarischen Arbeit im Vordergrund. Den Initiatorinnen gelingt es nicht nur eine Systemlücke zu schließen, sondern auch Ruhe und Reflexion in eine aufgeregte Debatte zu bringen“.

Ein ganzer Stadtteil kommt in Bewegung

Mümmelmannsberg ist ein bekanntes Brennpunktviertel in Hamburg. Das Projekt „Musik für einen Stadtteil – Stadtteilkantorat Mümmelmannsberg & Trimum e.V.“ entwickelt zusammen mit muslimischen, christlichen und jüdischen Musikerinnen und Musikern verschiedene Veranstaltungsformate. Durch gemeinsames Musizieren soll der Vielstimmigkeit von über hundert Herkunftskulturen im Viertel ein entsprechender Ausdruck verliehen werden. Mit dem Preis kann das Projekt ein weiteres Jahr fortgeführt werden. Die Jury dazu: „Das Projekt versetzt einen ganzen Stadtteil in Bewegung. Der ganzheitliche Ansatz der Initiatoren hat Signalwirkung: Begegnungen zu ermöglichen ist eine Lebenseinstellung“.

Das Unternehmen Phillip Morris GmbH engagiert sich schon seit den 1960er Jahren als Förderer großer Sammlungen, Ausstellungen und Künstler. Die Kommunikation und Pressearbeit erfolgte über Bureau   N, Sören Zuppke mit Sitz in Berlin.

Weitere Infos.

Schlagwörter:
Transitzone Ventigmila

Ventimiglia – Rassismus in Solidaritätskollektiven

Zolfar Hassib ist Mitglied bei „Progetto20k“ – einem Kollektiv, das in der französisch-italienischen Grenzstadt Ventimiglia aktiv ist. Dort versuchen täglich 300-400 Menschen die Grenze zu überqueren. Die Aktivistin mit aghanischen Wurzeln erzählt von ihrem Engagement.

Weiterlesen …
Landkarte vor einer Winschutzscheibe

Artikel 11 – Wer darf wo leben?

In Artikel 11 geht es um Freizügigkeit. Frei wählen, wo man wohnt. Reisen, wohin man möchte. Das sind für uns Selbstverständlichkeiten. Doch gilt die Freizügigkeit auch für Geflüchtete? Sowmar aus Syrien teilt mit uns, was er darüber denkt.

Weiterlesen …
Foto: Ben Wicks via Unsplash unter CC BY-SA 3.0-Lizenz.

Ihr Kinderlein, kommet

Bei dem Gedanken an Flüchtlinge denkt Lilo David an die traumatisierten Kinder, denen sie im Kindergarten ihres Enkels begegnet. Sie sind hier in Sicherheit, aber haben noch keine Heimat gefunden. Sie stellt die Frage nach unserer westlichen Willkommenskultur und den Weichen, die heute für ein besseres Miteinander von morgen gestellt werden müssen.

Weiterlesen …

Respekt für die Ballroom-Szene

„Vogue“ wurde am Ende der 80er in der Ballroom-Szene Harlems entwickelt und ist tief in der Geschichte und Kämpfe der US Black und Lateinamerikanische LGBTIQ Communities verwurzelt.

Weiterlesen …
Kategorie & Format
Autorengruppe
Leonardo De Araujo
Leonardo De Araujo, geboren in Rio de Janeiro, Brasilien lebt seit etwas mehr als 30 Jahren in Deutschland, vorwiegend in Hamburg. Nach einigen Berufsjahren in Werbeagenturen hat er 35 Jahre in der Fernsehproduktion gearbeitet. Nebenbei hat er sich auch als Drehbuchautor und Fotograf beschäftigt – und für das Flüchtling-Magazin, heute kohero, geschrieben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kohero Magazin