Gulasch bringt uns zusammen

Gemeinsam Essen verbindet. Das wissen die meisten, die sich regelmäßig zuhause oder in Restaurants mit Freunden verabreden. Auch zwischen Menschen verschiedener Herkunft kann das Essen eine Brücke sein - und ein lustiges Vergnügen, wie Schadi Al Salamat beschreibt.

Fotograf: Anna Heudorfer

Im Januar 2016 war ich bei einer deutschen Familie eingeladen. Ich wünschte mir was typisches Deutsch zu essen. Meine Gastgeber haben mir mehrere Gerichte angeboten. Ich fühlte mich wie ein arabischer König. Auf der Liste standen mehrere Optionen: Currywurst, Sauerkraut, Rouladen, Nordseekrabben – ich wollte unbedingt etwas typisch deutsches essen. Mit meinem schlechten Deutsch konnte ich aber nicht verstehen, was Rouladen heißt. Ist es das gleiche Wort wie für den Rollladen vor dem Fenster? Alle deutschen Worte waren für mich am Anfang gleich. Es gab keinen Unterschied zwischen „Scheiße“ und „Schießen“, „backen“ und „packen“, „mehr“ und „Meer“. Für mich hörten sich alle Wörter gleich an. Ö und O waren noch eine andere komische Geschichte.

Bestimmt waren die Rouladen aus Wildschwein. Die Deutschen lieben zwei Dinge im Leben: die Bürokratie und Schweinefleisch. Mein Gastgeber Otto lacht und sagt, Schweinefleisch ist lecker. Eva hat neugierig gefragt, ob ich das Rindfleisch esse. Die Antwort war: „Ja, klar.“

Wie eine Fressmaschine

Sie haben Gulasch für mich gekocht. Gulasch mit dunkler Soße. Als ich das Gericht gesehen habe, fühlte ich mich wie im siebten Himmel. Das Rindergulasch hat mir geschmeckt. Ich war total zufrieden und glücklich. Sie haben mir erklärt, dass sie es extra nach Muttis Rezept mit dunkler Soße für mich gekocht haben. Ich habe die Gulasch-Fleischstücke wie eine Fressmaschine ohne Pause gegessen. Eva hat mich gefragt, ob das Essen lecker ist. Ich habe ihre Frage ignoriert, weil ich völlig begeistert war. Ich wollte mich nur auf das Essen konzentrieren. Wir Araber sprechen wenig beim Essen, im Gegensatz zu den Deutschen: Die quatschen immer währenddessen. Ich will nur meinen großen Bauch füllen.

Ich war der erste, der sein Gericht beendet hatte. Egal, ich nahm mir Nachschlag. Eva grinste und sagte: „Du bist wohl hungrig.“ Meine Antwort war da wohl: „JA!“ Das Brot war hart, aber ich wusste schon, dass die Deutschen starke Zähne haben und sie stolz auf das deutsche Brot sind. Außerdem kann das Brot schimmeln. Das ist mehr als die AfD kann! Für mich war das Deutsche Brot eine große Überraschung. In Syrien haben wir einen Name für Brot. Es heißt „Brot“! Hier in Deutschland gibt es vielfältige Brotarten wie Weizenbrot, Roggenbrot, Vollkornbrot, Toastbrot, Schrotbrot, Pumpernickel und Mehrkornbrot. Naja, dieses Land ist eben sehr kompliziert. Sie haben sogar Millionen Brotsorten. Da will ich doch fast zurück nach Syrien!

Wer bei dieser Geschichte Hunger bekommen hat und sich ein leckeres Gulasch kochen möchte findet hier unser Rezept für Rotwein-Gulasch. Guten Appetit!

Shadi Al Salamat kommt aus einem Dorf in Syrien in der Nähe der Stadt Darʿā, in der 2011 die Proteste gegen Baschar al-Assads Regierung ihren Ausgangspunkt nahmen. Heute lebt Shadi in Wiesbaden und arbeitet als Informatiker in Frankfurt. Für kohero schreibt er über seinen Alltag, um falsche Vorstellungen über Geflüchtete zu verändern.  
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Shadi Al Salamat kommt aus einem Dorf in Syrien in der Nähe der Stadt Darʿā, in der 2011 die Proteste gegen Baschar al-Assads Regierung ihren Ausgangspunkt nahmen. Heute lebt Shadi in Wiesbaden und arbeitet als Informatiker in Frankfurt. Für kohero schreibt er über seinen Alltag, um falsche Vorstellungen über Geflüchtete zu verändern.  

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