Gescheiterte Politik in Afghanistan: Ein Kommentar

Der Abzug der ausländischen Truppen hat Afghanistan zu einer instabilen und kritischen Situation geführt, die jederzeit zum Zusammenbruch der Regierung führen kann. Ein Kommentar unserer afghanischen Autorin Sahar Reza

Es ist so schwer, nach 20 Jahren harter Arbeit und Kampf, die die internationale Gemeinschaft und die Menschen geleistet haben, dem Zusammenbruch Afghanistans beizuwohnen. Trotz der Probleme, die es in den vergangenen Jahren in Afghanistan gab, waren die Menschen froh, dass sie keine wilden Menschen (hier meine ich die Taliban = ungebildete, unzivilisierte und wilde Menschen) im Land haben. Solche, die alles und jeden Kampf der Bürger zerstören würden, die das Land von Grund auf aufgebaut haben.

Abzug internationaler Truppen

Mit dem Abzug der deutschen und italienischen Truppen aus Afghanistan und dem anschließenden Abzug der US-Truppen ist die Lage in Afghanistan instabil.

Das deutsche Militär hat seinen Abzug aus Afghanistan nach zwei Jahrzehnten abgeschlossen. Nach den USA stellte Deutschland mit rund 150.000 Soldaten die zweitgrößte Truppenstärke in Afghanistan dar. Die meisten von ihnen haben mehr als einen Einsatz in dem Land absolviert.

Das gilt auch für Italien. Dies gab der Verteidigungminister Lorenzo Guerini bekannt, nachdem italienische Truppen aus der westafghanischen Stadt Herat nahe der iranischen Grenze auf dem internationalen Flughafen von Pisa gelandet waren.

Rückzug bis zum 11.September

US-Präsident Joe Biden und die NATO haben angekündigt, dass sie die 10.000 ausländischen Truppen, die sich noch in Afghanistan befinden, bis zum 11. September 2021 abziehen werden. Dies ist der Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center in New York, mit denen der Einsatz begann.

Am 6. Juli 2021 schrieb die New York Times, dass die USA ihren Rückzug aus Afghanistan abmildern werden. Der US-Militärstützpunkt Bagram in der Provinz Parwan nördlich von Kabul hat die US-Operationen effektiv beendet, obwohl ein Kontingent von US-Militärs zur Bewachung der US-Botschaft zurückbleibt. Mit diesen Maßnahmen sollte Zeit gewonnen werden, um den psychologischen Schock für die Afghanen abzufedern. Sie sollten mindestens bis August andauern. Aber der psychologische Schock führte auch zu vielen weiteren Verbrechen der Taliban.

Provinzen unter Kontrolle der Taliban

Jeden Tag geraten Provinzen und Bezirke unter die Kontrolle der Taliban. Unschuldige Zivilisten werden getötet, Frauen und Mädchen werden vergewaltigt oder die Taliban verschleppen sie als Sklaven. Sie bombardieren und zerstören Krankenhäuser, Schulen, Brücken, und Straßen und plündern die Häuser der Menschen. Das hat dazu geführt, dass mehr als tausend Menschen vertrieben werden und in eine sicherere Provinz oder sogar aus Afghanistan in die Nachbarländer auswandern.

Nach den Nachrichten, die ich gelesen und von meinen Freunden und Familienmitgliedern erhalten habe, warten Tausende von Menschen darauf, ihre Ausweise und Pässe zu erhalten.  Und darauf, ein Visum für ein Nachbarland zu bekommen, um ihr Leben zu retten.

Dringender Appell

Die Menschen sind des Krieges überdrüssig und wollen Frieden. Aber bis jetzt sind die Friedensverhandlungen (peace talks ) zu keinem Ergebnis gekommen. Wo sind der UN-Sicherheitsrat, die Menschenrechtsorganisationen und die internationale Gemeinschaft, die diesem unmenschlichen Verbrechen Einhalt gebieten?

Bitte verhindern Sie den Zusammenbruch des Landes. Die Menschen wollen nicht in die Steinzeit von vor 20 Jahren zurückkehren.

Die USA haben versprochen, rund 2000 Journalisten, Sozialaktivisten und Personen, die mit der US-Armee und Projekten zusammengearbeitet haben, ein Visum zu erteilen. Ebenso wie Deutschland, das sich bereit erklärt hat, Personen, die mit der deutschen Armee zusammengearbeitet haben, ein Visum zu erteilen. Aber was wird mit den anderen Bürgern geschehen? Sind sie keine menschlichen Wesen?

Bitte machen Sie unser Land sicher und bringen Sie uns nicht an einen sicheren Ort oder ein sicheres Land. – Das ist es, was die Bürger wollen und in den Medien zum Ausdruck bringen.

 

 

Notiz der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 10.8. geschrieben, seitdem hat sich die Situation in Afghanistan weiter verändert. Weitere Artikel und Kommentare werden folgen. 

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Sahar Reza
Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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