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Wie die Pandemie die Integration bedroht

Welche Folgen die Corona-Pandemie für Geflüchtete und die Integration hat, wird in der Politik kaum thematisiert. Dabei lässt sich deutlich erkennen, dass die Coronakrise auch in dieser Hinsicht Spuren hinterlässt.

Das Foto im Anhang ist von einem Video über das Kollektiv von der Instagram des Kollektiv und wir haben schon die Zustimmung, es zu benutzen.
Fotograf: Schu Fi Ma Fi

Seit zwei Jahren leben wir in einer Pandemie und wiederkehrenden Lockdowns. Die Coronakrise hat unterschiedliche Lebensbereiche drastisch beschädigt. Der Anteil der Armut und die Arbeitslosigkeitsquoten sind gestiegen. Viele Menschen haben ihre Jobs verloren oder mussten mindestens in Kurzarbeit gehen. Für Bildung ist die Lage nicht besser, denn viele Kinder und Jugendliche mussten in Homeschooling oder hatten gar keine Schule.

Während sich die politischen Debatten auf Gesundheit, Bildung und Wirtschaft konzentrieren, bleibt das Thema Integration unter dem Radar. Geflüchtete und Einwandere sind hart von der Corona-Pandemie betroffen. Die Folgen der Coronakrise auf dem Arbeitsmarkt und die Bildung gefährden die Integration und werden den Integrationsprozess von Geflüchteten verlangsamen.

Viele Sprachkurse mussten während des Lockdowns pausiert werden. Eine Möglichkeit auf Online-Unterricht gab es kaum oder in vielen Sprachschulen gar nicht. Die Besucher der heutigen Sprachkurse sollten voraussichtlich letztes Jahr ihre Sprachkurse beenden und in den Arbeitsmarkt oder das Bildungssystem einsteigen. Nun müssen sie ein Jahr warten, bis sie fertig mit der Sprache sind. Außerdem ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt schwieriger geworden. Auch in den Universitäten und Hochschulen wurden die Geflüchteten benachteiligt und mussten die Herausforderungen des Studiums online bewältigen.

Auf dem Arbeitsmarkt gibt es auch harte Auswirkungen. Viele Menschen haben ihre Jobs verloren, unter anderem viele Flüchtlinge, und müssen heute noch mal von vorne anfangen. Laut einer Studie der Friedrich-Alexander-Universität: „Zwischen März und Juli 2020 stieg die Arbeitslosenquote unter Drittstaatler*innen in Deutschland um 5,2%, davon um 13,4% bei Personen aus den typischen Asylherkunftsländern“.

Corona und kulturelle Teilhabe

Nicht nur Bildung und Arbeit erleben die Auswirkungen der Pandemie, sondern andere Bereiche wie kulturelle Teilhabe sind auch betroffen. Seit 2017 arbeitet das syrische interkulturelle Kollektiv „Schu Fi Ma Fi“ in Düsseldorf daran, die Syrer zusammenzubringen und auszutauschen.

Basel Al Ali studierte Informationstechnik an der Universität Heinrich Heine in Düsseldorf und arbeitet nun mit anderen 5 syrische Flüchtlinge im Kollektiv. „Schu Fi Ma Fi ist eine normale Reaktion auf das Ankommen von syrischen Flüchtlingen nach Deutschland und vor allem nach Düsseldorf. Wir wollen einen sicheren Raum für Syrer schaffen, damit sie sich selbst darstellen und ausdrücken können“ sagte Basel.

Vor der Coronakrise hat das Kollektiv mehrere Veranstaltungen organisiert, wie z.B „Hakayat“ (auf Deutsch: Erzählungen). Dabei wurden syrische Autor*Innen eingeladen, um ihre Texte zu lesen und ihre Gedanken und Hoffnungen mitzuteilen. Das Kollektiv organisierte auch ein syrischen sozialen Salonkultur unter den Namen „Iwan“ und brachte zahlreiche syrische Flüchtlinge zusammen, um sich über unterschiedliche Themen zu unterhalten, nicht nur über Flucht, Sprachelernen und Integration, sondern auch über syrische relevante Themen wie Krieg, Korruption und Demokratie.

Die Coronakrise hat die kulturelle Teilhabe massiv eingeschränkt. Das Kollektiv musste viele Veranstaltungen im Lockdown absagen, andere wurden online gehalten z.B auf Clubhouse. „Die soziale Plattformen wie Clubhouse und YouTube sind für uns ein alternativer Weg wegen der Pandemie geworden. Allerdings sind sie mit dem persönlichen Treffen nicht zu vergleichen“ sagte Basel.

Das Kollektiv wird vom Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation (Zakk) in Düsseldorf unterstützt. Dabei bietet Zakk logistische Hilfe für das Kollektiv, wie den Ort für die Veranstaltungen. Die Ideen werden von Basel und seine Freunde entwickelt.

Sorgen um die Zukunft

Basel macht sich Sorgen um die Zukunft des Kollektivs „Viele von uns müssen jetzt ihre Prioritäten setzen und an ihre eigene Zukunft denken. Wir wollen gerne weitermachen und den anderen helfen, aber Corona spielt gegen uns“.

Nun erholt sich das Kollektiv von dem langen Lockdown und organisiert weiter kulturelle Veranstaltungen in Düsseldorf. Im Oktober hat Schu Fi Ma Fi eine erfolgreiche Veranstaltung mit dem syrischen YouTuber Bisher Najjar organisiert. Andere Veranstaltungen hat das Kollektiv auch auf dem Plan, solange es keinen Lockdown gibt.

Das Kollektiv Schu Fi Ma Fi und andere Vereine und Organisationen von Geflüchteten sind ein wichtiger Baustein für die Integration. Denn sie bieten den Geflüchteten die Möglichkeit, sich in der Gesellschaft zu integrieren. Experten warnen davor, dass alle Errungenschaften im Bereich Integration über die letzten Jahren von den Folgen der Pandemie bedroht sind. Nun steht Deutschland kurz vor einer vierten Welle und einem neuen Lockdown, trotzdem bleibt dieses Thema wenig thematisiert in den politischen Debatten.

Hassoum Mazen
Mazen ist syrischer Journalist und Flüchtling in Deutschland. Er schreibt über Politik und Gesellschaft.

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Hassoum Mazen
Mazen ist syrischer Journalist und Flüchtling in Deutschland. Er schreibt über Politik und Gesellschaft.

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