Solicasino auf Kampnagel

Das Solicasino auf Kampnagel ist immer einen Besuch wert. Bei einem Gläschen Wein kann für den guten Zweck gezockt werden. Unsere Redakteurin Sophie Laura war vor Ort und hat mit Gästen und Organisatoren gesprochen.

Solicasino auf Kampnagle Foto: Sophie Martin

Zocken für den guten Zweck – das ist das Solicasino auf Kampnagel! Im Festivalgarten des Internationalen Zentrums für schönere Künste befindet sich das Migrantpolitan, ein Aktionsraum für neue, kulturelle Ideen, die die Integration fördern sollen. Das Migrantpolitan steht aber auch für ein klein wenig Anarchie, für Solidarität und für eine klare Positionierung gegen rechtes Gedankengut. Es ist vielmehr ein Ort des Austausches, des Miteinander, in dem Geflüchtete und Locals zusammenkommen um zusammenzuarbeiten.

Wie alles begann

Heute Abend öffnet das Migrantpolitan seine Türen für das Solicasino. Am Eingang hat Nadine Stellung bezogen. Die 44-Jährige, die eigentlich in der Dramaturgie auf Kampnagel arbeitet, hat das Solicasino zusammen mit ihren Mitstreitern im Jahr 2015 erfunden.

Organisatorin Nadine
Organisatorin Nadine Foto: Sophie Martin

„Am Anfang war es nur eine Idee“, beginnt Nadine zu erzählen, „doch dann haben wir den Klassiker des solidarischen Entertainments weiterentwickelt und das Ganze nahm Form und Struktur an. Meine Mitarbeiter und ich haben uns lustige Spiele ausgedacht. Im Vordergrund steht natürlich der Spaß, aber gezockt wird für den guten Zweck. Als Spieleinsatz werden Ufos benötigt, für fünf Euro kann man hier am Eingang bei mir zehn Ufos kaufen. Der Gewinn geht an soziale Projekte in Hamburg, wie beispielsweise an die Lampedusa Flüchtlinge, die seit 2013 für ein dauerhaftes Bleiberecht kämpfen.“

Inzwischen ist es voller geworden in dem kleinen Raum, in dem überall Tische mit den verschiedenen Spielen aufgebaut sind. Das Licht ist gedämpft, leise Musik tönt aus den Lautsprechern und an der Bar decken sich die Gäste mit Getränken ein. Es gibt Flaschenbier für drei Euro, Wein – wahlweise rot oder weiß – für vier Euro fünfzig. Die Stimmung ist ausgelassen, man hört Menschen lachen, alle sind gut drauf, haben Spaß, amüsieren sich.

Speeddarting

Schräg gegenüber vom Eingang betreut Michel einen Tisch mit seinem selbst entwickelten Spiel „Speeddarting“.

„Das Spiel funktioniert wie folgt“, erläutert Michel und zeigt auf die Weltkarte hinter sich, „man zieht zunächst einen Zettel. Auf diesem Zettel steht der Name eines Landes, einer Stadt oder eines Flusses. Dann nimmt man einen Dartpfeil und muss mit diesem den geografischen Ort auf der Landkarte treffen“.

Michel ist 38 und arbeitet eigentlich in der Musikbranche.

„Ich mache das hier ehrenamtlich, bin von Anfang an mit dabei. Es ist mir wichtig, mich für den guten Zweck einzusetzen, etwas Gutes zu tun. Und ich habe jede Menge Spaß dabei, die Nächte hier im Migrantpolitan sind immer witzig und amüsant.“

Michel vom Speeddarting
Michel vom Speeddarting Foto: Sophie Martin

Zwei Gäste sind neugierig nähergekommen, gucken anfangs noch ein wenig skeptisch, lassen sich dann von Michel sein Spiel erklären.

„Wir zocken gerne und hier lässt sich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Wir können spielen und der Erlös geht an soziale Projekte, das gefällt mir“, sagt der junge Mann, der in Begleitung seiner Freundin hier im Migrantpolitan ist. Diese hat nun einen Zettel gezogen, auf ihm steht in Druckbuchstaben „Baikalsee“.

Also lässt sie sich von Michel einen Dartpfeil geben, geht ein paar Schritte zurück, kneift die Augen zusammen und zielt. Der Pfeil landet irgendwo in Russland, also fast richtig getroffen.

An der Bar hat sich eine kleine Schlange gebildet, zocken macht durstig. Auf der linken Seite daneben steht Uta.

Lose für die Tombola

„Mein Job ist es, Lose für die Tombola zu verkaufen. Es gibt unter anderem Gutscheine für Veranstaltungen zu gewinnen, aber auch T-Shirts, LPs oder Bücher. Auch ich arbeite ehrenamtlich hier, engagiere mich für den guten Zweck. Das bringt Spaß und ist wichtig“, erklärt die 36-Jährige, die ebenfalls als Dramaturgin auf Kampnagel arbeitet.

Und auch die Coverband Boy Division Ensemble ist mit am Start.

„Wir sammeln hier Geld für Menschen, die es wirklich benötigen, die hilfebedürftig sind. Und wir integrieren Flüchtlinge in unser Team, arbeiten mit ihnen gemeinsam, das ist toll zu sehen. Unsere Truppe besteht aus ungefähr 15 Leuten, darunter sind Leute aus dem afrikanischen Raum, aus Afghanistan, Syrien oder dem Iran. Alles ist multikulti, das ist das Schöne an der Arbeit hier“, sagt Bernd, der die die Band Boy Division Ensemble vor 22 Jahren mitgegründet hat.

Eine Menschengruppe beim Solicasino
Zocken für den guten Zweck Foto: Sophie Martin

Beim Solicasino ist für jeden was dabei, neben klassischen Kartenspielen gibt es eben viele verrückte Spiele, die sich die Macher selbst ausgedacht haben.

„Wir zocken hier bis vier, fünf Uhr morgens, es kommen über die ganze Nacht verteilt so an die dreihundert Gäste. Wir wollen etwas Gutes tun, alle im Team sind ehrenamtlich, arbeiten, ohne Geld dafür zu bekommen“, ergänzt Bernd.

Termine

Das Solicasino findet einmal pro Quartal auf Kampnagel im Migrantpolitan statt und während des Sommerfestivals vom 7. bis 25. August auch öfter. Die genauen Termine findet ihr unter dem folgenden Link:  Der Eintritt ist frei.

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