Neues aus Afghanistan im November

Zunehmende Verbote für die Frauen und die Presse dominieren unsere Kolumne in diesem Monat. Unsere Autorin fasst die Nachrichten aus Afghanistan für den vergangenen Monat zusammen.

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Fotograf: EJ Wolfson – Unsplash

Media und Pressefreiheit:

Der Rat der afghanischen Journalist*innen erklärte, dass viele Medienorganisationen aus verschiedenen Gründen, einschließlich wirtschaftlicher Probleme, ihren Betrieb eingestellt haben. Unter anderem ist Kabul News TV zusammengebrochen. Hauptgrund hierfür waren wirtschaftliche Probleme. Der Sender wird jedoch weiterhin auf den Online-Plattformen der sozialen Medien aktiv sein.  Rund 70 Prozent der Journalist*innen sind nach dem Sturz der früheren Regierung arbeitslos geworden. Und fast 280 Medienorganisationen haben im vergangenen Jahr ihre Arbeit eingestellt. 8am

Der Taliban-Chef für Information und Kultur in der Provinz Nimroz hat die Medien angewiesen, keine Sendungen, ohne die Genehmigung dieses Direktorats zu veröffentlichen. Auch das Programm von Regierungsstellen sollte nicht ohne die Genehmigung veröffentlicht werden.

Afghanistan wurde als Mitglied der Koalition für Medienfreiheit gestrichen. Das teilte die Organisation in einer Erklärung mit und fügte hinzu, dass diese Entscheidung in Absprache mit den MFC-Mitgliedern und gemäß den Bestimmungen der Koalition getroffen wurde.

“Afghanistan became a member country of the MFC in January 2020, when the government of President Ashraf Ghani committed to the Global Pledge on Media Freedom,” MFC said. “All MFC member countries committed to respect and uphold the Global Pledge and are held accountable by members if they fail to do so.”

The Ministry of Information and Culture (MoIC) reacted to the decision of the MFC, saying that the decision was not taken based on facts.

“I don’t think this organization would be very important and is not famous as well. But we still call on all parties to take their decisions based on facts,” said Mahajar Farahi, deputy Minister of Information and Culture.

Meanwhile, some media support organizations said that the international community should support the Afghan media family.

“It is necessary that the international community supports journalists, so the journalists can do their activities in this country,” said Masroro Lutfi, head of the Afghanistan’s Journalists Union.

“In the current situation, it is into good that such organizations remove Afghanistan,” said Abdul Rahim Asim, a journalist.  Tolo News

Keine Rechte für Frauen

Die Taliban verbieten afghanischen Frauen den Zutritt zu Vergnügungsparks in Kabul. Nach Angaben von Reuters hat der stellvertretende Sprecher der Taliban bestätigt, dass diesbezüglich Einschränkungen verhängt wurden.

Die Taliban haben den Frauen vorgeschrieben, dass sie eine Arbeitserlaubnis benötigen, um mit den örtlichen Ämtern und Agenturen weiterarbeiten zu können. Als sie die Taliban-Büros aufsuchten, um ihre Anfragen durchzugehen, konnten sie keine Arbeitserlaubnis erhalten. Die Taliban genehmigten die Arbeitserlaubnis nur den Frauen, die verheiratet sind, im Tausch gegen 15 000 Afghanis. Die Anträge der alleinstehenden Frauen wurden abgelehnt. Man sagte ihnen, sie müssten ihre männlichen Begleiter mitbringen. Deshalb waren die meisten von ihnen mit ihrem Vater und ihrem Bruder zusammen. Die Taliban fügten jedoch hinzu, dass der Vater und der Bruder nicht Mahram sein können, die Frauen müssen einen Ehemann haben.

Die Taliban-Abteilung für Laster und Tugenden hat in verschiedenen Bezirken und Provinzen Anordnungen erlassen.  Z.B müssen die Schneidereien für Frauen in der Provinz Parwan schließen. Sie haben sie als Haram bezeichnet.

In Nangarhar dürfen Frauen keine Gesundheitszentren ohne männliche Begleitung besuchen. Die Bewohner*innen müssen die Anordnungen ernsthaft vermitteln und umsetzen.

In Herat haben sie Ultraschalluntersuchungen an Frauen in einem Krankenhaus verboten.

Die Taliban haben angekündigt, das Thema für die Predigten zum Freitagsgebet in den Moscheen auszuwählen. Dabei sollte der Inhalt der Predigten auf die Strategie der Taliban abgestimmt sein. Kein Gebetsimam hat das Recht, eine Rede nach seinem eigenen Willen zu halten.

Quellen zufolge wurde ein junger Mann verhaftet, weil er die Gesetzlosigkeit in der Provinz Ghor kritisiert hatte. Nachdem er einen Job in einer der Organisationen bekommen hatte, brachten ihn die Taliban zum Geheimdienst, um seinen Hintergrund zu überprüfen. Nach der Überprüfung seines Facebook-Accounts wurde er inhaftiert. Er befindet sich immer noch im Gefängnis und wird von den Taliban gefoltert.

Im vergangenen Monat wurden die Leichen von 45 afghanischen Flüchtlingen aus dem Iran nach Afghanistan geschickt, die bei verschiedenen Zwischenfällen getötet wurden. Aufgrund der Proteste im Iran wurde die Tötung afghanischer Bürger durch iranische Sicherheitskräfte weithin veröffentlicht. Außerdem wurden in den letzten 1 Monat fast 30.000 afghanische Einwanderer, darunter auch Familien, aus dem Iran nach Afghanistan abgeschoben.

Migration

Nach dem Sturz der vorherigen Regierung waren Tausende von Menschen gezwungen, das Land zu verlassen. Aufgrund der Armut und des Mangels an Arbeitsplätzen versuchen die Menschen in die Nachbarländer zu gehen, um dort Geld zu verdienen. Sie werden von der Polizei der Länder schikaniert. Vor kurzem hat die pakistanische Polizei mehr als 1000 Afghanen verhaftet. 8am

Die Nachrichtenagentur IRNA hat berichtet, dass in den letzten sechs Monaten mehr als 100 afghanische Bürger*innen, die meisten von ihnen Kinder, an der afghanisch-iranischen Grenze verschwunden sind. Der stellvertretende Leiter des iranischen Roten Halbmonds, Behnam Saiedi, sagte, dass in den letzten sechs Monaten dieses Jahres 100 afghanische Flüchtlinge von dieser Organisation gesucht wurden. Es wird berichtet, dass die meisten Kinder während des illegalen Grenzübertritts von ihren Familien getrennt wurden. Seit dem Sturz der vorherigen Regierung gibt es eine Welle von Geflüchteten, die die Grenze illegal überqueren wollen. 8am

Wirtschaft

Der afghanische Wirtschaftsrat in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat erklärt, dass die Sanktionen, die gegen das afghanische Bankensystem verhängten wurden, eine wirtschaftliche Herausforderung für Afghanistan darstellen. Die Händler haben Probleme mit dem Transfer von Geld ins Ausland. Nach Angaben der IEA gab es im letzten Jahr keine ausländischen Investitionen in Afghanistan.

Aufgrund wirtschaftlicher Not und Umweltkatastrophen wie z.B. Erdbeben können 9 von 10 Haushalten ihren Nahrungsmittelbedarf nicht decken. Insbesondere sind die Familien gefährdet, die keinen Mann als Ernährer haben.

Neues aus Afghanistan im Oktober kannst du hier lesen.

Sahar Reza
Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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Nachricht aus Afghanistan
In unserer monatlichen Rubrik „Neues aus Afghanistan“ fasst unsere Autorin Sahar Reza die Ereignisse des vergangenen Monats, August, zusammen….
Foto: Kyle Glenn aus Unsplash
Hussam Al Zaher, der Redakteur des Flüchtling-Magazins, gibt Flüchtlingen in seinem Magazin eine Stimme und sieht darin eine Chance…

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Sahar Reza
Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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