Neues aus Afghanistan: im Januar

In unserer monatlichen Rubrik "Neues aus Afghanistan" fasst unsere Autorin Sahar Reza die Ereignisse dess letzten Monats zusammen.

Kabul, Neues aus Afghanistan

Verhaftung

Faizullah Jalal, ein Universitätsprofessor und politischer Analytiker aus Afghanistan, wurde von den Taliban in seinem Haus in Kabul verhaftet und vier Tage lang festgehalten. Nach seiner Freilassung sagte er, er sei gut behandelt worden und habe sich nicht wie im Gefängnis gefühlt. Der Sprecher der IEA, Zabiullah Mujahid, sagte, man habe ihn verhaftet, weil er die Menschen gegen die IEA aufgewiegelt habe. Khaama Press

Stromversorgung

Das afghanische Breshna Sherkat (Stromversorgungsunternehmen) hat darüber informiert, dass aufgrund technischer Probleme der Stromimport aus Usbekistan nach Afghanistan um 60 % zurückgegangen ist. Der Mangel hat zu Stromausfällen in 16 Provinzen einschließlich Kabul geführt. Khaama Press

Journalist*innen

Der afghanische Journalistenverband hat mitgeteilt, dass 79 % der afghanischen Journalist*innen in der schlimmsten Lage sind. Weil sie ihre Arbeit verloren haben, gehen sie anderen Berufen nach, um zu überleben und Geld zu verdienen. Eine Auswertung der Stiftung zeigt:

  • Bis zu 75 % der Medienunternehmen haben aufgrund finanzieller Probleme geschlossen.
  • 91 % der afghanischen Journalist*innen sind mit ihrer Berufswahl zufrieden und 8 % sind unzufrieden.

An der Umfrage nahmen 462 Journalist*innen teil, darunter 390 Männer und 72 Frauen. Die Stiftung ruft die internationale Gemeinschaft und die IEA dazu auf, sich mit der wirtschaftlichen Situation der afghanischen Journalisten zu befassen. Khaama Press

Weniger Rechte für Frauen

Das Ministerium für Förderung und Laster und Vorbeugen von Laster hat folgende Anleitung herausgegeben: Taxifahrer dürfen Frauen, die den Hijab nicht tragen, nicht mitnehmen. „Frauen, die eine Strecke von mehr als 72 Kilometern zurücklegen, sollten nicht mitgenommen werden, wenn sie nicht von einem nahen männlichen Familienmitglied begleitet werden“, sagte am Sonntag der Sprecher des Ministeriums, Sadeq Akif Muhajir .

Später kam hinzu, dass Frauen in der Werbung auf Bäumen und Wänden in ganz Kabul einen Hijab tragen müssen.

„Auf der Grundlage der Scharia muss eine muslimische Frau den Hijab tragen, weil dies ein Gebot der Scharia ist.“ Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass Frauen immer noch nicht im Kabinett der IEA vertreten sind. Und Mädchen dürfen keine höheren Schulen und Universitäten besuchen. Khaama press/ France 24

Schlechte Gesundheitsversorgung

Der internationale Rettungsausschuss hat in einem aktuellen Bericht davor gewarnt, dass bis zu 90 % der Gesundheitszentren in Afghanistan bis Ende 2022 geschlossen werden könnten. Das Komitee hat auch davor gewarnt, dass Millionen von Afghanen ohne Gesundheitsversorgung dastehen werden. Weitere Millionen könnten ihr Leben verlieren, wenn die derzeitige wirtschaftliche und politische Situation anhält.

Er schätzt, dass bis Ende 2022 bis zu 97 % der Bevölkerung des Landes vom Hungertod bedroht sind. Das WFP hat die internationale Gemeinschaft aufgefordert, den Gesundheitssektor durch die Bereitstellung von Hilfsgütern zu unterstützen. Laut WFP benötigt man bis zu 2,6 Milliarden Dollar, um die 23 Millionen Afghanen zu ernähren, die vom Hungertod bedroht sind. Die Armut in Afghanistan ist erschreckend, da vor allem Lehrer und Bauarbeiter in Gefahr sind. Tolo News

Selbstmordattentäter in der künftigen Armee

Die IEA haben erklärt, dass sie ein spezielles Bataillon von Selbstmordattentätern aufstellen werden. Dieses wird Teil ihrer künftigen Armee sein, da sie zu den Spezialkräften gehören und dem Verteidigungsministerium unterstellt sein werden. Und man werde sie bei Spezialoperationen einsetzen. Tolo News

Mangel an Fachkräften

Die New York Times berichtete, dass die IEA mit einem Mangel an Fachkräften zu kämpfen hat, da viele der Regierungsbeamten Absolventen der Darul Uloom Haqaani Madrasas sind. Und damit verfügen sie nicht über die für die Arbeit erforderlichen technischen Fähigkeiten. Die IEA bestreitet diesen Bericht der New York Times jedoch. Tolo News

Frauenproteste

In den vergangenen Monaten haben Frauen mehrmals in Kabul protestiert. Sie fordern Arbeitsplätze und eine Vertretung in der Regierung. Einige der Frauen arbeiteten in der Unabhängigen Kommission für Verwaltungsreform und im öffentlichen Dienst. Sie verloren jedoch ihre Arbeitsplätze, nachdem die IEA an die Macht kam. Sie behaupten, dass 28 % der aktiven Mitarbeiter*innen der Regierungsbehörden durch den Sturz der vorherigen Regierung großen Schaden erlitten haben. Bei der Demonstration veröffentlichten sie eine Resolution mit 5 Punkten:

1. Arbeitserlaubnis für weibliche Angestellte

2. Einbeziehung von Frauen in die Entscheidungsgremien der Regierung

3. Erarbeitung einer Politik zur Förderung der Rechte von Frauen

4. Beibehaltung von Posten, die von Frauen besetzt waren

5. Sicheres Umfeld für Frauen. Bakhtar News

Ergebnis des Wirtschaftsgipfels

Auf dem Wirtschaftsgipfel am Mittwoch, dem 19. Januar, nahmen 8 internationale Organisationen und Vertreter von 20 Ländern sowie 40 weitere Länder über Zoom teil. Die IEA erzielten eine Einigung mit den Beteiligten in vier Bereichen:

Wiederaufnahme nicht abgeschlossener Entwicklungsprojekte, die Aufhebung der Beschränkungen für das Bankensystem, die Unterstützung des Privatsektors und Überzeugung chinesischer Händler, in Afghanistan zu investieren. Bakhtar News

Treffen in Oslo

Vom 23. bis 25. Januar traf die IEA-Delegation in Oslo mit Mitgliedern der afghanischen Zivilgesellschaft sowie mit Sonderbeauftragten der USA und der EU zusammen. Im Mittelpunkt des Treffens standen die humanitäre Krise und die Menschenrechtslage in Afghanistan (insbesondere die Rechte der Frauen). Weiterhin ging es um die Freigabe der eingefrorenen Vermögenswerte, die Streichung der Namen der Mitglieder von der schwarzen Liste und die Ausweitung der Beziehungen. 8am.af

Entlassungen im Gesundheitswesen

Die IEA hat alle Direktoren des öffentlichen Gesundheitswesens in 34 Provinzen entlassen. In dem an sie gerichteten Schreiben heißt es, dass sie kein Gehalt und keine Privilegien erhalten und nicht befugt sind Dokumente zu unterzeichnen. Grund dafür waren die neue Entwicklungen und Eroberungen. 8am.af

Einschränkung der bürgerlichen und persönlichen Freiheiten durch die Taliban

Quellen bestätigen, dass die Taliban 73 Personen, die nicht an den Gemeindegebeten teilgenommen haben, mit einer Geldstrafe von 500 Afghanis belegt haben. Man sagte ihnen, dass man täglich fünf Gebete in der Gemeinde verrichten muss. 8am.afa

Über die Ereignisse im Dezember könnt ihr hier lesen

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