Neues aus Afghanistan: Dezember

Afghanistan unter der Macht der Taliban. Wie ist der aktuelle Stand? Unsere Autorin fasst in unserer monatlichen Kolumne die wichtigsten Ereignisse des letzten Monats zusammen.

Neues aus Afghanistan: Februar 2021

Unterwegs mit dem amtierenden Außenminister der IEA

Der amtierende Außenminister der IEA Mawlavi Amir Khan Muttaqi reiste an der Spitze einer Delegation von Kabul nach Islamabad, um an einer Konferenz der Organisation für Islamische Zusammenarbeit teilzunehmen. Das Treffen fand am 19.12. statt. Neben den Mitgliedern der OIC, den USA, Russland, China, Großbritannien, der EU und der Weltbank waren auch Vertreter der Hilfsorganisationen eingeladen, die der UN angeschlossen sind. Bakhtar News

Außerdem traf er mit dem iranischen Außenminister Hossein Abdollahian zusammen. Dabei sprachen sie über die aktuellen Beziehungen zwischen den beiden Ländern in den Bereichen Sicherheit, humanitäre Hilfe, Handel, Wirtschaft und Politik. Bakhtar News

Auf der OIC-Tagung zu Afghanistan in Islamabad traf Muttaqi den UN-Generalsekeretär Martin Griffiths. Bei ihrem Treffen dankte FM Mutaqi der UNO für die humanitäre Hilfe für Afghanistan und forderte Entwicklungshilfe und Soforthilfe. Bakhtar News

Zu guter letzt traf der Außenminister der IEA mit dem turkmenischen Außenminister Wafa Khadzhiev zusammen. Muttaqi dankte Turkmenistan für die Bereitstellung humanitärer Hilfe und erörterte die bilateralen Handels-, Wirtschafts- und politischen Beziehungen. Bakhtar News

Frauenrechte

Die Regierung hat die Stadtbezirke angewiesen, alle Fotos von Frauen auf den Schildern von Geschäften und Geschäftszentren in Kabul zu entfernen. Die Besitzer von Schönheitssalons kritisierten die Entscheidung der IEA. Da es sich bei den meisten Inhaberinnen von Schönheitssalons um Frauen handelt, die die einzigen Ernährerinnen ihrer Familien sind, befürchten sie, dass die Regierung ihre Geschäfte in den nächsten Tagen schließen wird. Die internationalen Organisationen haben die IEA wiederholt aufgefordert, die Frauen in der Gesellschaft nicht zu ignorieren.  Tolo News

Anschlag vor Passbehörde

Das Innenministerium teilte in einem Tweet mit: „Ein Anschlag vor der zentralen Passbehörde in Kabul wurde verhindert. Heute Nachmittag wurde ein Angreifer, der versuchte, in die Zentrale Passbehörde einzudringen, vom Sicherheitspersonal der Zentralen Passbehörde ausgeschaltet. Niemand wurde bei dem Angriff getötet oder verletzt.“ Tolo News

Medien in Afghanistan

Seit dem Sturz der früheren Regierung sehen sich die Medien in Afghanistan mit Herausforderungen konfrontiert. Diese haben dazu geführt, dass 40 % der afghanischen Medien geschlossen wurden.  Wie aus einer von RSF und AIJA durchgeführten Umfrage hervorgeht, haben 80 % der Reporterinnen ihren Arbeitsplatz verloren.

„Seit dem 15. August mussten insgesamt 231 Medienunternehmen schließen und mehr als 6.400 Journalisten haben ihren Arbeitsplatz verloren. Am stärksten betroffen sind weibliche Journalistinnen, von denen vier von fünf nicht mehr arbeiten“, heißt es in der Studie. RSF und AIJA erklärten, dass neue Beschränkungen für Medienunternehmen und Reporterinnen sowie wirtschaftliche und finanzielle Herausforderungen die Hauptgründe für die Schließung von Medienunternehmen und die Arbeitslosigkeit von Reporterinnen sind.  Tolo News

Gewalt gegen Journalisten

Am 20. Dezember 2021 hat die nationale Journalistengewerkschaft Afghanistans von mindestens fünf Gewaltvorfällen  gegen Journalist*innen berichtet.  Die Fälle wurden in den Provinzen Kabul, Balkh, Takhar und Kunduz registriert. Tolo News

Humanitäre Hilfe

Der Sicherheitsrat hat am Mittwoch einstimmig eine Resolution verabschiedet, die den Weg für die Hilfe an die Afghanen frei macht, die dringend auf grundlegende Unterstützung angewiesen sind. „Gleichzeitig verhindert sie, dass Gelder in die Hände der Taliban gelangen“, so die UN. Die Resolution ermöglicht die Weiterleitung der humanitären Hilfe nach Afghanistan, ohne von den Sanktionen betroffen zu sein. Auch die IEA begrüßte die Resolution. Tolo News

Konkurs

Beamte der afghanischen Industrie- und Bergwerkskammer erklärten auf einer Pressekonferenz, dass der Mangel an Bargeld und das Einfrieren von Vermögenswerten durch die USA ihre Fabriken in den Konkurs getrieben haben.  Khaama Press

Vertreibung und Auswanderung

Einem Bericht der UN und der IOM zufolge, wurden zwischen dem 11. und 21.November 2021 über eine halbe Million Menschen in Afghanistan aufgrund der Konflikte und der unsicheren Lage vertrieben. Über 1,46 Millionen afghanische Flüchtlinge ohne Papiere wurden im Jahr 2021 aus dem Iran und Pakistan zurückgeführt. Andererseits sind in den letzten 100 Tagen seit der Machtübernahme durch die Taliban auch Hunderttausende Afghanen in den Iran, nach Pakistan, in die Türkei, nach Indien, Europa, England, in die USA und nach Kanada ausgewandert. Khaama Press

UNICEF warnt

UNICEF hat darauf hingewiesen, dass im Jahr 2022 eines von zwei Kindern unter fünf Jahren aufgrund der Nahrungsmittelkrise und des schlechten Zugangs zu Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygienediensten unterernährt sein wird.  „Kinder in ganz Afghanistan sind aufgrund der tödlichen Kombination  aus zunehmender Unterernährung, einer beispiellosen Nahrungsmittelkrise, Dürre, Unterbrechungen lebenswichtiger Gesundheits- und Ernährungszentren, fehlendem Zugang zu und schlechter Qualität von Wasser und sanitären Einrichtungen sowie lähmendem Winterwetter zunehmend anfällig für Krankheiten“, so UNICEF in einem aktuellen Bericht. Tolo News und Bakhtar News

Die Zusammenfassung der Ereignisse im November kannst du hier lesen.

Sahar Reza
Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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Sahar Reza
Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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