Nachrichtenüberblick KW2/22

Es gibt Neuigkeiten – und zwar so viele, dass man kaum hinterher kommt. Deshalb sammeln wir für dich alles Wichtige zum Thema Migration und Flucht. In dieser Woche geht es in den Nachrichten unter anderem um Familiennachzug, Asylanträge und das Neujahr der Imazighen.

Nachrichten Migration

Nachrichten aus Deutschland…

Beginn IS-Prozess in Hamburg

Am Mittwoch startete in Hamburg ein Staatsschutzverfahren gegen eine mutmaßliche IS-Rückkehrerin. Sie wird wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung in mehreren Fällen und Kriegsverbrechen angeklagt. Weitere Anklagepunkte sind die Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht sowie fahrlässige Tötung. Die Verteidigung versucht das Bild einer Frau zu zeichnen, die selbst keine ideologischen Interessen hatte sondern lediglich mit ihrem Mann zusammen sein wollte, der bereits 2015 als Söldner zum IS nach Syrien gegangen sein soll.

 

Corona betrifft vor allem ausländische Menschen

Eine Studie zeigt auf, dass nicht nur ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen einer höheren Gefahr ausgesetzt sind. Auch Eingewanderte und rassifizierte Personen sind überdurchschnittlich oft an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Das ist überraschend, denn ausländische Staatsangehörige sind im Durchschnitt jünger als Einheimische. Als Gründe für die erhöhte Übersterblichkeit nennen die Autor*innen der Studie die Lebensbedingungen bei vielen Eingewanderten. Daten zum Migrationshintergrund oder zur Zugehörigkeit zu einer Minderheit von Gestorbenen werden bisher nicht erhoben.

 

Gedenkmarsch für Oury Jalloh 

Letzte Woche jährte sich zum 17. Mal der Todestag Oury Jalloh, der in einer Dessauer Polizeizelle starb. Der Polizei wird vorgeworfen, den gefesselten Jalloh mit Benzin übergossen und angezündet zu haben. In Gedenken an die Tat und mit Forderungen für weitere Ermittlungen und Aufklärung kamen in Dessau mehere Tausend Menschen zusammen und liefen bei dem Protestzug mit. Die Umstände des Todes sind bis heute unklar. Nach offizieller Behördenversion soll er sich im Keller des Polizeireviers, an Händen und Füßen gefesselt, auf einer feuerfesten Matratze selbst angezündet haben.

 

Anteil für Familiennachzug wurde nicht vollständig genutzt

Geflüchtete mit subsidiären Schutzstatus haben in Deutschland die Möglichkeit auf Familiennachzug. Der Anteil der tatsächlichen Familiennachzüge an der Zahl der realisierbaren Familiennachzüge liegt bei weniger als der Hälfte. Das bedeutet, dass von 12.000 Visa, die ausgestellt werden können, lediglich 5.934 Visa ausgestellt wurden. Zwischenzeitlich wurde das Recht auf Familiennachzug für Geflüchtete mit subsidiären Schutzstatus ausgesetzt. Die neue Regierungskoalition möchte das nun wieder ändern.

 

Kampagne gegen Antisemitismus 

In Berlin startet nun eine neue Kampagne um Menschen für antisemitische Vorfälle zu sensibilisieren. Die Kampagne richte sich bewusst nicht an Betroffene, sondern an Zeug*innen antisemitischer Vorfälle. Dazu gehören vier Plakatmotive, die als Großplakate und in den sozialen Medien gezeigt werden sollen, als auch Materialien für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit. Geplant ist auch eine Kampagne zu antimuslimischem Rassismus.

 

Kino Asyl Festival

Noch bis zum 21.01. läuft das Online Festival “Kino Asyl”. Ausgewählt und kuratiert sind die Filmbeiträge von jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung. Neben einem bunt gemischten Filmprogramm mit Filmen aus aller Welt, bietet das abwechslungsreiche Rahmenprogramm auch ein exklusives Kinderprogramm. Das Programm findet ihr hier.

 

190.000 Asylanträge 

In Deutschland wurden im Jahr 2021 rund 190.000 Asylanträge gestellt, eine so hohe Zahl gab es seit fünf Jahren nicht mehr. Dass die Zahlen so steigen hat verschiedene Gründe, unter anderem die Machtübernahme durch die Taliban und die Migrationsroute über Belarus. Die meisten Menschen, die einen Asylantrag stellen, kommen aus Syrien, aber auch der Anteil von Menschen aus Afghanistan ist gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden 21,4 Prozent aller Asylanträge abgelehnt.

 

Äußerung zum Unwort des Jahres

PRO Asyl äußert sich nun zum Unwort des Jahres 2021: “Push Back”. Die Praxis bezeichnet das illegale Zurückdrängen von Migrant*innen an Grenzen. Neben einer Kritik der Sprache, äußerte sich PRO Asyl vor allem zu den realen unmenschlichen Bedingungen an den EU- Außengrenzen und fordert, dass das Unwort des Jahres dazu führen müsse. Das gewaltsame Zurückweisungen von Schutzsuchenden an Europas Grenzen müsse ein Ende haben.

 

… und der Welt

 

Leiche eines Kindes gefunden

In Folge des Untergang von Booten mit Geflüchteten in der Ägäis werden von den griechischen Behörden nun immer wieder Leichen entdeckt. Zuletzt auch die Leiche eines Kleinkindes. Bisher wurden 16 Leichen geborgen, viele Menschen werden noch vermisst. Die Zahl der Todesopfer könnte noch viel größer sein. Wegen der langen Fahrt über das Mittelmeer kommt es häufig zu Maschinenschäden oder Lecks auf den oft veralteten Booten, die Schleuserbanden den Menschen verkaufen. Wie viele Menschen dabei ums Leben gekommen sind, ist nicht bekannt.

 

Neues Camp für Geflüchtete in Bosnien 

An der bosnischen Grenze schlafen etliche Geflüchtete und Migrant*innen unter freiem Himmel, viele von ihnen halten sich in den Wäldern entlang der EU-Außengrenze auf. Im Winter ist es eisig kalt und die Menschen müssen bei Minusgraden draußen schlafen. Ein im November 2021 eröffnetes Camp hat die Situation zumindest ein wenig entschärft. Es bietet Platz für rund 1.300 Menschen, aktuell sind 345 Betten belegt. Viele würden die Unterkunftsmöglichkeiten im Camp nicht nutzen, da das Camp so weit weg von der Grenze ist. An der Grenze kommt es immer wieder zu illegalen Push-Backs und Gewalt von seiten der kroatischen Behörden.

 

Das Neujahr der Imazighen

Am 13. Januar begannen die Imazighen das Jahr 2972. Die Imazighen sind die Ureinwohner*innen Nordafrikas. Auf Deutsch bedeutet es so viel wie „freie Menschen“. Das Neujahr „Yennayer“ ist eines der ältesten Volksfeste, das die Imazighen seit der Antike in Nordafrika feiern. Imazhigen ist die Selbstbezeichnung der nordafrikanischen Bevölkerungsgruppe. Sonst werden sie als “Berber*innen” bezeichnet. Ihr Kalender ist ein alter, agrarischer Sonnenkalender.

 

Golden Globe für Michaela Jaé Rodriguez

Im Sommer 2021 schrieb Rodriguez bereits Geschichte, als sie als erste Transgender-Schauspielerin eine Emmy-Nominierung in einer Kategorie Hauptdarstellerin erhielt. Nun erhielt sie für ihre ihre Rolle als Blanca Evangelista in der Serie “Pose” zur Ballroom-Szene und deren Mitglieder im “Lower Manhatten”, im New York Ende der 80er und Anfang der 90er-Jahre.

 

83 Wochen ohne Unterricht

In Uganda konnten Kinder 83 Wochen nicht zur Schule gehen. Nach fast zwei Jahren Corona-Pause öffnen in Uganda wieder die Schulen. Trotzdem werden viele Kinder nicht zurück in die Schule kommen, da sie ihre Familien pandemiebedingt unterstützen müssen. Während die Schulen von staatlicher Seite geschlossen blieben, gründeten sich geheime verbotene Schulen. Geschätzt jedes dritte Kind kann nie wieder eine Schule besuchen. Auch, weil die Eltern sich die Schulgebühren nicht mehr leisten können.

Emma Bleck
Emma kommt aus Hamburg und hat dort “Kultur der Metropole” an der Hafencity Universität studiert. Seitdem ist sie kritische Alltagsforscherin und befasst sich mit machtkritischen Gesellschaftsanalysen. Sie liest gerne und interessiert sich für Sprachen, Feminismus und Migration. Nebenbei engagiert sie sich politisch.

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Emma Bleck
Emma kommt aus Hamburg und hat dort “Kultur der Metropole” an der Hafencity Universität studiert. Seitdem ist sie kritische Alltagsforscherin und befasst sich mit machtkritischen Gesellschaftsanalysen. Sie liest gerne und interessiert sich für Sprachen, Feminismus und Migration. Nebenbei engagiert sie sich politisch.

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