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Geburtsurkunden fehlen – was tun?

Anwältin Angelika aus unserem Team greift in in dieser Rubrik rechtliche Fragen auf. Heute geht es um eine Frage zur Einbürgerung von in Deutschland geborenen Kindern und die dafür nötigen Geburtsurkunden.

Frage:

Guten Tag,

ein Ehepaar aus Syrien lebt seit 30 Jahren in Deutschland. Sie sind bereits eingebürgert. Für die in Deutschland geborenen Kinder sollen sie zur Einbürgerung ihre Geburtsurkunden vorlegen, diese sind jedoch nicht vorhanden. Was ist zu tun?

Antwort

Lieber Ratsuchender,

ein Kind ausländischer Eltern erwirbt mit seiner Geburt in Deutschland neben der Staatsangehörigkeit der Eltern auch die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn ein Elternteil zum Zeitpunkt der Geburt seit acht Jahren rechtmäßig in Deutschland lebt und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt. Nach Vollendung des 21. Lebensjahres muss das Kind sich zwischen der deutschen und der ausländischen Staatsangehörigkeit entscheiden (Optionspflicht), es sei denn, es ist in Deutschland aufgewachsen oder es besitzt neben der deutschen nur die Staatsangehörigkeit eines anderen EU-Staates oder der Schweiz. Dieses Geburtsortprinzip gilt seit dem Jahr 2000.

In § 10 Staatsangehörigengesetz heißt es dazu u.a.:

(1) Ein Ausländer, der seit acht Jahren rechtmäßig seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat und handlungsfähig nach § 37 Absatz 1 Satz 1 oder gesetzlich vertreten ist, ist auf Antrag einzubürgern, wenn er….[…]

(2) Der Ehegatte und die minderjährigen Kinder des Ausländers können nach Maßgabe des Absatzes 1 mit eingebürgert werden, auch wenn sie sich noch nicht seit acht Jahren rechtmäßig im Inland aufhalten.

Wir wissen jetzt nicht, wie alt die Kinder des syrischen Ehepaares sind und wann die Eltern eingebürgert wurden. Aber eigentlich müssten die Kinder bereits die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, wenn die Eltern zur Zeit der Geburt bereits eingebürgert waren oder 8 Jahre rechtmäßig in Deutschland gelebt haben.

Die syrischen Eltern mussten doch bestimmt auch ihre Geburtsurkunden bei der Einbürgerung vorlegen. Dann müssen sie den Behörden bekannt sein. Sollten die Geburtsurkunden der Kinder gemeint sein, wäre es ausreichend einen Auszug aus dem Geburtenregister vorzulegen, wenn es keine Geburtsurkunden gibt.

Unsere Empfehlung wäre, sich nochmals mit der zuständigen Einbürgerungsbehörde (meistens die Ausländerbehörde) in Verbindung zu setzen.

Viel Erfolg!

Andere Kulturen und Menschen haben Angelika schon immer interessiert. Sie ist viel gereist und hat im Ausland gelebt. Als Rechtsanwältin ist sie auf Asyl- und Ausländerrecht spezialisiert. 2017 hat sie das Flüchtling-Magazin mit gegründet und ist seitdem für die Finanzierung und alle rechtlichen Aspekte zuständig. Bei kohero beantwortet sie die rechtlichen Fragen aus unserer Community. „kohero ist ein großartiges Medium für Geflüchtete und für Deutsche, um sich besser kennen zu lernen und die jeweils andere Kultur zu verstehen.“

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