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Falafel- Symbol für gesellschaftlichen Zusammenhalt

Mein Kalender hat mich am 11.06 erinnert, dass heute am 12.06 der Tag der Falafel ist. Wer hat als erster diese Speise gemacht? Das ist eine große Frage. Und was bedeutet sie für die Integration?

Foto: Daria Nepriakhina on Unsplash
Fotograf: Daria Nepriakhina on Unsplash

Hauptbestandteile

Die Hauptbestandteile der Falafel sind Bohnen oder Kichererbsen oder beides. Man weicht sie lange Zeit in Wasser ein. Dann gibt man Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie und gemahlenen Koriander dazu. Danach brät man sie in gekochtem Öl in Form von Tabletten.

Falafel war immer das Fleisch der armen Menschen. Das Korn (die Hauptzutat) hat Proteine. Die armen Menschen, woher ich komme,  haben schon vor langer Zeit für die Umwelt gekämpft und müssten vegetarisch sein. 

Man braucht nur ein großes Sandwich – Falafel, denn das ist genug für den ganzen Tag. Früher habe ich (wie die anderen Schüler auch) das oft mit in die Schule gebracht, weil dieses Sandwich auch lecker bleibt, wenn es kalt ist.

 Streit um die Falafel

Der Streit war zwischen Syrien, Palästina, Irak, Israel, und  Ägypten. Jedes Land wollte der Ursprung dieses Essens sein. 

Die Syrer bestanden darauf, dass es sich um ein authentisches (Shami-) Essen handelt, das mehr als viertausend Jahre alt ist und auf Kichererbsen und Gemüse basiert, nicht auf Bohnen. 

Die Palästinenser behaupteten auch, Falafel sei palästinensisch und wird in  Olivenöl gebraten. Ebenso behaupten Jemen und Irak, dass die Speise aus Mesopotamien stammt und die Libanesen, die es zusammen aus Kichererbsen und Bohnen hergestellt haben.

Der Streit um den Besitz von Falafel hörte bei diesen Ländern nicht auf.

Israel behauptete, dass diese Speise ihnen gehöre. Sie begründeten ihr Argument damit, dass die ersten Juden in Ägypten diejenigen waren, die sie vorbereiteten, bevor sie in das „gelobte Land“ gingen. Damit waren sie noch nicht zufrieden. Deshalb gaben sie eine Briefmarke heraus, die das Bild der Falafel und der israelischen Flagge trug.

In Ägypten und im Sudan wurde es „taemia“ genannt, was eine Abkürzung für das Wort „taeam” auf deutsche “Essen“ ist. Die Menschen in Alexandria benutzen Falafel noch immer.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Falafel in Ägypten begann – eine Theorie besagt, dass koptische Christen sie vor etwa 1.000 Jahren geschaffen haben, eine andere, dass sie auf die Zeit der Pharaonen zurückgeht.

Die Kraft der Falafel

Das Wort Falafel wurde in vielen anderen Sprachen globalisiert und als Name für dieses Essen auf der ganzen Welt verbreitet. Auf Englisch wurde es erstmals 1941 dokumentiert. Das Wort verbreitete sich und wurde in anderen Sprachen wie dem persischen ” Pilpil”verwendet.

In Deutschland gibt es Falafel seit Ender der 80er Jahre. Vielleicht haben es Palettier oder Libanesen, die vor dem libanesichem Volkskrieg in den 80er Jahre nach Deutschland geflüchtet sind, bekant gemacht. Sie öffneten Restaurants. 

Aber es ist nicht wichtig, wem die Falafel gehört. Es gehört zur menschlichen Zivilisation. Dieses Essen verbindet uns:  Falafel = Multikulti. Wie das Christentum und das Judentum, Geflüchtete aus Mittel- Ost, die hier die Leitkultur mitmachen können. Denn nur Multikulti macht die Leitkultur.

Die Reichen, die Armen, die Geflüchteten, die Bio-Deutschen, die aus dem Westen, die aus dem Osten, die Jungen, und vielleicht sogar die Alten (obwohl in meiner Erfahrung nicht alle Senioren neue Sache probieren mögen, egal woher sie kommen): Das ist die Kraft der Falafel: Sie hat ihre Wurzeln auch in die Erde der deutschen Kultur gepflanzt. 

Hussam studierte in Damaskus Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen. Parallel dazu arbeitete er als schreibender Journalist. Seit 2015 lebt er in Deutschland. Er ist Gründer und Chefredakteur von kohero. „Das Magazin nicht nur mein Traum ist, sondern es macht mich aus. Wir sind eine Brücke zwischen unterschiedlichen Kulturen.“
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