Es geht nicht um Dankbarkeit

Meine Gefühle würden viele verletzen, die es nicht verdient haben. Die jeden Tag kämpfen und jeder dargebotenen Hand dankbar sind.

Photo von Babette Hnup
Fotograf: Babette Hnup

Aber es geht nicht um Dankbarkeit. Es geht um den respektvollen Umgang miteinander, nicht zu verwechseln mit Akzeptanz. Akzeptanz ist ein sich über den anderen stellen: „Du hast eine Eigenart, die mir nicht gefällt, aber ich akzeptiere dich.“ Das ist mir zu wenig. Alle Menschen sind Menschen. Als Mensch sollte man Menschen nicht akzeptieren, sondern respektieren, sie achten wie sich selbst. Egal woher jemand kommt, welche Vergangenheit er hat, alle Menschen haben die gleichen unterbewussten Träume und Wünsche. Man möchte in Frieden leben, seine Liebsten nicht verlieren, gesund bleiben, glücklich und ohne Ängste in die Zukunft blicken…

Ich verstehe die Welt und die Menschen nicht mehr
Wenn nur jeder sich dieses bewusst machen würde, gäbe es weniger zwischenmenschliche Probleme. Aber zu viele schauen nur darauf, wer am meisten zu bieten hat. Wir befinden uns in einer Zeit, die mir Angst macht. Ich verstehe die Welt und Menschen nicht mehr. Ich suche und weiß nicht, wonach. Weil es mich unendlich traurig macht, wie selbst Menschen, die augenscheinlich alles verloren haben, so wenig Demut an den Tag legen und Menschen wie Gegenstände austauschen, um den eigenen, stetig steigenden Ansprüchen gerecht zu werden. Desillusioniert hat mich, dass es Ansprüche sind, durch die Kinder in anderen Ländern verhungern müssen. Diese Rücksichtslosigkeit und permanente Forderung nach immer mehr ist katastrophal. Selbst dem Grauen entronnen ist der Mensch noch in der Lage über Leichen zu gehen, seine Familie zu verkaufen, nur um seinen Status Quo verbessern zu können.
Es gab eine Zeit, in der mein Herz schwer war, ich nachts oft nicht schlafen konnte. Eine Zeit, in der ich meine Arbeit vernachlässigte, um etwas zu tun, zu helfen. Jahre, viele Jahre. Auch jetzt noch. Und ich spüre, daran zu zerbrechen. Nicht, weil es über meine Kräfte geht. Es macht mein Herz kaputt. Jetzt möchte ich nur noch jedes leidende Kind auf der Welt in den Arm nehmen und mich für die Erwachsenen entschuldigen, sie trösten, schützen.
Es tut mir leid, dass ich keine rosarote Geschichte erzählen kann. Es wird dem nicht gerecht, wie die Realität aussieht.  Es gibt Ausnahmen. Aber gefühlt werden die weniger. Sollte es einen Gott geben, bitte ich ihn, den Menschen zu zeigen, was sie mit dem Geschenk anrichten, das ihnen gegeben wurde: das Leben und die Liebe.

Wir alle brauchen Mut und Kraft

Fraglich ist, wer die Dinge richtig sieht. Es sind individuelle Sichtweisen, geprägt durch Eigenerfahrung und auch Einstellung (die wieder bedingt durch Erfahrung und Charakter oder mentale Verfassung recht fragil ist).
Ob es förderlich ist, meine Gedanken zu veröffentlichen? Mit niemandem aus meinem Bekanntenkreis oder Umfeld werde ich meine Desillusion teilen. Wir alle brauchen Mut und Kraft, Hoffnung, um positiv nach Vorne zu schauen. Egal, wie sehr das Innere zerfressen ist, Schweigen ist aus Rücksichtnahme und Vernunft der bessere Weg, um es anderen nicht noch schwerer zu machen. Einige befinden sich schon am Abgrund. Was würde bei denen solche Gedanken auslösen?
Wie auch immer die eigenen Gefühle und Gedanken sind, an erster Stelle steht die Verantwortung.
In Ihnen habe ich das Gefühl, einen starken Menschen gefunden zu haben, dem beide Seiten bekannt sind. Und die „Anonymität“ hilft zu überbrücken. Dafür, dass Sie sich die Zeit nehmen, es zu lesen, bin ich sehr dankbar. Sie helfen mir damit sehr.

Heute heißt es wieder „Kopf hoch und lächeln“, obwohl man wahlweise weinen oder sich zurückziehen möchte. Aber 2 Brüder haben sich lange nicht mehr gesehen und so setzt man sich ins Auto, um beide für kurze Zeit zusammenzubringen.
Mehr kann man leider nicht tun. Und einen Tag später: kein Danke. Weder für die  600 km Fahrt, nicht für das bemühende Gespräch mit dem Betreuer des Bruders, noch für das Geld oder Smartphone und schon gar nicht für die Gedanken. Selbstverständlichkeiten, für die man kein überschwängliches Danke möchte. Nur ein kleines Lächeln, ein klein wenig Achtung. Ich möchte nicht die anschliessenden, teils verletzenden, Reaktionen und Sticheleien ausführen. Zurück bleibt die Frage: Warum machst du das? Es ist einer der Fälle, die unter anderem meine Ratlosigkeit und Desillusion speisen.

Die Ausnahmen lassen mich weiter machen
Natürlich, es gibt Ausnahmen. Wenn auch in Relation gering, lassen sie mich weitermachen. Mir wurde schon gesagt, ich wäre dumm, weil ich trotz der negativen Erfahrungen weitermache, auch weil ich genau den Menschen weiterhelfe, die nicht nur undankbar sondern respektlos und anmassend mir gegenüber sind.
Die Hoffnung, dass eine gute Tat mehr bewirkt als schlechte und die Menschen dadurch irgendwann in ihrem Leben Achtung vor anderen lernen, sind wahrscheinlich der Motor. Aber, egal, ob der andere eine Frau ist, eine andere Nationalität hat, ungläubig oder unwissend ist. Respekt und Achtung ist keine Einbahnstraße, dann klappt es auch mit der Integration. Zum Thema Integration: dieses Wort und die Grundgedanken zum Thema finde ich irreführend und nicht förderlich. Wer in einer Gesellschaft, Kultur leben möchte, der muss sich nicht integrieren und muss auch nicht integriert werden. Er wird automatisch Teil der Gesellschaft. Willkommener wären mir individuelle Förderungen, die nicht jeden Tag in der Öffentlichkeit hochgepriesen werden müssen, um sich als Gesellschaft selbst zu profilieren.
Wie gesagt, es sind alles Menschen. Als solcher sollte man sich gegenseitig respektieren und nicht, als hätte der andere irgendeine Krankheit oder eine sich selbst ausgrenzende Erscheinung.

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