Einer für alle. Alle für einen: Vom Pferd, das keine Hilfe wollte

Foto: Eugenia Loginova

Das schöne braune Pferd wollte niemandem helfen und brauchte auch keine Hilfe. Doch eines Tages wurde es krank.

Es war einmal ein schönes braunes Pferd, das einen großen Bauernhof hatte. Jedes Jahr pflanzte es ganz allein Gerste an. Es jätete täglich Unkraut. Wenn die Gerste reif war, erntete es sie allein, ohne Freunde um Hilfe zu bitten.
Eine Kuh war seine Nachbarin. Sie besuchte eines Tages das Pferd und sagte: „Mein lieber Freund, ich verstehe nicht, dass du alles allein machst und du nicht um die Hilfe deiner Freunde bittest. Wir alle brauchen doch die Hilfe des anderen.“

Das Pferd lachte und sagte: „Das Motto meines Lebens ist, dass niemand mir weder helfen noch mich um Hilfe bitten soll.“
Die Kuh antwortete: „Jetzt erzähle ich dir mal die Geschichte einer Ameise. Die findet eine kleine Weizenblume, die sie allein aber nicht transportieren kann. Und so muss sie die anderen Ameisen um Hilfe bitten. Die Ameise kann so mit den anderen Ameisen zusammen die Weizenblume in den Ameisenhaufen bringen. Und sie bedankt sich: „Jede harte Arbeit ist einfach, wenn man zusammen arbeitet.“

Das Pferd lachte und kümmerte sich nicht weiter um die Worte seiner Nachbarin.
Die Kuh sagte: „Du wirst niemandem zuhören, aber ich bin sicher, dass du bereuen wirst, was du gesagt hast. Denn eines Tages wirst du die Hilfe deiner Freunde brauchen, und ich werde dich an diese Worte erinnern.“

Das Pferd bat weiterhin niemanden um Hilfe, aber dann wurde das Pferd plötzlich krank und konnte sein Gerstenfeld nicht abernten. Wegen dieser Krankheit fühlte das Pferd eine große Gefahr: wenn die Ernte nicht während dieser Zeit beginnt, könnte es einen starken Sturm geben, der die Gerstenzweige knickt und bricht. Aber sein Stolz erlaubte es ihm nicht um Hilfe zu bitten. Aber da es keine andere Lösung sah, beschloss es schließlich, seinen Stolz zu überwinden und seine Freunde um Hilfe zu bitten. Denn wenn es nicht um Hilfe bitten würde, würde es alle Lebensfreude verlieren und vielleicht sogar sein Leben, denn wenn es keine Gerste erntete, müsste es verhungern.

Als seine Freunde erfuhren, dass das Pferd krank war, besuchten sie es regelmäßig und fragten, wie es ihm ginge. Sie sahen, dass die Gerste geerntet werden musste und sie sahen auch, dass das Pferd wegen seiner Krankheit zu schwach dafür war. So haben sie alle zusammen die Ernte eingefahren. Das Pferd fühlte Reue und große Dankbarkeit und entschuldigte sich bei allen, es sagte: „Vielen Dank. Ich habe das Leben falsch verstanden, aber ich verstehe jetzt, dass das Leben schön ist mit Freunden, die einem helfen.“

Die Kuh war sehr glücklich, dass das Pferd seine Meinung geändert hatte. Nach einer Zeit war das Pferd wieder gesund, und von da an konnte  jeder es um Hilfe bitten und es selbst schämte sich nicht mehr, um Hilfe zur bitten.

Diese Geschicht wurde mit Almut Scheller-Mahmoud im schreibtandem geschrieben.

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Schlagworte

Freund*in Hilfe Krankheit

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