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Die Kunst der Stereotype

In der Grundschule wird Linas Schüchternheit als Sprachbarriere ausgelegt – und sie in den Deutschförderunterricht geschickt. In dieser Ausgabe von „Salam und Privet“ schreibt sie über Stereotype in der Schule.

Fotograf*in: Albert Stoynov auf unsplash

Wer einen beliebigen Menschen nach Erinnerungen aus seiner Grundschulzeit fragt, der wird wahrscheinlich keine besonders tiefgehende Antwort bekommen. Womöglich kommen Erinnerungen an die ersten Freundschaften, an die leckere Käsebrezel im Pausenkiosk, oder die ersten erbitterten Versuche, die Absurdität der Mathematik zu begreifen, hoch.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich in der ersten Klasse auf Wunsch meiner damaligen Klassenlehrerin in den Deutschförderunterricht geschickt wurde. Dieser fand einmal die Woche mittwochmorgens, wenn alle anderen noch keinen Unterricht hatten, statt, und sollte Kindern aus „ausländischen Haushalten“ dabei helfen, besser und vor allem richtig Deutsch zu sprechen. Da ich mich im Unterricht nicht sonderlich aktiv beteiligte, ging meine Lehrerin konsequenterweise davon aus, dass dies an einer Sprachbarriere liegen müsse. Folglich entschied sie sich dafür, mir mit dem zusätzlichen Förderunterricht unter die Arme zu greifen, damit ich mich zukünftig in höherem Ausmaß beteiligen könne und meinen deutschen Mitschüler*innen nicht unterliege.

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Lina Salaie
Lina lebt seit ihrer Geburt zwischen zwei Welten. Zuhause schwebt sie zwischen Ostblock und Orient – draußen tanzt sie im deutschen Großstadtdschungel. Was anfangs wie eine Nachteil schien, ist heute ihre größte Stärke. In ihrer Kolumne „Salam und Privet: Das Leben zwischen zwei Welten“ lädt sie euch auf einen Çay ein, diese Welt zu erkunden.
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Lina Salaie
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