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Der Hijab muss kein Hindernis sein – ein Zeichen für Selbstbewusstsein.

Das Tragen eines Hijabs sorgt immer wieder für spannende Diskussionen und provoziert Vorurteile. Unsere Autorin Shilan Ahmad kommt aus Syrien und lebt seit einigen Jahren in Deutschland. Sie stellt uns in ihrem Artikel ihre Einstellung dazu dar.

Shilan Akan
Fotograf: Privat

Ich bin der Meinung, dass jede Frau das Recht hat, frei zu leben und die Kleidung zu tragen, in der sie sich wohl fühlt. So gibt es Muslimas, die ein Kopftuch tragen, und Muslimas, die ihre Haare lieber offen tragen. Was mich betrifft: Ich trage meinen Hijab mit voller Überzeugung und Freiheit.

Kleiderordnungen gibt es in vielen Fällen

Kleiderordnungen, die bestimmte Kleidungsstile vorschreiben, gibt es für viele verschiedene Anlässe. Zum Beispiel gibt es Berufe mit Kleiderordnungen gegen die niemand Einwände erhebt. Sogar die britische Königsfamilie stellt Kleidungsanforderungen an alle ihre Mitglieder. All diesen Vorgaben widerspricht niemand. Wenn es allerdings um eine Religion geht, die auch bestimmte Bedingungen für die Kleidung von Frauen festlegt, einschließlich der Pflicht zum Tragen des Schleiers, lehnen viele Menschen diese Regeln ab. Sie denken sofort an Unterdrückung und Unfreiheit. Als Muslima habe ich diese Religion jedoch angenommen und ich werde alle ihre Bedingungen mit voller Überzeugung und offenen Armen akzeptieren.

Wie ich aufgewachsen bin

Ich bin eine selbstbewusste, syrische Frau, die in einer konservativen kurdischen Familie in einer kurdischen Gemeinde geboren und aufgewachsen ist. Als ich jung war, sah ich, wie meine älteren Schwestern den Schleier mit voller Überzeugung und ohne Druck trugen. Der Schleier hinderte sie nicht daran, das Studium abzuschließen und einer Arbeit nachzugehen. Also wusste ich, dass ich den Schleier eines Tages so tragen würde wie sie mit all meiner Zufriedenheit und meinem Glück. Meine Eltern lehrten uns, dass der Hijab eine Auszeichnung für uns ist und niemals ein Hindernis für die Erreichung unserer Ziele sein wird.

Als ich fünfzehn Jahre alt war, kam der Moment, auf den ich gewartet hatte. Ich zog meinen Hijab an und war stolz auf mich. Ich absolvierte mein Abitur und fühlte in keinem Moment, dass mein Hijab mich daran hindern könnte, meine Ziele zu verwirklichen. Dazu kommt, dass die syrische Gesellschaft, in der ich damals lebte, nicht so ist, wie in den deutschen Medien berichtet wird. In den Medien hier wird das Tragen eines Hijabs als Symbol für die „Unterdrückung der Frau“ dargestellt. Dadurch wird ein schlechter Eindruck des Schleiers erweckt und viele Menschen glauben, dass eine verschleierte Frau nicht weltoffen ist.

Ich bin seit viereinhalb Jahren in Deutschland und studiere Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaft. Ich habe bereits viele Praktika in verschiedenen sozialen Einrichtungen gemacht und viele Deutsche kennengelernt. Als ich in Deutschland ankam, rieten mir jedoch viele Leute, den Hijab nicht zu tragen. Sie warnten mich vor seinen Nachteilen. Dass der Schleier in Deutschland oft Vorurteile provoziert, kann ich bestätigen.

Vorurteile über den Hijab

Meiner Erfahrung nach wird dem Hijab häufig mit Diskriminierung und Vorurteilen begegnet. Dies führt zu Chancenungleichheit im Beruf und im ganzen Leben, da man weniger Chancen bekommt, seine Fähigkeiten zu zeigen.
Die meisten westlichen Gesellschaften denken, dass arabische Gesellschaften Frauen unterwerfen, ihnen den Schleier aufzwingen, sie außer Sichtweite halten und sie daran hindern, zur Schule zu gehen oder die vielen „Freiheiten“ zu genießen, die Frauen im Westen genießen. Diejenigen, die behaupten, der Schleier einer Frau oder eines Mädchens stelle eine Einschränkung ihrer Freiheit dar und werde nur aus Rückständigkeit und alter Gewohnheit getragen, liegen jedoch falsch. Der Islam will Frauen nicht in ihren Rechten einschränken oder sie in ihrem Erfolg behindern. Der Hijab soll Frauen nicht ausschließen und von der Welt isolieren, sondern im Gegenteil! Die Wahrheit ist, dass der Islam sagt, dass Frauen aus der Sklaverei und aus einer minderwertigen Betrachtungsweise befreit sind, wenn sie Muslimas sind.

Ich weiß aus meiner Erfahrung in Deutschland, dass mich manche Leute wegen meines Kopftuchs verurteilen. Das sind aber nur wenige Leute, und ein großer Teil ist mir ohne Vorurteile begegnet. Ich wurde wegen meines Hijabs nicht schlecht behandelt, konnte meine Ausbildung hier machen und die deutsche Sprache lernen. Aber als verschleierte Frau möchte ich die Menschen ansprechen, die immer noch eine schlechte Vorstellung vom Schleier haben: Bitte verbinden Sie den Schleier nicht mit Übel, Terrorismus, Angst und Unterdrückung. Niemand sollte nach seinem Aussehen beurteilt werden. Zumal das Böse eines Menschen in Handlungen deutlich wird, nicht in seinem Aussehen. Niemand würde freiwillig ein Symbol des Bösen tragen.

Diese Text hat mit Margarethe Hoberg  in schreibtandem projekt geschrieben.

 

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This article is also published in Englisch hier:

Hijab is not an obstacle – it is a sign of self-confidence.

Shilan Akan
Shilan ist 24 Jahre alt und studiert Erziehungswissenschaft an der Universität Erfurt. Sie kommt aus Syrien und lebt seit 2016 in Deutschland. In ihrer Freizeit schreibt sie gerne Texte.
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Shilan Akan
Shilan ist 24 Jahre alt und studiert Erziehungswissenschaft an der Universität Erfurt. Sie kommt aus Syrien und lebt seit 2016 in Deutschland. In ihrer Freizeit schreibt sie gerne Texte.

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7 Antworten

  1. Wirklich sehr ein sehr schön geschriebener Arktikel. Ich finde es super das du dein Hijab mit Stolz trägst und es nicht wegen Vorurteilen mancher Menschen, lässt. Viel Glück und Erfolg deine Ziele zu erreichen.

  2. Respekt! Ein sehr schöner Artikel, danke, dass Sie Ihre Gedanken, Gefühle und Meinung über den Hijab mit uns geteilt haben. Ich hoffe, es wird von vielen Menschen gelesen, insbesondere, von denjenigen die solche Vorurteile gegen des Kopftuches haben, und hoffe auch, dass dadurch der Hijab und die Muslimas respektvoller angesehen werden.

  3. Gratulation vom Herzen und Hut ab!

    Genau das fehlt uns in Deutschland bzw. im Westen, sprich eine selbstbewusste Frau, die bereit ist über Ihre Erfahrungen auszutauschen, damit die Vorurteile abgebaut werden können. Ihr Selbstbewusstsein ist der erste Schlüssel hierfür.

    Leider kenne ich einigen Frauen, die in der Tat nicht mit Ihrem Selbstbewusstsein zu vergleichen sind, denn sie haben sich den gesellschaftlichen Druck untergeordnet, anstatt an sich selbst hart zu arbeiten, genau wie Sie es vorgemacht haben.
    Denn leider für oft hört man über die Frau mit Kopftuch, dass sie unzivilisiert, ungebildet und unterdrückt ungeachtet von ihrem Bildungsgrad wiederum, sobald die gleiche Frau ohne Kopftuch ist, dann fallen die Vorurteile sofort weg, denn sie gehörte dann zu den „Anderen!“

    Bravooo, Alles Gute und weiterhin viel Erfolg!
    بسم الله ماشاء الله ربي يحميك ويحفظك!

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