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Buchtipps – Geschichten von oder über Menschen mit Fluchtgeschichte

Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit neue Perspektiven verstehen zu lernen, als in den Worten eines anderen zu versinken. Deswegen stellen wir dir hier regelmäßig Bücher von oder über Menschen mit Fluchtgeschichte vor, die neue Blickwinkel auf unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben eröffnen. Diesmal dreht sich alles um Migration und Flucht als fester Bestandteil unserer Menschheitsgeschichte. Denn ein Blick in die Vergangenheit kann uns helfen die Fragen unserer Gegenwart zu beantworten.

Fotograf: kohero-magazin

Maria Alexopoulou – “Deutschland und die Migration. Geschichte einer Einwanderungsgesellschaft wider Willen”

Lange Zeit –  und zum Teil auch noch heute – hat Deutschland sich dagegen gesträubt ein Einwanderungsland zu sein. Doch die Historikerin Maria Alexopolou zeigt in ihrem Buch: Migranti*innen waren schon immer in der deutschen Gesellschaft präsent – ob  »Wanderarbeiter« aus Polen und Italien im Kaiserreich,  »Gastarbeiter« in der alten Bundesrepublik, oder die Schutzsuchenden aus aller Welt heute.

Ihr Werk soll zum einen ein neue Wahrnehmung von Deutschland und seiner Einwanderungsgeschichte schaffen und zum anderen mit dem Mythos aufräumen, dass es seit 1945 in Deutschland kein Rassismus mehr gibt. Die Autorin möchte dabei die Perspektive derjenigen einnehmen, “ … die längst dazugehören und dennoch immer wieder Ausgrenzung erfahren”. Der Rezensent, Robert Probst, schreibt in der Süddeutsche Zeitung: »Alexopoulou schreitet die Begegnungen der Deutschen mit Menschen aus anderen Ländern souverän ab […] und landet viele Treffer – vor allem, dass man heute Rassismus gern in rechtsextremen Milieus verortet und ihn somit marginalisiert. Rassismus bleibt aber ein Problem von vielen.«

Das Buch findest du hier beim Reclam-Verlag.

Andreas Kossert – “Flucht: Eine Menschheitsgeschichte“

“Jeder kann morgen ein Flüchtling sein”. Dieser Satz fühlt sich für den ein oder anderen vielleicht zunächst falsch an. Doch der Historiker Andreas Kossert legt in seinem neuesten Werk eindrucksvoll dar: Flucht ist nichts, was nur die “anderen” betrifft, sondern etwas, das zur Menschheitsgeschichte gehört.

Der renommierter Experte zum Thema Flucht und Vertreibung gibt einen welthistorischen Überblick über Fluchtbewegungen seit  Adam und Eva und zeigt warum es für Flüchtlinge und Vertriebene zu allen Zeiten so schwer ist, in der Fremde neue Wurzeln zu schlagen. Das Besondere für einen Historiker: der Autor lässt die Betroffenen ihre Geschichte von Flucht, Schmerz und Heimatsuche selber erzählen. Andreas Kossert wertet zahlreiche Briefe, Tagebucheinträge, Erinnerungen, Autobiografien, und Gedichte von Geflüchteten aus und gibt somit einen einmaligen Einblick in deren Lebensrealität. Der Journalist Arno Orzessek fasst in seiner Rezension auf Deutschlandfunkkultur.de zusammen: “Andreas Kossert sammelt in seinem neuen Buch die individuellen wie auch die allgemeinen Erfahrungen von Flüchtlingen über die Jahrhunderte. Der Historiker bringt sie all jenen nahe, denen eine Flucht erspart geblieben ist.”

Das Buch ist hier beim Siedler Verlag München erhältlich.

 

 

Diethelm Knauf – “Wo du leben willst, da gehe hin …”

Was ist die deutsche Identität eigentlich? Und was können wir von der deutschen Einwanderungsgeschichte für unseren zukünftigen Umgang mit Migration und Integration lernen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der studierte Anglist, Geschichts-und Politikwissenschaftler, Diethelm Knauf, in seinem neuesten Buch “Wo du leben willst, da gehe hin…”.

Die zahlreichen Texte, geschmückt mit Illustrationen, entführen die Leser*innen in eine Vergangenheit voller beschwerlicher Reisen und Neuanfänge in der Fremde. Der Blick in die Vergangenheit zeigt: Es gibt sehr viele Parallelen zwischen den Migrationsbewegungen und Debatten über Einwanderung in der Vergangenheit und heute. Im 19. und 20. Jahrhundert gab es zum Beispiel Auswandereragenten. Heute gibt es die kriminelle Weiterentwicklung: Schleuser.  Zurzeit steigt während der Pandemie wieder die Fremdenfeindlichkeit, vor allem gegen Asiat*innen. In Zeiten der mittelalterlichen Pest-Epidemien wurde dagegen “der Jude” für die Krankheit verantwortlich gemacht. Unterschiedliche Beschuldigte, aber dasselbe Muster: In Zeiten von Krisen muss “der Fremde” als Sündenbock herhalten.

Migration bleibt eines der wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen unserer Gegenwart. Deswegen möchte der Historiker mit seinem Buch nicht nur die Vergangenheit analysieren, sondern auch Lehren für die Zukunft ziehen.

Das Buch findest du hier bei Edition Temme.

 

Márta Fata – „Mobilität und Migration in der Frühen Neuzeit“ 

Was bedeutet Migration eigentlich?  Und aus welchen Gründen haben sich Menschen in der Vergangenheit auf die Suche nach einer neuen Heimat gemacht? Das Lehrbuch „Mobilität und Migration in der Frühen Neuzeit” widmet Márta Fata sich einem Forschungsgebiet, dass in der Vergangenheit viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat: die historische Migrationsforschung.

Angenehm verständlich und strukturiert bietet die Professorin eine prägnante Einführung in die theoretischen Grundlagen der Migrationsforschung. Dabei richtet sich das Lehrbuch nicht nur an Studierende, sondern an alle geschichtlich interessierten. Der Fokus des Werkes liegt auf der exemplarischen Vorstellung der verschiedenen Formen der Migration und Mobilität in der frühen Neuzeit. Ob  Migration aus religiösen Gründen, militärische Migration und Kriegsflucht, oder Siedlungsmigration, es wird klar, dass es schon immer eine Vielzahl an Gründen gab, warum Menschen ihr Zuhause verlassen haben. Auf Literaturkretik.de findest du eine ausführliche Rezension.

Das Lehrbuch findest du hier beim utb. Verlag.

 

Johann Hinrich Claussen – “Das Buch der Flucht: Die Bibel in 40 Stationen”

Ein Flüchtlingsbuch? So hast du die Bibel wahrscheinlich noch nie bezeichnet. Doch der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. Johann Hinrich Claussen, tut genau das. Im Vorwort seines neuesten Buchs erzählt er, wie es dazu kam. Als freiwilliger Helfer in seiner Kirche ist der Pastor das erste Mal mit Geflüchteten in den Kontakt gekommen ist. Eine Nacht lang half  er dabei, Suppe an die Neuankömmlinge auszuteilen. Den Tag dannach blättert er in seiner Bibel und sieht die Geschichten in einem ganz neuen Licht. Plötzlich erkennt er einen roten Faden, der die Bibel durchzieht, aber bisher von kaum jemanden wahrgenommen wurde: Die Bibel erzählt die Geschichte von “… Geflohenen, Vertriebenen, Deportierten, Ausgezogenen, Entkommenen, Heimatsuchenden, Migranten und Wanderern aus dem Morgenland”.

Angefangen bei der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies, erzählt Johann Hinrich Claussen ausgewählte Geschichten der Bibel nach und erklärt welche realen historischen Erfahrungen von Zerstörung, Flucht und Exil den Texten zugrunde liegen.

Das Buch ist hier beim C.H Beck Verlag erhältlich.

 

Mehr Artikel über Rezensionen findest du hier

Anna hat American Studies und Französisch in Mainz, Dijon und Sherbrooke (Québec) studiert. Sie liebt es zu reisen und neue Kulturen zu entdecken. Neben ihrem großen Interesse für interkulturelle Themen, begleitet sie schon immer eine Leidenschaft fürs Schreiben. „Es ist mein Wunsch, gesellschaftlich und kulturell relevante Themen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und die Geschichten von Menschen sichtbar zu machen, die wirklich etwas zu erzählen haben.“
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Anna hat American Studies und Französisch in Mainz, Dijon und Sherbrooke (Québec) studiert. Sie liebt es zu reisen und neue Kulturen zu entdecken. Neben ihrem großen Interesse für interkulturelle Themen, begleitet sie schon immer eine Leidenschaft fürs Schreiben. „Es ist mein Wunsch, gesellschaftlich und kulturell relevante Themen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und die Geschichten von Menschen sichtbar zu machen, die wirklich etwas zu erzählen haben.“

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