Auch bei der Belagerung war ich auf der Suche nach dir

Ich wünsche mir wirklich, ihn zu umarmen, aber das habe ich seit der Belagerung nicht mehr so oft getan... Eine Geschichte über die (Un-)Gleichheit von Frauen und Männern.

Fotograf*in: Lilly Josephine

Die männliche Kultur erfindet die Falle, die uns schon lange gestellt wurde und in die wir hineingefallen sind, immer wieder neu. Alles, was wir tun müssen, ist richtig hineinzufallen.

Das Patriarchart

Die Beziehung zwischen Mann und Frau als soziales Phänomen wird durch Institutionen und soziale, kulturelle und religiöse Strukturen repräsentiert, die die Vorherrschaft des Mannes verkörpern. Dieses Gefühl der siegreichen Vorherrschaft ist auf die Illusion der Vorherrschaft zurückzuführen und darauf, dass der fiktive Kampf um sie entscheidend gewonnen wurde.

In einem Film des schwedischen Regisseurs Ingmar Bergman bekennen sich die Schauspieler*innen zu einer Vielzahl von Sünden: die Sünde, auf die Welt gekommen zu sein, die Sünde, dass ein Kind im Körper einer Frau heranwächst, und schließlich die Sünde, dass diese Frau vielleicht stirbt, bevor sie Liebe findet. Während einer Belagerung ist eine Frau jedoch gleichzeitig verzweifelt und ängstlich. Sie muss dem Sturm entkommen, der sich „Krieg“ nennt, der all das Fleisch zerreißt und all die Frauen in ständiger Blutung zurücklässt.

Die Belagerung von Ghouta geht nun in ihr viertes Jahr. Keinem Bericht, keinem Programm und keiner Untersuchung dazu ist es gelungen, das wahre humanitäre Ausmaß des Leidens der Frauen zu vermitteln. Der bewusste, motivierte und aktive Mann, der hier hüpft, dort kämpft und sich weigert, nachzugeben, ist derselbe Mann, der vergessen hat, seine Geliebte zu umarmen. Der Mann, der sich an der Schulter seiner Mutter ausweint und seine Schwester umarmt, ist unfähig, seine Geliebte oder seine Frau auch nur mit einem Blick mit Zuneigung zu überschütten. Im Kern der Beziehung werden die Dinge anders.

Das Gewissen, Vorbewusstsein und Unterbewusstsein

Wie Freud einst feststellte, besteht die Psyche des Menschen aus drei Schichten: dem Gewissen, dem Vorbewusstsein und dem Unbewusstsein. Wenn sich die Wissenschaft mit dem Unbewusstsein befasst, findet sie Hinweise darauf, dass die tiefsten Winkel der Psyche eines Mannes im Umgang mit seiner geliebten Frau von Einschränkungen und einer komplexartigen Haltung geprägt sind. Die Frau, die ihn im Mutterleib großgezogen hat, ist in den tiefsten Tiefen seiner Seele zum Symbol des Todes geworden. Er würde für sie sterben, aber er würde sie nicht umarmen, während sie versucht, sich unter den anderen Frauen zu finden, die dieses belagerte Haus bevölkern: eine Mutter, Schwestern und Schwägerinnen.

Systematische Unterdrückung

Wir neigen dazu, Schmerz zu bevorzugen, auch wenn wir das Böse bekämpfen. Die Menschen neigen dazu, töricht zu handeln, wie wir es tun, wenn wir von so genannten höheren Motiven angetrieben werden. All diese Zerstörung kann nicht zufällig sein. Sie ist systematisch und zielt darauf ab, speziell Frauen zu töten. Daher klingen alle Erzählungen, die das Elend, die Armut, die Ablehnung und alle Arten von Ausgrenzung gegen Frauen abschwächen wollen, leer.

Frauen leben unter Belagerung und außerhalb davon. Sie leben ihr Leben in einem schweren Fall von „Exil“ in einer Welt, die sich jeden Tag mehr und mehr als ihr großes Gefängnis entpuppt. In dieser Welt sind die Frauen zu einer Ware für den Mann geworden, in einer Zivilisation, die für ihn bestimmt ist, und sie gelten als eines der wertvollsten und schönsten Güter. Das macht die Frauen zu Geschöpfen, die doppelt gemieden werden: erstens in der Welt der Männer und zweitens, wenn sie sich gemieden fühlen und sich nach Freiheit sehnen. Sie betrachten sich selbst und die Welt mit den Augen des Mannes, durch seine Vorstellungen und Erwartungen, als ob sie sich seinen Spiegel ausleihen würden, um sich selbst zu betrachten, nur um ein Gespenst zu sehen, von dem sie annehmen, dass es eine Frau ist.

„Ich werde nicht mehr nach dir suchen, denn du bist jetzt hier, hier.“

Der Mann mag einmal in einem Krieg sterben, den er begonnen hat und den er beenden kann, während sich der Tod einer Frau vervielfacht, da sie den Krieg nicht begonnen hat und ihn auch nicht beenden kann. Dennoch weint sie um einen Ehemann, einen Bruder, einen Sohn, einen Verwandten oder einen Geliebten. In einer Welt, die keine Belagerung kennt, wird eine Mutter ihre Kinder nicht in den Krieg schicken, und die einst belagerte Frau wird sagen: „Ich werde nicht mehr nach dir suchen, denn du bist jetzt hier, hier.“

Dieser Beitrag ist zuvor auf Englisch erschienen und wurde von Victor Elia Meuche übersetzt.

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Autorengruppe
Boshra ist eine syrische Dichterin und Schriftstellerin. Sie studierte Medienwissenschaften an der Universität Damaskus und hat zwei Gedichtsammlungen veröffentlicht. Heute lebt sie in Kiel.

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