Neues aus Afghanistan: April

In unserer monatlichen Rubrik "Neues aus Afghanistan" fasst unsere Autorin Sahar Reza die Ereignisse des letzten Monats, April, zusammen.

Homaira Adeel diskutiert mit skeptischen Männern auf dem Land
Fotograf: privat

 Anstieg der Gewalt

Ein Bericht vom Armed Conflict Location and Event Data Project (ACLED) veröffentlicht mit dem Namen Tracking disorder during Taliban rule in Afghanistan zeigt den Anstieg der Gewalt. Diese richtet sich gegen Zivilisten. Der Bericht nennt auch den Anstieg der politischen Gewalt gegen Frauen, die Ursprünge der Gewalt gegen Zivilist*innen, den Anstieg des Widerstands gegen die Taliban, die Konfrontation der Taliban mit der ISKP.
//8am.af/eng/the-taliban-is-the-main-perpetrator-of-violence-against-civilians/

Sicherheit für afghanische Bürger*innen

In einer Pressekonferenz sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, die Taliban seien nicht in der Lage, die Sicherheit der afghanischen Bürger*innen, insbesondere der schiitischen Minderheit, zu gewährleisten. Er fügte hinzu, der Iran werde die Führung im Kampf gegen terroristische Gruppen und die ISKP übernehmen. Weiterhin sagte er seine Bereitschaft zu, dass der Iran bereit sei, seine Erfahrungen im Kampf gegen terroristische Gruppen mit dem Taliban-Regime zu teilen. *Tolo News

Hungerkrise

Das Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), hat erneut seine Besorgnis über die Hungerkrise in Afghanistan geäußert. Nach ihren Angaben haben 95 % der Menschen in Afghanistan mit Ernährungsunsicherheit zu kämpfen. Seit die Taliban an der Macht sind, haben Armut und Hunger stark zugenommen. Jeden Tag wird von Menschen berichtet, die sich vor den Augen ihres 4-jährigen Kindes wegen ihrer Armut selbst ins Feuer geschickt haben. **8am.af

Gaspreise

Die Einwohner*innen von Kabul sind besorgt über die höheren Gaspreise. Diese sind kürzlich um 10 Afghanis pro Kilogramm Gas gestiegen. Und das ändert sich jeden Tag. Der ACCI fügte hinzu, dass aufgrund der Spannungen an der Grenze zwischen Afghanistan und dem Iran und des Anstiegs der Gaspreise in Turkmenistan die Gaspreise im Land in die Höhe geschnellt seien. *Tolo News

Verhaftungen von Regierungsmitgliedern

Die Taliban verhafteten am 24. April Najibullah Habibzadeh, einen ehemaligen Regionalleiter der Nationalen Sicherheitsdirektion für Ghor im Bezirk Dolina in der Provinz. Die Ältesten des Bezirks Dolina trafen sich mit dem amtierenden Gouverneur von Ghor, um ihm bei der Freilassung zu helfen. Doch dieser antwortete, dass dies nicht in deren Zuständigkeit falle und der Geheimdienst unabhängig sei. 

Obwohl die Taliban eine Generalamnestie angekündigt haben, haben sie dagegen verstoßen. Dabei wurden Dutzende von ehemaligen Regierungsmitgliedern getötet, gefoltert, inhaftiert und verschleppt. 

Die New York Times und 8am.af veröffentlichten einen Bericht, der sagt, dass die Taliban rund 500 Sicherheitskräfte der ehemaligen Regierung  Afghanistans festhalten, foltern und töten. ** 8am.af

Plünderungen und Zerstörungen

Einwohner der Provinz Urozgan berichteten, dass die Taliban das Eigentum ehemaliger Regierungssoldaten beschlagnahmt und ihre Häuser geplündert haben. Sie wollten diese als Militärstützpunkte nutzen. Nach dem Sturz der früheren Regierung zerstörten die Taliban alle Kontrollpunkte, Stützpunkte und Gebäude mit der Ausrüstung der früheren Regierung. **8am.af

Verhaftung von Medienmitarbeiter*innen

Die Taliban haben Akbar Ansari, einen Kameramann des lokalen Fernsehsenders Rahnaward in Mazar-e-Sharif, verhaftet. Bisher ist noch nicht klar, wohin die Taliban ihn gebracht haben. Zahlreiche Medienaktivist*innen in Mazar-e-Sharif haben ihre Besorgnis über die Inhaftierung von Journalist*innen und Medienmitarbeiter*innen in dem Land zum Ausdruck gebracht. Die Taliban haben sich jedoch nicht zur Inhaftierung von Akbar Ansari geäußert.

Explosionen

In Dasht-e-Barchi und einem Gebiet im Westen von Kabul kam es am Dienstag, den 19. April, zu einer Reihe von Explosionen in einem Bildungszentrum und einem öffentlichen Zentrum. Die Bewohner*innen dieses Gebiets sind Hazaras.  Diese sind eine ethnische Gruppe, die seit langem aufgrund ihres schiitischen Glaubens unterdrückt und diskriminiert wird. Es gilt als eine ethnische Säuberung, dass dieses Gebiet während der vorherigen Regierung und auch jetzt von einer Reihe von Explosionen heimgesucht wurde. 

Die Explosionen richteten sich gegen zwei Schulen. Der Taliban-Sprecher gab die Zahl der Opfer und Verletzten an. Augenzeugen berichteten von 26 Toten und Dutzenden Verletzten. Die Zahl der Toten soll in Zukunft noch steigen. Die Familien der Opfer erklärten, die Taliban hätten den Medien nicht erlaubt, über die Vorfälle zu berichten.  **8am.af

Bei einer weiteren Explosion in Kabul auf einem Geldwechselmarkt wurden ein Mensch getötet und 58 verletzt. Nach Angaben des Innenministeriums löste eine Handgranate, die in den Markt geworfen wurde, die Explosion aus. **8am.af

Eine Explosion in einer schiitischen Moschee in Mazar-e-Sharif tötete mehr als 30 Betende und verletzte mehr als 80 Menschen. 

Die Taliban haben nicht nur in der Sicherheitsfrage versagt, sondern auch beim Schutz der Menschenrechte.

*Tolo News

**8am.af

Über die Ereignisse im März kannst du hier lesen.

Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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