Klimaschutz geht nur zusammen

Die Klimakrise ist eines der entscheidendsten Probleme unserer Zeit – darüber herrscht in Deutschland Konsens: 80 Prozent der Bevölkerung sind besorgt über den Wandel des Klimas und finden, dass die Politik dringend handeln muss. Das und mehr geht aus einer aktuellen Studie der Denkfabrik More in Common hervor.

Klimschutz

In der Klima-Erhebung von More in Common „Ausbleibendes Handeln gegen Klimawandel gefährdet gesellschaftlichen Zusammenhalt“ wurde untersucht, ob die Klimadebatte in Deutschland als einend oder spaltend wahrgenommen wird. Relative Einigkeit gibt es laut den Forscher*innen bei der Frage nach den Auswirkungen des Klimawandels: Rund zwei Drittel der Befragten gaben an, diese schon heute zu spüren.

Gleichzeitig bemerkten die Forscher*innen aber eine Spaltung, was die Haltungen zu individuellen Handlungsmöglichkeiten angeht. Zwar finden 76 Prozent der Befragten, dass ihr eigenes Verhalten bereits einen Einfluss auf das Klima habe. Dennoch herrschen Gefühle der Hilflosigkeit und Enttäuschung vor – womöglich auch, weil mehr als zwei Drittel überzeugt sind, dass die Wirtschaft immer noch zu wenig für den Klimaschutz tut. Auffällig ist, dass sich besonders Menschen ohnmächtig fühlen, die sozial und politisch weniger in die Gesellschaft eingegliedert sind. Etablierte und politisch Involvierte gaben hingegen häufiger an, auch allein einen Unterschied beim Klimaschutz machen zu können.

Klimapolitik in der Kritik

Die Studie von More in Common wirft darüber hinaus ein schlechtes Licht auf die Bundesregierung. Eine Mehrheit, die sich durch fast alle Bevölkerungsschichten zieht, bewertet die Klimaschutz-Maßnahmen der Regierenden als wirkungslos und ungerecht – nur die Fokusgruppe der Etablierten, also zufriedener und gesellschaftlich eingebundener Menschen, beurteilten die Regierungspolitik zu 55 Prozent als gerecht und effektiv. Gemein haben alle untersuchten Gruppen, dass sie die Klimapolitik der Regierenden als mehrheitlich planlos beurteilen. Wohl auch deswegen wünschen sich 71 Prozent einen „umfassenden Plan“ zum Klimaschutz, der schnell verwirklicht werden soll.

Darüber, wie dieser Plan ausgestaltet werden soll, gibt es aber offenbar Uneinigkeit. Es gibt zwar mehr Menschen, die finden, die meisten seien „bereits viel weiter, als es die Politik häufig glaubt.“ Besonders unter den „Enttäuschten“, also Menschen mit schwacher gesellschaftlicher Einbindung, die sich Gerechtigkeit und Wertschätzung wünschen, herrscht Angst vor. 56 Prozent von ihnen gaben an, die Politik diskutiere häufig Klimaschutz-Maßnahmen, „für die die meisten Menschen noch gar nicht bereit sind.“ Noch stärker äußerten dieses Gefühl die „Wütenden“ – Menschen, die das politische System grundsätzlich mit Misstrauen betrachten und häufig die AfD wählen.

Einend oder spaltend?

Konkrete Schritte, wie die Einführung eines kostenlosen öffentlichen Personennahverkehrs (84 Prozent) und die Abschaffung der Massentierhaltung (75 Prozent) stoßen hingegen auf breite Zustimmung. Dasselbe gilt für die Überzeugung, dass es für individuellen Klimaschutz mehr Vorschriften braucht. Fast alle Fokusgruppen stimmten dieser Einschätzung mehrheitlich zu –selbst die „Wütenden“ zu 49 Prozent. Es scheint also in vielen Fragen einen Konsens zu geben. Und trotzdem nehmen 80 Prozent der Befragten den Diskurs über Klimaschutz als spaltend wahr. Wie kann das sein?

Die Forscher*innen haben darauf folgende Antwort: Es mangelt an einem starken Wir-Gefühl beim Klimaschutz. Wir brauchen ein gemeinsames Handeln, das „möglichst viele Menschen mitsamt ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Perspektiven“ einbindet. Das gilt laut den Forschern ganz besonders für das „unsichtbare Drittel“; also denjenigen, deren Stimme in der öffentlichen Debatte häufig überhört wird. Zu denken geben sollte uns, dass sich unter ihnen „viele Jüngere und auch Menschen mit Migrationshintergrund“ befinden.

 

Mehr zu den Themen Umwelt und Klimawandel als Fluchtursache findest du hier.

Victor studiert in Berlin und im französischen Nancy und Sozial- und Politikwissenschaften. „Bei kohero kann ich dazu beitragen, Dialoge sichtbar zu machen, die häufig zu kurz kommen. Gleichzeitig kann ich wahnsinnig viel über Interkulturalität und verschiedene Gesellschaftssysteme lernen.“

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