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Klima als Fluchtursache – ein Überblick

Wie hängt der Klimawandel mit Flucht und Migration zusammen, was sagen Expert*innen und Betroffene? Wie sieht der rechtliche Rahmen für Klima-Geflüchtete aus und was muss noch getan werden?

Klima als Fluchtursache - ein Überblick
Fotograf: Tobias on Unsplash

„Der Klimawandel könnte zum Hauptfluchtgrund werden. Er verstärkt den Wettstreit um die Ressourcen – Wasser, Nahrungsmittel, Weideland – und daraus können sich Konflikte entwickeln“, sagt António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, 2009 auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen. Diese Aussage ist heute, 12 Jahre später, aktuell wie nie zuvor. Wir haben uns mit der Multivitamin-Redaktion zusammengetan und sind dem Thema Klimaflucht auf den Grund gegangen. Wie hängt der Klimawandel mit Flucht und Migration zusammen, was sagen Expert*innen und Betroffene? Wie sieht der rechtliche Rahmen für Klima-Geflüchtete aus und was muss noch getan werden? Das erfahrt ihr in den nächsten Tagen hier in unserem Online-Magazin und am 13. August in der neuen Folge des Multivitamin-Podcasts!

Die Klimakrise trifft nicht die, die sie verursachen.

Von den zehn Ländern weltweit, die zwischen 2000 und 2019 nach angerichteten Schäden und Zahl der Toten am stärksten von akuten Extremwetterereignissen betroffen waren, fielen sieben in die Kategorie Entwicklungsländer mit niedrigem Einkommen: Myanmar, Haiti, die Philippinen, Mosambik, Bangladesch, Pakistan und Nepal.

20,4 Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Die Zahl der Menschen, die aufgrund der Klimakrise fliehen mussten, hat sich von 2010 bis 2019 fast verdoppelt: Mittlerweile sind 20,4 Millionen Menschen aufgrund von Folgen der Klimakrise auf der Flucht.

Die Klimakrise betrifft uns alle.

Obwohl ärmere Länder überdurchschnittlich stark von Folgen der Klimakrise und Klimamigration betroffen sind, gehen Forscher*innen davon aus, dass spätestens 2050 auch Länder des globalen Nordens immer stärker die Folgen der Klimakrise zu spüren bekommen werden. Der große Unterschied jedoch ist, dass Industrienationen mehr Geld dafür haben, sich vor den Folgen der Klimakrise zu schützen.

150 Millionen Klima-Geflüchtete bis 2050.

Der Weltklimarat IPCC schätzte 1990, dass die Zahl der Menschen, die aufgrund der Klimakrise ihre Heimat verlassen müssen, bis 2050 bei 150 Millionen Menschen liegen wird. Aufgrund der sich drastisch verschlechternden Bedingungen und inkonsequenten Klimapolitik des globalen Nordens kann diese Zahl jedoch noch wachsen.

Das Thema Klimaflucht ist sehr komplex.

Als “Klimaflüchtling” gilt ein Mensch laut Genfer Konvention dann, wenn 1) die Person ihr Heimatland verlassen musste und 2) die Person nachweisen kann, dass sie dies aufgrund der Klimakrise tun musste. Da viele Folgen der Klimakrise wie Naturkatastrophen, bewaffnete Konflikte oder Hungerkrisen jedoch nicht immer eindeutig auf die Klimakrise zurückgeführt werden können, ist es wahnsinnig schwierig als “Klimaflüchtling” anerkannt zu werden.

Die Klimakrise wird nur indirekt als Fluchtursache gezählt.

Umweltzerstörung und Klimawandel wirken sich meist nur indirekt auf Fluchtbewegungen aus: Indem sie beispielsweise Hunger, Ressourcenkonflikte und Gewalt auslösen. Aber Naturkatastrophen, die bedingt durch den Klimawandel immer häufiger auftreten, können auch direkt zu Migrationsbewegungen führen.

Kein Asylrecht für Klima-Geflüchtete.

Da die Klimakrise nur indirekt als Fluchtursache bewertet wird, gibt es keine rechtliche Definition für Menschen, die aufgrund der Klimakrise und Umweltkatastrophen ihre Heimat verlassen müssen. Menschen, die aufgrund des Klimas fliehen, haben deswegen auch in Deutschland kein Recht auf Asyl.

Klimamigration bedeutet meistens Binnenmigration.

80% der Klima-Geflüchteten fliehen innerhalb ihres Landes. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) können es sich die meisten Menschen gar nicht leisten, in ein anderes Land auszuwandern.

Das Wasser wird knapp.

Weltweit haben 2,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Kein durchgängig verfügbares Trinkwasser führt an vielen Orten der Welt auch zu gewaltsamen Konflikten und Kriegen, die wiederum einen Fluchtgrund für Menschen darstellen können.

Mehr Menschen hungern.

Die Zahl der hungernden Menschen ist 2020 weltweit auf bis zu 811 Millionen gestiegen. Knapp 10 % der Weltbevölkerung sind unterernährt. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie führen dazu, dass sich viele Menschen Lebensmittel nicht mehr leisten können. Covid-19 verschlechterte die Ernährungssituation dort, wo sie ohnehin schon schwierig war – auch durch Klimaschwankungen und Extremwetterereignisse.

Klimaveränderungen treffen besonders Menschen auf dem Land.

Hitze, Trockenheit und ausbleibender Regen treffen vor allem Menschen, die auf dem Land leben und von der Landwirtschaft abhängig sind. Häufiger als bei anderen Fluchtursachen machen sich deshalb Menschen mit niedrigem Bildungsstand auf den Weg. Da ihre Einkommensquellen wegbrechen, flüchten sie in die Städte, um dort nach Arbeit zu suchen.

Flucht kann zum Umweltproblem werden.

Große Bewegungen von Geflüchteten können wiederum negative Auswirkungen auf die Umwelt mit sich bringen. Im Umkreis von Geflüchteten-Lagern kann es zu Abholzung, Überfischung und dem Verbrauch ohnehin knapper Wasserressourcen kommen. Umso wichtiger für das Wohlbefinden der Menschen vor Ort und die Arbeit von Hilfsorganisationen ist der Umweltschutz.

Klimabedingte Katastrophen haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt.

Überall auf der Welt sehen wir das vermehrte Auftreten von Klimakatastrophen. Wissenschaftler*innen warnen davor, dass diese Zahlen immer weiter steigen werden. Und jedes Mal, wenn eine Naturkatastrophe eintritt, verlieren Menschen ihr Zuhause und müssen im schlimmsten Fall über Landesgrenzen fliehen.

Weitere Forschung ist notwendig.

Die Datenlage zu den Zusammenhängen der Klimakrise und Fluchtbewegungen ist dünn. Im Vergleich zu anderen Arten von Migration ist die Forschung hier noch nicht weit fortgeschritten. Weitere Studien sind notwendig, um verlässliche Prognosen treffen zu können, wie viele Menschen in Zukunft aufgrund von Klimaveränderungen ihre Heimat verlassen müssen.

Wir müssen jetzt handeln, um die Klimakrise zu stoppen.

Reiche Industrienationen, die in großen Teilen für die Klimakrise verantwortlich sind, müssen ihren CO2-Ausstoß drastisch reduzieren. Es braucht eine nachhaltige, faire Klimapolitik, um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen und die Pariser-Klimaziele einzuhalten.

Solidarität und Hilfe: vor Ort und überall.

Solange Länder und Politiker*innen des globalen Nordens sich nicht dazu bereit erklären, eine Klimapolitik umzusetzen, bei der Menschenrechte und keine wirtschaftlichen Profite im Vordergrund stehen, müssen wir alle helfen. Vor Ort gilt es, die Menschen zu unterstützen, deren Leben durch Folgen der Klimakrise eingeschränkt und zerstört werden. Die Menschen, die aufgrund der Klimakrise fliehen müssen, brauchen ein Recht auf Asyl.
Anna hat Medienwissenschaften studiert und promoviert in der Erwachsenenbildung. Bei kohero koordiniert sie die Online-Redaktion. In ihrem zweiten Job arbeitet sie für eine Hamburger Stiftung als Projektkoordinatorin eines Weiterbildungsprogramms. „kohero ermöglicht mir, online und offline gemeinsam mit tollen Menschen für gesellschaftlichen Zusammenhalts zu kämpfen. Jede*r hat eine Geschichte zu erzählen – dieses Motto des Magazins ist für mich die Grundlage dafür!“
Louisa Pröschel
Louisa hat Politikwissenschaft an der Universität Hamburg studiert und arbeitet als Werkstudentin am Leibniz-Institut für Medienforschung. Bei kohero möchte sie ihre Forscherinnenbrille absetzen und sich dem Handwerk Journalismus widmen, um mit Menschen über wichtige gesellschaftspolitische Themen zu sprechen und zu schreiben.
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