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Kinder – Schokolade – Arbeit auf den Plantagen

Wenn man zu Weihnachten die Weihnachtsmänner oder Osterhasen zu Ostern kauft, kommen einem da schon solche Bilder in den Kopf? Es geht hier in erster Linie um Geld, um möglichst großen Profit auf der einen und um billigen Konsum auf der anderen Seite.

Fotograf: (Misereor)Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e. V. www.misereor.de

Worum geht es mir?

Ich möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass für unseren „Wohlstand“ auf der Südhalbkugel die ärmsten Menschen schuften müssen. Zugegeben, auch ich war mir nicht immer bewusst über das Leid, das in vielen unserer Produkte steckt. Man sieht  es ihnen nicht mehr an, welche Schicksale dahinter stecken.

Arbeit auf den Plantagen                                                                                                                                                                 

Mehr als 90 Prozent der Urwälder Westafrikas sind verschwunden. In der Elfenbeinküste gibt es viele kleine Plantagen, die aber illegal angelegt wurden. Dort bauen Familien den Kakao an. Es arbeiten dort auffällig viele Kinder, die mit einer Machete die Kakaobohnen aufschlagen, um das Innerste herauszuholen.

Großfamilien, in denen die Kinder lediglich ein paar Handreichungen machen, sind es nicht. Auf legalen Plantagen sind es tatsächlich Eltern mit ihren Kindern, die die Kakaofrüchte ernten. Aber auch hier haben die wenigsten Eltern das Geld, um ihre Kinder in die Schule zu schicken.

Woher kommen die Kinder?

Zurück zu den Großfamilien, die natürlich keine Familien sind. Die Kinder werden gehandelt. Es sind Kindersklaven, die zumeist aus dem Nachbarland Burkina Faso stammen.

Gespräch mit einem Sklavenhändler: „Du kannst mir vertrauen, ich finde Kinder für dich, ich würde mich freuen, Kinder für dich zu finden, dann besuche ich dich. Ich wäre zufrieden du auch, du machst dabei Gewinn, die Eltern kriegen 200000“. Auf die Frage, wie lange sie für mich arbeiten können, sagte er, „drei Jahre, vielleicht zwei Jahre“. Auf den Hinweis, dass der vermeintliche Plantagenbesitzer nicht mehr als 200000 zahlen könne, antwortete der Sklavenhändler: „Egal, sie kosten nicht alle gleich viel“.

Die Frage, ob es verschiedene Preise für Menschen gäbe, beantwortete er so: „Wie für Schafe, nicht alle sind gleich viel wert, trink deinen Kaffee, ich hole die Kinder.“ Plötzlich hat der Sklavenhändler mitbekommen, dass Journalisten ihm auf der Spur sind, der Verkauf kommt nicht zustande. 200000 ivorische Franc sind 300 Euro.

Kinderarbeit in der Elfenbeinküste

Keines dieser Kinder hat jemals eine Schule von innen gesehen, sie werden viele Jahre auf den Plantagen arbeiten. Neben der Ernte werden die Kinder auch noch für die Unkrautvernichtung eingesetzt. Sie versprühen Glyphosat und das ohne jeglichen Schutz. Auch die Bäume sind bereits abgestorben. Das alles passiert, obwohl in der Elfenbeinküste Kinderarbeit strafbar ist. Dafür kann es bis zu sechs Monate Gefängnis geben, wenn es denn jemand kontrollieren würde.

Mal abgesehen davon, dass es auch kein nachhaltiger Anbau ist und die Umwelt zerstört wird, geht es mir in diesem Artikel in erster Linie um die Menschen. Und darum, was die Politik dagegen unternimmt. Dazu später mehr. Die Kinder jedenfalls arbeiten umsonst, sie bekommen lediglich etwas zu essen. Die  erwachsenen  Arbeiter*innen bekommen mit Glück weniger als einen Euro.

Blick auf die Schokoladenindustrie

Die Schokoladenindustrie verdient 100 Millionen Dollar pro Jahr. Diese Industrie hat bereits vor 20 Jahren das Ende der Kinderarbeit beschlossen. Doch Profit und Geldgier sind dann doch wichtiger, als die Rechte von Menschen, vor allem die der Kinder. Das Unternehmen, das den Kakao direkt von den Plantagen kauft, heißt „Coopaweb“. Dann wurde bekannt, dass Cargill-Kakao die Genossenschaft Coopaweb gekauft hat. Bis dahin hat die Kooperative den Kakao aus geschütztem Wald bezogen. Coopaweb wurde daraufhin 2017 sofort das Label von Fairtrade entzogen. Der amerikanische Rohstoffhändler Cargill ist der zweitgrößte Kakao-Anbieter der Welt.

Was tut die Politik?

Ein großer Skandal ist auch, dass es in der Europäischen Union (EU) kein Gesetz gibt, das illegale Kinderarbeit bestraft. Dabei bezeichnet man sich doch auch gerne mal, wenn es passt, als Werteunion. Womit wir bei der Politik wären, die es hier in Deutschland im Kampf mit den zahlreichen Lobbyverbänden schwer hat.

Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ein paar Daten finde ich schon wichtig: Am 21. Dezember 2016 hat das Bundeskabinett den sogenannten „Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte“ verabschiedet. Darin wird eine Erwartung an die Unternehmen gerichtet. Sie bezieht sich auf die Umsetzung der unternehmerischen Sorgfaltspflichten entlang der Liefer- und Wertschöpfungsketten, entsprechend den Leitprinzipien der Vereinten Nationen. Mindestens 50 Prozent  der Unternehmen mit über 500 Beschäftigten sollten auf freiwilliger Basis die wichtigsten Elemente erfüllen.

Diese Vorgabe hat man jedoch nicht erfüllt. So kam es zu einem Lieferkettengesetz, was bis zum Schluss auf heftigsten Widerstand der Lobbyistenverbände gestoßen ist.

Das gilt jetzt nicht nur für den Vertrieb von Kakao, sondern auch für andere Rohstoffe. Sklavenarbeit im Allgemeinen ist nicht von dieser Welt verschwunden. Sie passiert nur auf anderen Kontinenten und ist weniger sichtbar.

Was können die Konsumenten tun?

Was können wir als Konsumenten dazu beitragen, damit man den Menschen auf dieser Welt solche Schicksale erspart?

Um ökologisch nachhaltige und fair bezahlte Produkte zu kaufen, sollte man so oft es geht regionale Produkte kaufen. Am besten sind die mit einem „Bioland“ oder „Demeter-Logo“ darauf. Die Zutaten für Schokolade oder auch Kaffee können wir aber nunmal nicht regional herstellen. Deshalb sollte man so oft es geht darauf achten, dass auf diesen Produkten das „FAIRTRADE-Siegel“ zu finden ist.

Das Gute ist, dass die von mir genannten  Beispiele nur unwesentlich teurer sind. Man muss also kein Großverdiener sein, um sich diese Produkte leisten zu können. Entweder die „FAIRTRADE-Siegel“ springen einem schon beim Einkaufen förmlich ins Auge oder man gibt vorher bei Google z.B. „Fairtrade-Schokolade“ ein. Dann werden  einem zahlreiche  Hersteller gezeigt, und wo man die Produkte bekommt.

Kinderarbeit gibt es leider in vielen Branchen auf der Welt. Mit diesem Beitrag wollte ich exemplarisch darauf aufmerksam machen. Kinder haben weltweit ein Recht darauf, eine Schule besuchen zu können und auf eine unbeschwerte Kindheit.

                                                                                                                                                                       

Quellen: zdf info Doku 18.09.2020

              WIE FAIRTRADE DIE MENSCHENRECHTE STÄRKT

              JAHRES- UND WIRKUNGSBERICHT 2019

              FAIRTRADE ÖSTERREICH

              MAX HAVELAAR-STIFTUNG [SCHWEIZ]

              TANSFAIR E.V. DEUTSCHLAND   

              Luzerner Zeitung, Mark Walther, 23.01.2019   

Michael Winsel
Michael ist gelernter Zahntechniker, hat aber nicht lange in diesem Beruf gearbeitet. Seine eigentliche Leidenschaft ist das Schreiben. Er hat zwei Bücher verfasst (Ist unser Gesellschaftssystem den Anforderungen der heutigen Zeit und in der Zukunft noch gewachsen?“ und „Die Chance für Deutschland“). Michael war sein ganzes Leben lang ein politisch engagierter Mensch. Aktuell setzt er sich im Kreis Bad Segeberg als ehrenamtlicher Helfer für Geflüchtete ein.
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Michael Winsel
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