Nachrichten im Überblick KW 38

Es gibt Neuigkeiten – und zwar so viele, dass man kaum hinterherkommt. Deshalb sammeln wir hier für dich die wichtigsten Nachrichten der vergangenen Wochen. Diesmal geht es unter anderem um den gestiegenen Anteil der Kandidat*innen mit Migrationshintergrund bei Bundestagswahlen, die Proteste gegen die EU-Außenpolitik und die Eröffnung eines neuen Flüchtlingslagers auf Samos.

Nachrichten KW 29
Fotograf: kohero Magazin

Nachrichten aus Deutschland

Ausländer verdienen rund 900 Euro weniger als deutsche Staatsbürger

Wir beginnen den Blick auf die wichtigsten Nachrichten der Woche mit dieser Meldung: In den letzten zehn Jahren hat sich das Lohngefälle zwischen Arbeitnehmer*innen mit deutscher Staatsbürgerschaft und Arbeitnehmer*innen aus dem Ausland fast verdreifacht. Das berichtete die „Neue Osnabrück“ unter Berufung auf das Arbeitsministerium, das auf die Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion reagierte. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums erhalten Vollzeitbeschäftigte ohne deutsche Staatsbürgerschaft bis Ende 2020 ein durchschnittliches Monatseinkommen von 2.638 Euro. Das sind 903 Euro weniger als jemand mit deutscher Staatsbürgerschaft – 2010 waren es 317 Euro Differenz.

Besonders stark sei die Ungleichheit zwischen Arbeitnehmer*innen aus Deutschland und Arbeitnehmer*innen aus anderen EU-Staaten gewachsen: Der Lohnunterschied habe sich in den letzten zehn Jahren von 91 Euro auf 1.003 Euro mehr als verzehnfacht. Und während des Durchschnittseinkommens der Arbeitnehmer*innen mit deutschem Pass in diesem Zeitraum stieg, sank das Einkommen der Arbeitnehmer*innen aus dem EU-Ausland.

Mehr dazu lest ihr auf snanews.de

 

Abschiebung in Darmstadt: Geflüchteter springt aus dem Fenster

Aus Angst vor Abschiebung sprang ein 35-jähriger Mann aus Pakistan aus dem Fenster der Darmstädter Flüchtlingsunterkunft. Samar Khan von der Hilfsorganisation „Wir sind Pakistan“ sagte der Frankfurter Tageszeitung, er sei bei seinem Sturz aus dem Erdgeschoss selbst schwer verletzt worden und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Mann soll mehrere Stunden hinter dem Haus gelegen haben, bis ihn ein Wachmann gefunden hat. „Als die Polizei kam, hatte er völlige Angst, weil er dachte, sie würden ihn abholen“, sagte Khan. Der 35-Jährige hat eine Duldung. Die Polizei kam, weil sie einen weiteren Pakistani in die Abschiebungshaftanstalt Darmstadt-Eberstadt bringen wollte.

Das Polizeipräsidium Südhessen teilte mit, dass es am Dienstag, den 21. September, damit beauftragt gewesen sei, einen Bewohner in der Unterkunft aufzusuchen und festzunehmen. Dem Betroffenen sei aber die Flucht aus dem Gebäude gelungen.

Mehr dazu lest ihr auf fr.de

 

Mehr Kandidat*innen mit Migrationshintergrund

Eine Analyse der Politikwissenschaftlerin Julia Schulte-Cloos zeigt, dass die Zahl der Kandidat*innen mit Migrationshintergrund bei Bundestagswahlen deutlich gestiegen ist.

Im Jahr 2005 hatten nur 4,4 Prozent aller Kandidat*innen einen Migrationshintergrund. Bis zu diesem Jahr hat sich dieser Anteil auf rund 9 Prozent verdoppelt, so die Ergebnisse der Forschung von Dr. Julia Schulte Cloos.

Laut der Analyse hat die Partei „Die Linke“ mit 17 Prozent im Jahr 2021 den höchsten Anteil an Kandidat*innen mit Migrationshintergrund. Allerdings liegt diese Zahl bei CDU/CSU seit 2005 bei etwa 4 Prozent.

Weitere Informationen über die Forschung von Dr. Julia Schulte Cloos findet ihr hier (Englisch)

Mehr dazu lest ihr auf mediendienst-integration.de

 

Erstaufnahme in Eisenhüttenstadt durch Zahl der Migranten an Kapazitätsgrenze

Immer mehr Menschen kamen aus Belarus nach Brandenburg, sodass die Erstaufnahme von Eisenhüttenstadt (Oder Spree) auf einen Engpass stößt.

Am Donnerstag, den 23. September, sagte Martin Burmeister, ein Sprecher des Innenministeriums, dass seit dem Sommer 850 Menschen auf diesem Weg nach Brandenburg gekommen seien: „Im August waren es fast 400 und im September mehr als 400.“

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums ist die Zahl der illegalen Grenzübertritte zwischen Deutschland und Polen in den letzten Wochen gestiegen. Im August registrierte die Bundespolizei 474 illegale Einwanderer – wie der Sprecher des Bundesinnenministeriums am Donnerstag mitteilte, waren es bis zum 20. September rund 760 illegale Einwanderer oder Schmuggler. Die Bundespolizei arbeitet eng mit den polnischen Behörden zusammen, um dieses Phänomen zu bekämpfen.

Mehr dazu lest ihr auf moz.de

 

Prominente protestieren vehement gegen EU-Asylpolitik

Kurz vor der Bundestagswahl protestierten viele Prominente in einer „Kölner Erklärung“ gegen die Asylpolitik der EU. Laut des „Kölner Stadt-Anzeiger“ fordern mehr als 80 Vertreter*innen aus Kunst, Wissenschaft und Politik in einem offenen Brief auf, dass die Flucht nach Europa nicht kriminalisiert werden soll.

Die Kölner Erklärung zur Justiz und humanitären Politik weist darauf hin, dass sich die Lage an den EU-Außengrenzen im Laufe der Jahre verschlechtert hat. „Ohne Zugang zu medizinischer Versorgung, Bildung, sauberem Wasser und Nahrung sind Zehntausende Menschen an den Außengrenzen Europas gestorben“, so die Erklärung.

Unterzeichner sind: Elfriede Jelinek, Carola Rackete, Igor Levit, Robert Menasse, Saša Stanišić, Sibylle Berg, Harald Welzer, Rahel Jaeggi oder auch Jean Ziegler. Außerdem haben mehrere Organisationen wie Sea-Watch, Europäisches Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR) oder medico international die Erklärung unterzeichnet.

Mehr dazu lest ihr auf zeit.de

 

..und aus der Welt

Mindestens sieben Migranten aus Algerien bei Almería ertrunken aufgefunden

Sieben Leichen sind an der Küste der südspanischen Provinz Almería gefunden worden. Unter den Opfern sind vier Männer, eine Frau, ein vierjähriges Kind und ein noch nicht identifiziertes Opfer. Medien zufolge sind die Opfer an Stränden oder im Wasser treibend im Bereich des Bezirks Levante gefunden worden.

Die Zeitung „Voz de Almería“ schrieb am Dienstag, den 21. September, dass die Migranten möglicherweise von Schleppern auf Schnellbooten von Algerien nach Spanien gebracht werden sollten. Möglich sei, dass sie zu weit von der Küste entfernt gezwungen wurden, über Bord zu springen und dann ertrunken seien, berichtete die Zeitung.

Die besonders schnellen Schlepperboote sind sicherer als kleine Holz- und Schlauchboote, allerdings würden sie es regelmäßig vermeiden, der Küste zu nahe zu kommen.

Mehr dazu lest ihr auf mallorcazeitung.es

 

Ratslinke will 2000 Geflohene direkt aufnehmen

Die Minderheit im Nationalrat in der Schweiz forderte auf, dass die Schweiz mindestens 2.000 Geflüchtete pro Jahr direkt aufnehmen soll. Die Linke begründet, dass es für Geflüchtete faktisch zu einer Schließung der europäischen Außengrenzen komme, denn die EU will mit der Grenzschutzagentur Frontex den Grenzschutz ausbauen. Aktuell liegt der Anteil der direkt aufgenommenen Geflüchteten bei etwa 800.

Wenn man illegale Migration bekämpfen will, muss man gleichzeitig die legale Migration ermöglichen, das heißt, dass Menschen, die nach Genfer Flüchtlingskonvention und auch nationaler Gesetzgebung ein Anrecht auf Asyl haben, auch Schutz erhalten, sagte SP-Nationalrätin Samira Marti.

Mehr dazu lest ihr auf srf.ch

 

„Geschlossenes Zentrum“: Umstrittenes Flüchtlingslager auf Samos eröffnet

Auf der griechischen Insel Samos wurde am Samstag, den 18. September, ein neues Flüchtlingslager für 3.000 Menschen eröffnet. Das Lager liegt etwa fünf Kilometer vom ehemaligen provisorischen Lager in der Nähe von Vathi und anderen Inseldörfern entfernt und ist von hohen Mauern umgeben und mit Stacheldraht gesichert.

Samos ist die erste Insel, die über ein sogenanntes „geschlossenes Zentrum mit Zugangskontrolle“ verfügt. Auf Lesbos und Chios ist noch mehr geplant. Migrationsminister Notis Mitarakis sagte bei der Eröffnung vor Journalisten, dass die Regierung dem Thema Migration so begegnet, wie die Regierung es den Bürgern versprochen habe.

Flüchtlingsorganisationen kritisieren das Camp, das auch mit EU-Geldern finanziert wurde. „Wir können unseren Patienten nur noch helfen, dieses Camp zu überleben“, sagte Ärzte ohne Grenzen.

Mehr dazu lest ihr auf rnd.de

 

Amazon und UPS wollen afghanische Flüchtlinge anheuern

Amazon, UPS und rund 30 weitere Unternehmen wollen afghanische Flüchtlinge einstellen und ausbilden. Die beiden Unternehmen teilten am Dienstag, den 21. September, mit, dass sie Zehntausenden Flüchtlingen aus Afghanistan in die USA bei der Integration in die Wirtschaft helfen wollen. Damit treten sie der Tent Coalition for Afghan Refugees bei, die vom Gründer der Chobani Yogurt Company, Hamdi Ulukaya, gegründet wurde. „In dem Moment, in dem ein Flüchtling einen Job bekommt, ist es der Moment, in dem er aufhört, ein Flüchtling zu sein“, so Ulukaya.

Amazon gab bekannt, dass der Konzern Geflüchteten unter anderem Arbeitsplätze in Lagerhäusern anbietet, in Unternehmensführungspositionen und technischen Rollen. Das Unternehmen zählt auch die Studiengebühren einschließlich Englischkursen.

Mehr dazu lest ihr auf rnd.de

 

Texas lobt „Barriere aus Stahl” an der Grenze zu Mexiko

Wir beenden den Blick auf die Nachrichten der Woche mit dieser Meldung aus Texas: Laut Gouverneur Greg Abbott wendet der US-Bundesstaat Texas beispiellose Methoden an, um dem Zustrom Tausender Einwanderer an der amerikanisch-mexikanischen Grenze entgegenzuwirken. Dazu gehört eine Stahlbarriere, die Menschen daran hindert, die Grenze zu überschreiten, sagte der Republikaner am Dienstag, den 22. September, auf einer Pressekonferenz in der texanischen Grenzstadt Del Rio. Die Barriere bestand aus kilometerlangen US-Fahrzeugen am Ufer des Rio Grande. „Diese Strategie funktioniert“, sagte Abbott, ohne näher darauf einzugehen.

In den letzten Tagen nutzten Tausende von Menschen – viele davon Migranten aus Haiti – die Gelegenheit, bei niedrigem Wasserstand den Grenzfluss nach Texas zu überqueren. Die Situation in Del Rio hat vor kurzem ihren Höhepunkt erreicht. Das Büro von Gouverneur Abbott teilte mit, dass in der vergangenen Woche etwa 16.000 Migrant*innen auf der Brücke angekommen seien. Abbott sagte, es seien am Dienstag noch 8.600 Einwanderer dort gewesen.

Nach Angaben der CNN wurden einige Menschen später in andere Lager gebracht. Laut US-Medienberichten stammen die meisten Haitianer nicht direkt aus Haiti, sondern haben kürzlich in südamerikanischen Ländern gelebt, und viele von ihnen möglicherweise nach dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2010.

Mehr dazu lest ihr auf pnn.de

Ahmad Shihabi
Als Praktikant bei einem Verlag fing Ahmad mit seiner Arbeit im Journalismus an. Danach arbeitete er als Redakteur im Politik- und Kulturbereich bei dem palästinensischen Magazin „Al-Hourriah“. Seit Februar 2019 unterstützt er das Team des JournalistenBüro Herne als Redaktionsassistent.
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Ahmad Shihabi
Als Praktikant bei einem Verlag fing Ahmad mit seiner Arbeit im Journalismus an. Danach arbeitete er als Redakteur im Politik- und Kulturbereich bei dem palästinensischen Magazin „Al-Hourriah“. Seit Februar 2019 unterstützt er das Team des JournalistenBüro Herne als Redaktionsassistent.

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