Neues aus Afghanistan im September 2022

In unserer monatlichen Rubrik "Neues aus Afghanistan" fasst unsere Autorin Sahar Reza die Ereignisse des vergangenen Monats, September, zusammen.

Fotograf: EJ Wolfson on Unsplash

#StopHazaraGenocide #StopTajikGenocide

Entlassungen 

Die Taliban haben 28 Mitarbeiter*innen des Gouverneursamtes, darunter 4 Frauen, in Faryab ethnisch begründet entlassen. Sie wiesen darauf hin, dass die Entlassung dieser Mitarbeiter*innen auf das Scheitern der jährlichen Arbeitsbewertung zurückzuführen sei. 

Explosionen

Am 21. September ereigneten sich Explosionen in der Nähe des Büros der Breshna Company Afghanistan, einer staatlichen Elektrizitätsgesellschaft in Kabul. Die genaue Zahl der Opfer, der Grund für die Explosion und ihre Art sind noch nicht bekannt.

Bei einem Anschlag am 30. September auf das Kaj-Bildungszentrum im Westen Kabuls wurden nach Angaben der United Nations Assistance Mission in Afghanistan UNAMA 53 Menschen, darunter 46 Mädchen, getötet und 110 verletzt. Die Anschläge folgten auf Demonstrationen von Frauen in den Provinzen Kabul, Herat, Bamiyan und Balkh, die gegen den Völkermord an den Hazara protestierten. Die Demonstranten wurden jedoch von den Taliban verprügelt, und die Kundgebung wurde durch Luftangriffe aufgelöst.

Tötung

Der ehemalige Armeesoldat Islamudin wurde von den Taliban in Samangan getötet. Die Taliban entführte das Opfer aus seinem Haus und schoss ihm dann in den Kopf. Er war vor 2 Monaten aus dem Iran zurückgekehrt und war mit landwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigt. 

Medien

Die Taliban haben die Medienverantwortlichen angewiesen, der Veröffentlichung und Ausstrahlung von religiösen Gelehrten Vorrang zu geben. Sie haben die Medien in Farah hervorgehoben. 

Darüberhinaus haben sie kürzlich eine neue Einschränkung für Mitarbeiter*innen der visuellen Medien erlassen. Danach dürfen Frauen und Männer als Moderator*innen von nun an keine gemeinsamen Sendungen mehr machen. Interviews mit Frauen werden mit unkenntlich gemachten Gesichtern aufgenommen und veröffentlicht. Außerdem werden Taliban-Experten den Medien für politische Diskussionen vorgestellt. Die Medien sind verpflichtet, nur Experten zu von den Taliban präsentierten Programmen einzuladen.

Guantanamo

Der letzte Gefangene der Taliban im US-Gefängnis Guantanamo wurde freigelassen und nach Kabul gebracht, wo er den Taliban übergeben wurde. 

Tiktok

Das Taliban-Ministerium für Kommunikation und Technologie hat eine dreimonatige Frist für die Abschaltung der Anwendungen Tiktok und PUBG in Afghanistan gesetzt. Es bezeichnete die Anwendungen als illegal.

Wien

Treffen in Wien in Österreich mit 30 politischen Persönlichkeiten: Ahmad Masoud, der Führer der Nationalen Widerstandsfront. Das Treffen wurde auf Initiative des Österreichischen Instituts für Internationale Politik oiip am 15. September organisiert. Es heißt, dass bei diesem Treffen eine Beratung im Zusammenhang mit dem politischen und militärischen Widerstand gegen die Taliban stattfinden wird.

Mädchenbildung

Internationale Stimmen haben sich besorgt über die Mädchenschulen in Afghanistan geäußert.

Antonio Guterres the secretary general of United Nations emphasized the immediate cancellation of the restrictions on girls’ education by the Taliban. The group has not yet agreed to open the door of schools to the girls above 6th class. 

Markus Potzel, acting head UNAMA has recently described the closure of girls’ schools above the sixth grade as ‘shameful, tragic and entirely avoidable.

“This is a tragic, shameful, and entirely avoidable anniversary,” said Potzel.

“The ongoing exclusion of girls from high school has no credible justification and has no parallel anywhere in the world. It is profoundly damaging to a generation of girls and to the future of Afghanistan itself,” he added.

“Further fragmentation, isolation, poverty, and internal conflict are among the likely scenarios, leading to potential mass migration and a domestic environment conducive to terrorist organizations, as well as greater misery for the Afghan population.”

Gesundheitsversorgung

Frauen haben in ganz Afghanistan keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung; sie können ohne einen Mahram (männliche Begleitung) keine Kliniken besuchen oder sich von einem Arzt untersuchen lassen. Dies hat das Leben von Dutzenden von Frauen und Mädchen in Gefahr gebracht. Inzwischen hat das Gesundheitsministerium nach eigenen Angaben landesweit Dutzende von Einrichtungen für Frauen geschaffen.

Schikane

Die Taliban verprügelten in der Provinz Baghlan 15 Frauen ohne männliche Begleitung. Die Frauen gaben an, ihre Ehemänner seien entweder getötet worden oder aus beruflichen Gründen ins Ausland gereist. Außerdem wurden 2 Männer von den Taliban verhaftet und gefoltert, weil sie pakol (eine Wollmütze für Männer in der Provinz Panjshir) trugen. Die Quellen sagten, dass die beiden Männer keiner Gruppe angehörten, sondern ganz normale Bürger sind. Bei einer Operation gegen die Widerstandsfront im Bezirk Paryan Panjshir nahmen die Taliban 50 Zivilisten fest, die alle Bauern sind und keine Verbindung zur NRF oder einer anderen Kriegspartei haben.

Quellen: 8am, Tolo news, Afghanistan international 

Hier könnt ihr die Rubrik aus dem August lesen

 

Sahar Reza
Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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Sahar Reza
Sahar kommt aus Afghanistan und hat ihre Kindheit in Pakistan verbracht. Ihr Studium der  hat sie in Indien und Hamburg (Master Politik- und europäischen Rechtswissenschaft) absolviert. Sie hat im Management und im Journalismus gearbeitet. Seit langem setzt sie sich für Menschenrechte (besonders Frauen-, Kinder- und Flüchtlingsrechte) ein. Für kohero (früher Flüchtling-Magazin) ist sie seit 2017 aktiv. „Ich arbeite für das kohero-Magazin, weil das Magazin mir eine Stimme gibt und ich habe die Möglichkeit, über verschiedene Themen zu schreiben und kann in meinem Arbeitsbereich Journalismus in Deutschland weiterarbeiten und aktiv sein.“

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