Anmeldung zur Heirat beim Standesamt

In unserer Rubrik Frage und Antwort geht es heute um die Anmeldung zur Heirat beim Standesamt. Unsere Anwältin Angelika gibt dazu Rechtsauskunft.

Heirat, Beziehung, Ehe.
Fotograf: Genia Loginova

Frage:

Guten Tag,
ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin. Und zwar geht es um meinen Verlobten, den ich gerne heiraten will. Aber leider bin ich total überfordert was das Standesamt angeht.
Er ist illegal in Deutschland und er möchte einen Asylantrag stellen, bevor wir die Unterlagen an das Standesamt geben.
Ich hatte schon einige Rechtsanwälte gefragt, jeder sagt etwas anderes:
Der eine sagt erst den Asylantrag stellen dann zum Standesamt. Der andere sagt, erst zum Standesamt und die Heirat anmelden usw., bevor die Ablehnung kommt.
Weil er aus einem sicheren Heimatland kommt, wird es knapp und ich bin einfach durcheinander. Jeder sagt etwas anderes. Ich hoffe, sie können mir den genaueren Vorgang sagen, wie ich vorgehen soll.
PS.: ich besitze die deutsche Staatsbürgerschaft

Antwort

Liebe Ratsuchende,

leider haben wir nicht ausreichende Informationen von deinem Verlobten. Aus welchem Land kommt er? Hat er einen Pass aus seinem Herkunftsland? Auf jeden Fall braucht er für eine Heirat seinen Pass oder einen gleichwertigen Identitätsnachweis aus seinem Heimatland (es kann auch ein abgelaufener Pass sein).

Unterlagen für eine Heirat in Deutschland

Für eine Heirat in Deutschland braucht man in der Regel folgende Unterlagen:

(Genaue Informationen kannst du auch bei dem Standesamt erfragen, das für dich zuständig ist).

 

  • Gültiger Reisepass/Personalausweis von beiden Verlobten
  • Aktuelle Meldebescheinigung
  • Aktuell beglaubigte Geburtsurkunde (Auszug aus dem Geburtenregister)
  • Wenn einer der Partner bereits verheiratet war, eine beglaubigte Abschrift aus dem Eheregister über die letzte Ehe, bzw. Auflösung (Scheidungsurteil/Sterbeurkunde)
  • Ehefähigkeitszeugnis maximal 6 Monate alt. Wenn das Herkunftsland kein Ehefähigkeitszeugnis kennt oder ausstellt, muss ein Antrag auf Befreiung beim Oberlandesgericht des Wohnortes gestellt werden.
  • Alle ausländischen Dokumente müssen je nach Herkunftsland durch das Konsulat legalisiert sein.

 

Wir wissen jetzt nicht, welche Unterlagen Dein Verlobter hat. Wenn ihr eine verbindliche Anmeldung zur Eheschließung beim Standesamt habt, kann die Ausländerbehörde eine sogenannte Heiratsduldung erteilen. Das Standesamt muss aber die Anmeldung zur Eheschließung nicht annehmen. Häufig nehmen die Standesämter diese nämlich nur vor, wenn ein gültiges Aufenthaltsdokument vorliegt – Dein Verlobter ist aber illegal hier….

Wenn dein Verlobter keinen Heimatpass hat, sollte er nicht seine Botschaft aufsuchen, denn das könnte kontraproduktiv sein. Wenn er die Botschaft des Landes aufsucht, aus dem er geflohen ist, suggeriert er, dass er kein Flüchtling ist, denn er betritt das Hoheitsgebiet seines Staates. Das könnte ungünstig für sein Asylverfahren in Deutschland sein.

Wenn dein Verlobter ein Asylverfahren beginnt, einen gültigen (oder aber abgelaufenen) Pass seines Heimatlandes hat und das Verfahren negativ ausgeht oder er eine Duldung erhält, bleibt euch immer noch die Möglichkeit, beim Standesamt die Anmeldung zur Eheschließung zu beantragen.

Empfehlung

Wir würden euch empfehlen, Kontakt zu dem Standesamt aufzunehmen, das für euch zuständig ist. Dort könnt ihr fragen, welche Dokumente für eine Heirat für euch erforderlich sind. Diese solltet ihr dann sofort beantragen. Sollte Dein Verlobter keinen Identitätsnachweis haben, gestaltet sich das ganze wahrscheinlich etwas schwierig. Dann sollte er einen Asylantrag stellen.

Ganz viel Erfolg

 

Weitere Antworten zu unterschiedlichen Fragen findet ihr z.B. hier und hier

 

Andere Kulturen und Menschen haben Angelika schon immer interessiert. Sie ist viel gereist und hat im Ausland gelebt. Als Rechtsanwältin ist sie auf Asyl- und Ausländerrecht spezialisiert. 2017 hat sie das Flüchtling-Magazin mit gegründet und ist seitdem für die Finanzierung und alle rechtlichen Aspekte zuständig. Bei kohero beantwortet sie die rechtlichen Fragen aus unserer Community. „kohero ist ein großartiges Medium für Geflüchtete und für Deutsche, um sich besser kennen zu lernen und die jeweils andere Kultur zu verstehen.“
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