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6 Min. Lesezeit wana update News

wana: Wahlkampf im Schatten des 7. Oktober

Drei Jahre nach dem Hamas-Angriff ist für das Leid der Menschen in Gaza kein Ende in Sicht. Die extremistischen Positionen in Israel erschweren eine unabhängige Untersuchung und den Wiederaufbau.

wana: Wahlkampf im Schatten des 7. Oktober
Gaza - von Jaber Jehad Badwan - Wikimedia

Nach drei Jahren Krieg und humanitärer Katastrophe in Gaza und der Libanon steckt die Zukunft der Menschen in der Region in einer politischen Sackgasse. Unser Autor Ahmad Shihabi blickt auf die Ereignisse der vergangenen drei Jahre zurück und ordnet die wichtigsten politischen Entwicklungen ein, die auf die baldige Knesset-Wahl in Israel Einfluss haben könnten.

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Du ließt wana update mit 434 anderen aus unserer kohero Community. Diese Ausgabe von Mittwoch, dem 07. Oktober 2026, umfasst rund 1.363 Wörter – und ca. 6 Minuten Lesezeit.


Marhaba,

am Morgen des 7. Oktober 2023 brach das Grauen über die Kibbuzim und Kleinstädte nahe dem Gazastreifen herein. Schwer bewaffnete Männer der Hamas und des Islamischen Dschihad durchbrachen den Grenzzaun zu Israel und stürmten Siedlungen und ein Musikfestival. Nach israelischen Angaben wurden fast 1.200 Menschen getötet und 250 verschleppt. Israel schlug mit aller Härte zurück und bombardierte den palästinensischen Küstenstreifen fast zwei Jahre lang.

Bis heute sind die Militäroperationen in Gaza trotz eines seit einem Jahr geltenden Waffenstillstands nicht zu Ende. Nach palästinensischen Angaben wurden innerhalb von drei Jahren mehr als 74.000 Menschen getötet, darunter mehr als 20.000 Kinder. Seit Beginn der Waffenruhe sind über 1.400 weitere Menschen getötet worden. Bis heute dürfen Journalist*innen aus dem Gazastreifen nicht unabhängig berichten.

Verheerend bleibt die humanitäre Lage der Palästinenser*innen, die nur noch in einem begrenzten Gebiet leben. Es fehlt laut Hilfsorganisationen an Medikamenten, Trinkwasser und Lebensmitteln. Gaza zu verlassen ist aufgrund von bürokratischen Hürden sehr erschwert. Laut Times of Israel haben seit Beginn der Waffenruhe im Oktober 2025 rund 10.500 Menschen den Gazastreifen verlassen: Mehr als 6.000 über den Grenzübergang Rafah nach Ägypten und rund 4.500 über Kerem Schalom nach Israel.

Frieden scheitert an rechtextreme Positionen

Theoretisch gilt für Gaza ein 20-Punkte-Friedensplan, den US-Präsident Donald Trump angestoßen hat. Doch der Plan steckt in einer politischen Sackgasse. Ein Vertreter des US-kontrollierten „Board of Peace“, das die Nachkriegsverwaltung des Gazastreifens begleiten soll, warnte anonym gegenüber The Times of Israel, dass zunehmend extremistische Positionen in Israel die Umsetzung der US-Pläne für Gaza erschwerten. Besonders kritisierte er die breite Unterstützung für eine „Förderung der freiwilligen Auswanderung“ von Palästinenser*innen aus dem Gazastreifen als Euphemismus für die Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung und den Bau israelischer Siedlungen.

Verschärft wird das Situation durch die Knesset-Wahl Ende Oktober. Davor will Ministerpräsident Benjamin Netanjahu keine Zugeständnisse machen. Seine Regierung macht den vollständigen Rückzug der Truppen davon abhängig, dass die Hamas sich vollständig entwaffnet und ihre Infrastruktur zerstört wird. Die Hamas wiederum fordert ein Ende der israelischen Militärpräsenz, bevor sie ihre Waffen abgibt.

Netanjahu steht selbst unter Druck, nachdem Medienberichte offenlegten, dass er eineinhalb Wochen vor dem 7. Oktober 2023 eine explizite Warnung von höchster Stelle aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) erhalten hat. Auch der ägyptischen Geheimdienst soll Berichten zufolge eine Warnung ausgesprochen haben. Netanjahu bestreitet die Vorwürfe. Bis heute verweigert er sich einem Untersuchungsausschuss.

Eine Kette von Sicherheitsversagen?

Während das Versagen des Sicherheitsapparats am 7. Oktober vor der Wahl im Fokus bleibt, verschärft der mutmaßliche Anschlagsversuch auf den Flydubai-Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv die Debatte nun weiter. Am vergangenen Mittwoch soll der omanische Co-Pilot den Kapitän mit einer Notfallaxt angegriffen und versucht haben, die Kontrolle über die Maschine zu übernehmen, um sie in Tel Aviv zum Absturz zu bringen. Passagiere und Besatzungsmitglieder sollen den mutmaßlichen Angreifer überwältigt haben, bevor Ersatzpilot*innen die Maschine sicher in Saudi-Arabien landeten.

Bereits einen Tag vor dem Vorfall hatte Netanjahu vor möglichen Anschlägen im Vorfeld der israelischen Wahl gewarnt. Nach dem Zwischenfall drohte er mit Konsequenzen und erklärte später, der Co-Pilot sei islamistisch radikalisiert worden. Die Vereinigten Arabischen Emirate bezeichneten den Angriff inzwischen ebenfalls als versuchten „Terrorakt“. Ob der Mann allein handelte und welches konkrete Motiv hinter der Tat stand, wird weiterhin untersucht.

Während Netanjahus Unterstützer*innen den Fall als Bestätigung seiner Sicherheitswarnungen sehen, verweisen seine Gegner*innen auf ein Versagen seiner Sicherheitspolitik. Oppositionspolitiker*innen wie Naftali Bennett und Gadi Eisenkot fordern den Rücktritt beziehungsweise die Entlassung von Verkehrsministerin Miri Regev. Pilot*innen aus Staaten ohne diplomatische Beziehungen zu Israel werden in der Regel aussortiert. Die Behörden hatten die Listen über Passagiere und Pilot*innen laut Haaretz schon vorab bekommen. Interessant bleibt, dass Saudi-Arabien die Landung genehmigt hat.

Wie das Thema die Wahl beeinflussen wird und wie Netanjahu auf eine mögliche Wahlniederlage reagieren würde, bleibt offen. Bis Ende Oktober bleibt die Lage aufgrund der Befürchtung, dass eine erneute sicherheitspolitische Eskalation den Wahlkampf oder sogar die Durchführung der Wahl beeinträchtigen könnte, angespannt.

Liebe Grüße
Ahmad Shihabi und Silvana El Sayegh


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Acht Monate nach der erneuten Eskalation im Libanon können laut UNICEF 82 Prozent der Haushalte grundlegende Bedürfnisse nur schwer finanzieren. In 22 Prozent der Haushalte gingen Kinder zuletzt hungrig ins Bett, in 14 Prozent arbeitet mindestens ein Kind. Rund 770.000 Kinder leiden unter psychischen Belastungen. Zudem wurden 436 Schulen beschädigt oder zerstört – etwa 100.000 Kinder könnten deshalb ohne Klassenzimmer zurückbleiben.



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Dieser Newsletter wurde von Silvana El Sayegh und Ahmad Shihabi geschrieben.
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