In diesem Newsletter:
- Wadephul setzt in Ankara ein Zeichen für enge Partnerschaft
- Ägypten sagt Saudi-Arabien Hilfe bei Verteidigung zu
- Israel erhebt Vorwürfe gegen den Libanon
- Zahl der Woche: 37 Parteien für 120 Sitze
Du ließt wana update mit 434 anderen aus unserer „kohero Community. Diese Ausgabe von Mittwoch, dem 21. Oktober 2026, umfasst rund 1.104 Wörter – und ca. 5 Minuten Lesezeit.
Marhaba,
vergangenen Samstag wurden europäische Diplomat*innen bei einem Besuch im besetzten Westjordanland von maskierten israelischen Siedlern angegriffen. Die Delegation aus Belgien, Frankreich und Polen wollte die palästinensische Bevölkerung im christlichen Dorf Taybeh in der Nähe von Ramallah bei der Olivenernte unterstützen. Bereits am Vortag hatten Dutzende maskierte Siedler palästinensische Olivenpflücker angegriffen. Dabei wurde die amerikanische Fotojournalistin Heidi Levine, die für die Washington Post vor Ort war, verletzt und musste im Krankenhaus behandelt werden.
Die Olivenernte ist dabei keine romantische Kulisse für die Angriffe. Sie ist Kern der palästinensischen Identität und Symbol für das Bleiben im eigenen Land. Wenn Siedler den Bauern den Zugang zu ihren Feldern verwehren, ihre Ernte stehlen oder ihre Olivenbäume zerstören, bedroht dies ihre Existenz. Wie konkret diese Bedrohung ist, zeigt ein aktueller Bericht des palästinensischen Landwirtschaftsministeriums. Demnach beliefen sich die direkten Verluste allein in der Woche vom 8. bis 15. Oktober auf mehr als 1,55 Millionen Dollar, da 2.667 Olivenbäume beschädigt und gefällt wurden.
Die israelische Menschenrechtsorganisation Yesh Din hat seit Beginn der Olivenernte Ende September durchschnittlich 27 gewaltsame Übergriffe pro Tag dokumentiert. Ein weiterer Bericht der UN-Organisation OCHA dokumentiert beschädigte Wasserinfrastruktur und Familien, die ihre Kinder anderswo unterbringen mussten, damit diese am Unterricht teilnehmen konnten.
Sanktionen als Druckmittel
Die Europäische Union hat den Angriff radikaler Siedler auf ihre Diplomat*innen im Westjordanland „aufs Schärfste“ verurteilt. Ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas forderte die israelische Regierung dazu auf, die Verantwortlichen für diese Tat zur Rechenschaft zu ziehen. Israel solle außerdem Schritte ergreifen, um Siedler von Gewalttaten gegen Palästinenser*innen und Journalist*innen abzuhalten.
Belgien will nun auf EU-Sanktionen gegen die Verantwortlichen und ihre Unterstützer*innen drängen. Zudem hat das Land ein Importverbot für Waren aus israelischen Siedlungen im Westjordanland und von den Golanhöhen angekündigt. Bereits im September kündigte auch Großbritannien ein Importverbot für Waren aus illegalen israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland an.
Der Europäische Rat verurteilt ebenfalls die einseitigen Maßnahmen Israels, die auf eine ausgeweitete israelische Präsenz im Westjordanland und in Ostjerusalem abzielen. Der Rat fordert Israel nachdrücklich auf, den Ausbau der Siedlungen unverzüglich rückgängig zu machen. Unternehmen sollten sich nicht um Bauaufträge für das Bauvorhaben im E1-Gebiet bewerben. Das E1-Gebiet soll das Westjordanland teilen und einen palästinensischen Staat unmöglich machen.
Seriöse Strafverfolgung fehlanzeige
Laut Berichten hat der Druck der US-Regierung dazu beigetragen, dass die israelische Polizei nach der Attacke auf die Diplomat*innen mindestens zehn Verdächtige festnahm. Allerdings führten die Festnahmen bisher zu keinen Ergebnissen. Laut einem Bericht der unabhängigen internationalen Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats aus dem Juni 2026 tragen auch Mängel im israelischen Justizsystem zur Straflosigkeit bei Gewalt durch israelische Siedler bei. Dazu gehören zu milde Anklagen, die Anwendung unterschiedlicher Rechtssysteme auf israelische Siedler und Palästinenser*innen sowie Gerichte, die palästinensische Aussagen als unglaubwürdig einstufen.
Solange kein entschlossener internationaler Druck erfolgt, schaffen die Siedler und ihre Unterstützer*innen in der israelischen Regierung Fakten, um am Ende die volle Kontrolle über das Westjordanland zu übernehmen und die Palästinenser*innen aus ihren Orten zu vertreiben. Die von der EU und Deutschland zumindest sprachlich unterstützte Zweistaatenlösung wird damit de facto unmöglich.
Die letzten Entwicklung im Westjordanland werden somit zum Test für die Handlungsfähigkeit Europas und die Glaubwürdigkeit der deutschen Außenpolitik. Nicht, weil europäische Opfer mehr zählen, sondern weil Europa jetzt nicht mehr behaupten kann, es habe nichts mitbekommen oder sei nicht betroffen.
Liebe Grüße,
Ahmad Shihabi
Online-Redaktion
Empfehlung aus der Redaktion
Mandäismus ist eine Religion aus dem Irak, die in Deutschland kaum bekannt ist. Unser Autor Hassan Al Khalaf berichtet über ihre Taufrituale und Herausforderungen – vom Südirak bis nach Nürnberg.

Kurzüberblick der Region
Wadephul setzt in Ankara ein Zeichen für enge Partnerschaft
Deutschland und die Türkei wollen ihre Zusammenarbeit bei den Konflikten in Gaza, der Ukraine und Syrien verstärken. Außenminister Johann Wadephul (CDU) betonte bei einem Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Hakan Fidan in Ankara die Bedeutung dieser Kooperation für die Umsetzung des Gaza-Friedensplans. Öffentliche Kritik am Vorgehen der türkischen Regierung gegen Opposition und Zivilgesellschaft blieb dabei weitgehend aus.
Bereits letzten Mittwoch stürmte die türkische Polizei die Istanbuler Zentrale des oppositionellen Fernsehsenders Halk TV. Die Behörden durchsuchten das Gebäude, die Liveübertragung wurde unterbrochen und ein staatlicher Zwangsverwalter übernahm die Leitung des Senders.
Ägypten sagt Saudi-Arabien Hilfe bei Verteidigung zu
Ägypten will seinen regionalen Nachbarn Saudi-Arabien bei der Verteidigung gegen die Huthi-Miliz im Jemen unterstützen und könnte hierfür möglicherweise eigene Soldaten in dem Golfstaat stationieren. Der Nationale Verteidigungsrat, dessen Vorsitz Präsident Abdel Fattah al-Sisi innehat, teilte mit, Ägypten werde Saudi-Arabien „alle notwendige und mögliche Unterstützung geben, um dessen Sicherheit und Stabilität zu verteidigen“. Details oder konkrete Pläne nannte er nicht.
Israel erhebt Vorwürfe gegen den Libanon
Die israelische Armee wirft der libanesischen Armee vor, ihren Verpflichtungen zur Entwaffnung der Hisbollah nicht nachzukommen. Dieser Vorwurf erfolgt kurz vor einem geplanten Treffen libanesischer und israelischer Militärdelegationen am Dienstag in Tampa im US-Bundesstaat Florida. Die letzte Verhandlungsrunde zwischen dem Libanon und Israel fand im August in Rom statt und erfolgte im Zuge des im Juni unterzeichneten Rahmenabkommens zwischen dem Libanon, Israel und den USA. Demnach sollte es einen schrittweisen Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten im Südlibanon geben. Bislang haben sich die israelischen Streitkräfte jedoch nur aus einer einzigen „Pilotzone“ zurückgezogen.
Zahl der Woche

Nach fast vier Jahren Regierungskoalition unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu steht Israel vor einer Parlamentswahl. Netanjahus größter Herausforderer ist der ehemalige Generalstabschef Gadi Eisenkot, dessen neu gegründete Partei Yashar in mehreren Umfragen vor Netanjahus Likud liegt. US-Präsident Donald Trump hat Netanjahu zuletzt seine Unterstützung ausgesprochen und Verteidigungsminister Pete Hegseth nach Israel entsandt.

Hast du den Newsletter noch nicht abonniert? Hier kannst du dich kostenlos anmelden – und bekommst jeden Mittwoch Analysen und Nachrichten, die in den Mainstream-Medien nicht vorkommen, direkt in dein Postfach.
📢 Dieser Newsletter könnte auch für jemand anderen interessant sein? Leite ihn gerne weiter oder teile ihn.
