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Wallah, die ganze Welt braucht einfach eine Pause

Diese Woche überlegt Hussam, wie wir damit umgehen, von einer Krise nach der nächsten zu hören und lesen, und teilt seine Perspektive auf Hoffnung in der Weihnachstzeit.

Wallah, die ganze Welt braucht einfach eine Pause
Fotograf: Hussam Al Zaher

Vor drei Wochen haben Natalia, Sarah und ich entschieden, dass jeder von uns jede Woche einen Artikel über aktuelle Themen als kohero_kolumne schreibt Natalia hat über Einbürgerungsgesetze geschrieben, Sarah hat letzte Woche die Siege der marokkanischen Fußballmannschaft in der Weltmeisterschaft zusammengefasst. 

Diese Woche sollte ich dann ein Thema suchen und darüber schreiben. Aber welches sollte ich wählen? Wenn ich überlege, wie viele Krisen unsere Gesellschaft und alle Menschen weltweit betreffen, fällt es mir schwer, eine wichtiger als die andere zu nehmen.

Krisen über Krisen

Angefangen bei den lokalen Themen, zum Beispiel den Viren, die in den letzten Wochen Hamburg betroffen haben. Corona, die Grippe und RSV haben bei Kinderärzt*innen und Apotheken richtige Notfälle verursacht. Es waren zu einem Zeitpunkt so viele Mitarbeiter*innen bei der Hamburger Hochbahn krank, dass einige U-Bahn- und Buslinien Notfall-Fahrpläne benutzen mussten. Vor zwei Wochen meldete der NDR, dass in den Behörden jede*r zehnte Mitarbeiter*in erkrankt war. Ist das eigentlich normal? War das schon immer so und wir sind nur jetzt so sensibel für diese Nachricht geworden? 

Vielleicht sind überregionale und nationale Themen wichtiger. Sollte ich also besser über die Inflation, die steigenden Preise, oder die Energieversorgung schreiben? Über die Familien, die lieber seltener den Ofen zum Kochen benutzen, oder die diesen Winter zum ersten Mal zu einer Stelle der Tafel gehen müssen? Oder die Arbeiter*innen, die zur Zeit Überstunden in Logistik-Lagern und bei Paketdiensten machen müssen. Ich weiß nicht, ob wir alle schon genug davon gelesen und gehört haben. 

Auch mit den internationalen Themen wird es nicht einfacher.

Sind wir die Schlagzeilen Leid?

Ukraine? Afghanistan? Iran? Oder doch die sogenannten “vergessenen Krisen”, etwa die in Yemen, der weltweite Hunger, oder die Lage der  Geflüchteten Rohingya? Ich habe auch hier keine neuen Worte, keine Lösungen, oder Informationen, die alles verändern. 

Vor zwei Jahren, in der großen Corona-Zeit, haben mich so viele schlechte Nachrichten erreicht, damals habe ich abends spät und morgens früh auf Social Media über Fallzahlen, Todeszahlen und viel mehr gelesen. Heute habe ich mehr das Gefühl, dass viele Menschen um mich herum aufgehört haben, alle Nachrichten im Detail zu lesen und zu hören.

Vielleicht sehen wir noch Schlagzeilen, lesen die Titel und denken dann “oh Gott, nicht das auch”. Ich kenne dieses Gefühl gut, ich habe das vor fünf oder sechs Jahren bemerkt, als das Interesse für den Krieg und die Geflüchteten in Syrien weniger waren als noch 2012. 

Auf jeden Fall meinte meine Frau diesen Monat zu mir: „Wallah, die ganze Welt braucht einfach eine Pause und Urlaub”. Ich sagte ja, das sehe ich auch so. Und da kommt die Weihnachtszeit zur richtigen Zeit. 

Ich selber feiere keine Weihnachten, für Muslime hat die Geburt Jesu eine andere Bedeutung. Und trotzdem bedeutet diese Jahreszeit für mich Hoffnung. Die Hoffnung, dass nicht erst morgen, sondern auch heute schon Gutes auf uns alle wartet. Es gibt Hoffnung, dass trotz der vielen, vielen schlechten Nachrichten gleichzeitig auch schönes in unserer Welt und im Leben passiert. Das Lachen von einem Kind auf der Straße, ein lustiges Gespräch mit der Seniorin oder dem Friseur. 

Wir als Menschen können nicht ohne Hoffnung leben. Ich hoffe, dass so viele Menschen wie möglich diese Feiertage nehmen können, um Hoffnung und Licht zu sehen. Auch wenn Du wie ich nicht die Geburt von Jesus Christus feierst, dann feiere einfach die freien Tage und dass viele andere Menschen feiern. 

Hussam studierte in Damaskus Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen. Parallel dazu arbeitete er als schreibender Journalist. Seit 2015 lebt er in Deutschland. Er ist Gründer und Chefredakteur von kohero. „Das Magazin nicht nur mein Traum ist, sondern es macht mich aus. Wir sind eine Brücke zwischen unterschiedlichen Kulturen.“

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