Nachrichtenüberblick KW4/22

Es gibt Neuigkeiten – und zwar so viele, dass man kaum hinterher kommt. Deshalb sammeln wir für dich alles Wichtige zum Thema Migration und Flucht. In dieser Woche geht es in den Nachrichten unter anderem um den Gedenktag zur Befreiung von Auschwitz, antimuslimischen und -semitischen Rassismus sowie die Kunst-, Meinungs- und Pressefreiheit.

Nachrichten der KW 4
Fotograf: kohero Magazin

Nachrichten aus Deutschland…

 

Verbot kurdischer Verlage in Deutschland bleibt

Am 26. Januar 2022 fand vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig der Prozess um die Verbote der in Neuss niedergelassenen kurdischen Verlagshäuser Mezopotamien und MIR statt. Das Bundesinnenministerium kam zu dem Beschluss mit der Begründung, die Vereine wären als Teilorganisationen der in Deutschland verbotenen PKK (Arbeiterpartei Kurdistan). Die Verlagshäuser klagten für die Aufhebung der Verbote und erhielten dabei im Vorfeld Unterstützung von über hundert Buchhandlungen, Verlagen und Einzelpersonen. Diese sehen mit der gerichtlichen Entscheidung das demokratische Grundrecht der Kunst-, Meinungs-, Presse- und Publikationsfreiheit verletzt. Nach der Verhandlung diese Woche wurde erneut das Urteil bestätigt, da eine Nähe zur PKK weiterhin bestehe. Mehr hier.

 

Angriff mit Luftdruckwaffe auf eine Moschee in Halle 

Mit einer Luftdruckwaffe feuerte ein tatverdächtiger Mann am Sonntag, den 23. Januar 2022 aus seiner Wohnung heraus auf das Islamische Kulturzentrum in Halle. Anders als im Jahre 2018, als bereits die gleiche Moschee beschossen wurde, kam es dieses Mal zu keinen Verletzten. Der Anschlag auf die Gemeindemitglieder wird als antimuslimischer Rassismus eingeordnet, weshalb der Zentralrat der Muslime (ZMD) eine umfassende Aufklärung fordert.  Der Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) von Sachsen-Anhalt kündigte an, politische Bildungsarbeit über die Landeszentrale zielgerichtet anzustoßen, um die Sicherheit der Glaubensfreiheit zu gewährleisten. Mehr hier.

 

Amokläufer von Heidelberg hatte mutmaßlich Kontakt zu rechtem Spektrum 

Am Montag, den 24. Januar 2022 drang ein 18-jähriger Student in die Universität in Heidelberg ein und schoss auf Personen in einem Hörsaal. Drei Studierende wurde verletzt, eine 23-jährige Studentin erlag ihren schweren Verletzungen. Der Täter wurde etwa 27 Minuten nach den ersten Notrufen bei der Polizei tot aufgefunden. Das Motiv hinter der Tat ist noch nicht bekannt. Derzeit werde eine Verbindung zu einer rechtsextremen Partei geprüft,  über eine Radikalisierung gebe es noch keine Erkenntnisse. Mehr hier, und  hier.

 

Fortsetzung des Bundeswehreinsatzes im Irak bis Oktober 2022 

Die Bundeswehr wird ihren Einsatz im Irak bis zum 31.Oktober 2022 verlängern. Der Bundestag stimmte dem Beschluss des Bundeskabinetts zu, 500 deutsche Soldat*innen im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) weiterhin zur Stabilisierung irakischer Sicherheitskräfte zu stationieren. Neben Beratungstätigkeiten liege der Fokus auf der bodengebundenen Luftraumüberwachung, Lufttransporten und -betankung. Die Grünen schloss sich der Fortsetzung unter der Bedingung an, dass in Syrien hingegen keine weiteren Auslandeinsätze stattfinden. Mehr hier.

 

… und der Welt

 

Günstiger Impfstoff aus Kuba

Kritik an der Ungleichverteilung von Impfstoffen während der Pandemie wurde immer wieder laut, denn insbesondere die ökonomisch gering aufgestellten Länder leiden unter dem Coronavirus. Kuba gilt mit seiner Impfquote im Vergleich zu einem der Länder mit dem höchsten Immunstatus. Das Land entwickelt selbst die Impfstoffe Abdala, Soberana 02 und Soberana Plus aus Protein-Vakzine, die in der Herstellung und Lagerung günstiger seien. In Amerika und Vietnam werden die Impfstoffe bereits seit Juli 2021 verwendet. Nachfragen kommen aktuell unter anderem aus dem südasiatischen Raum sowie von der Afrikanischen Union.

 

Keine Nachrichten über die Lage in Sambia

Der Welthunger-Index (WHI) stellt jährlich die Hungersituation weltweit fest. Für das Jahr 2021 konnten bei 19 Ländern jedoch keine Daten erhoben werden, darunter fällt auch Sambia. Das Land wird nach aktuellem Kenntnisstand im WHI-Schweregrad als “ernst” eingestuft. Die Organisation Care spricht im neu erschienen Bericht von einer der am wenigsten beachteten Krisen der Welt, bei der etwa 1,2 Millionen Menschen nicht genug Essen haben. Der Klimawandel mit andauernder Trockenheit und Überflutungen sowie die Pandemie verschärfen die zunehmend kritische Lebenssituation der Menschen vor Ort. Laut der Studie von Care werde am wenigsten über die humanitäre Katastrophe in Sambia berichtet. Mehr hier und hier.

 

Gedenktag an die Befreiung von Auschwitz

Anlässlich des 77. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz fand am 27. Januar 2022 der Holocaust Gedenktag statt, bei dem an die Verfolgung von Jüd*innen, Rom*nja und Sinti*zze sowie Menschen mit Behinderungen erinnert wird. In einer zentralen Datenbank hat die “Internationale Gedenkstätte Yad Vashem” Namen und Geschichten der durch den Nationalsozialismus ermordeten Jüd*innen dokumentiert. Der Jüdische Weltkongress beobachtet dieses Jahr die Aufrechterhaltung des Antisemitismus im Kontext der Corona-Pandemie in Deutschland mit Sorge. Das Aufleben von Verschwörungstheorien und Vergleiche mit dem Holocaust bei Impfmaßnahmen bedarf mehr Aufklärung über den Antijudaismus.

Quellen: Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer (yadvashem.org) und Corona-Pandemie: „Brandbeschleuniger“ für Antisemitismus – Jüdischer Weltkongress warnt (rnd.de)

 

Angriff des “IS” auf Gefängnis in Nordostsyrien

Im Nordosten von Syrien wurde ein Gefängnis in al-Hassakeh von IS-Anhängern durch zwei Selbstmordattentäter angegriffen. Diese ließen ein LKW vor der Haftanstalt explodieren, sodass 800 Insassen zunächst fliehen konnten. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben mindestens 150 Menschen.

 

Norwegische Regierung hat Taliban zu Gesprächen eingeladen

Die norwegische Regierung lud am vergangenen Sonntag bis Dienstag eine Delegation der Taliban zu Vermittlungsgesprächen hinter verschlossen Türen in Oslo ein. Bereits seit den 1990er Jahre stehe Norwegen mit den Taliban in Kontakt, um zwischen der radikal-islamistischen Organisation und ‘westlichen’ Regierungen Verhandlungen zur Einhaltung der Menschenrechte anzustoßen.

Die Einladung zum Dialog löste eine starke Erregung von gefährdeten Menschen in Afghanistan und Kritik in der afghanischen Diaspora aus. Die Taliban erhofften sich eine internationale Anerkennung in Regierungsfunktion und finanzielle Unterstützung. ‘Westliche’ Staaten haben das Land zurzeit sanktioniert, weshalb keine Gelder nach Afghanistan gelangen. Menschenrechtsorganisationen befürchten eine Verstärkung der Not von Afghan*innen und sehen die Notwendigkeit der Aufhebung von Beschränkungen, damit Hilfsgüter an die hungerleidende Bevölkerung Afghanistans.

Die Taliban sollen zugesagt haben, ab März für Mädchen und Frauen wieder die Bildungseinrichtungen zu öffnen, wobei keine Bestätigung im Anschluss der Sitzungen erfolgte. Während einer Sitzung hielt die afghanische Aktivistin Hoda Khamosh Fotos von entführten Aktivistinnen hoch und forderte die Taliban auf, die Frauen freizulassen. Ihr vollständiges Statement ist hier ,hier und hier nachzulesen

Seenotrettung von etwa 700 Menschen auf dem Mittelmeer

Das Mittelmeer gilt als eine der gefährlichsten Fluchtrouten nach Europa. In den vergangenen Tagen wurden von der Besatzung der Schiffe “Geo Barents”, “Mare Jonio” und “Louise Michel” in mehreren Einsätzen 700 Menschen, darunter Kinder und Babys, aus brüchigen Booten gerettet. Die Geborgenen sollen aus Eritrea, Bangladesh, Pakistan, Sudan und Ägypten kommen. “Ärzte ohne Grenzen” konnten aufgrund fehlender Zustimmung bisher nicht an Häfen auf Malta anlegen. Die Rückmeldung auf eine Anfrage an die italienischen Behörden stehe aus. Mehr hier.

 

Forderung nach Freilassung indigener Aktivistin in Argentinien

Die Leiterin der nachbarschaftsorientierten Organisation “Tupac Amaru” Milagro Sala aus der Provinz Jujuy befindet sich am 16. Januar 2022 seit sechs Jahren wegen angeblicher Anstiftung zu Gewalt, Sachbeschädigungen und Volksverhetzung in unbefristeter Gewahrsam. Die indigene Aktivistin erhielt am Jahrestag ihrer Inhaftierung erneut solidarische Kundgebungen von Unterstützer*innen, die ihre politische Verfolgung und strafrechtlichen Anschuldigungen für unrechtens halten. In einem offenen Brief unterzeichneten 1.600 Personen für die Freilassung Salas und für die Entkriminalisierung sozialen Protestes, darunter auch Mitglieder der argentinischen Regierung. Mehr hier.

Sarah hat Kulturwissenschaften studiert und interessiert sich für gesellschaftliche Entwicklungen in intersektionalen Zusammenhängen. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in der Jugendverbandsarbeit für Prävention gegen Gewalt und arbeitet(e) bereits ehrenamtlich redaktionell. Als begeisterte Podcasthörerin hofft sie, etwas zum Kohero Magazin beitragen zu können.  „Mir ist es wichtig, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und deren exkludierenden Folgen sichtbar zu machen und vor allem für marginalisierte Perspektiven Raum zu schaffen.“

Dir gefällt die Geschichte? Unterstütze das Magazin

Engagement ist unbezahlbar, aber ohne Geld geht es nicht. Damit wir weiter unabhängig arbeiten können, brauchen wir finanzielle Mittel. Mit deinem Beitrag machst du kohero möglich. Spende jetzt!

Nachrichtenüberblick KW 7
Deutschland…. Rassistischer Anschlag in Hanau Gestern vor einem Jahr wurden neun Menschen bei einem rassistischen Anschlag in Hanau getötet….
Nachrichten KW13
Nachrichten aus Deutschland… 17-Jährige rassistisch angegriffen Am 5. Februar wurde eine 17-Jährige in Berlin von sechs Personen aus rassistischen…
Nachrichtenüberblick KW 6
Deutschland… Migrationsgeschichte in Deutschland soll sichtbarer werden Gut ein Viertel der Menschen in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Ihre Geschichte…

Schreiben für ein Miteinander.

Wir freuen uns auf dich. Komm ins Team und werde ein Teil von kohero. Die Möglichkeiten der Mitarbeit sind vielfältig. Willkommen bei uns!

Kategorie & Format
Autorengruppe
Sarah hat Kulturwissenschaften studiert und interessiert sich für gesellschaftliche Entwicklungen in intersektionalen Zusammenhängen. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in der Jugendverbandsarbeit für Prävention gegen Gewalt und arbeitet(e) bereits ehrenamtlich redaktionell. Als begeisterte Podcasthörerin hofft sie, etwas zum Kohero Magazin beitragen zu können.  „Mir ist es wichtig, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und deren exkludierenden Folgen sichtbar zu machen und vor allem für marginalisierte Perspektiven Raum zu schaffen.“

Newsletter

Was gibt’s Neues im multikulturellen Deutschland? 

Dein kohero-Newsletter mit exklusiven Stories, Events & Tipps.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du willst unsere Arbeit mit einer Spende unterstützen?

Über Paypal kannst du ganz einfach einen beliebigen Betrag spenden.

Du möchtest eine Frage stellen?

Du möchtest uns untersützen?

Du möchtest Teil des Teams werden?

Du möchtest einen Artikel schreiben?

Kohero Magazin