Ist das menschlich, wenn ich von meiner Familie nur träumen darf?

Mein Name ist Waled Al Ali und ich bin 30 Jahre alt.

Seit Oktober 2015 bin ich in Deutschland. Ich habe subsidiären Schutz im September 2016 bekommen und wohne im Zweitaufnahmeheim. Meine Familie, zwei Töchter, acht und sechs Jahre alt und meine Frau, leben noch in Syrien. Ich habe meine Familie seit März 2015 nicht gesehen. Ich habe 6 Monate in Istanbul gelebt und gearbeitet, aber ich konnte meine Familie nicht zu mir in die Türkei holen. Dann kam ich nach Deutschland in der Hoffnung, meine Familie nachholen zu dürfen. Aber die deutsche Regierung hat im März 2016 ein neues Gesetz, mit dem uns das Recht auf Familiennachzug genommen wurde, verabschiedet. Wegen dieses Gesetzes muss ich bis März 2018 auf meine Frau und Kinder warten.

Ich will selbst Geld verdienen

Ab Mai 2016 habe ich in einem asiatischen Geschäft als Verkäufer gearbeitet, weil ich nicht vom Geld des Jobcenters leben möchte und weil ich nicht nur schlafen will und sonst nichts. Ich muss arbeiten, das sagt mir mein Verstand.

Als ich subsidiären Schutz bekommen habe, habe ich sogar nachgedacht, nach Syrien zurückzufahren. Weil das bedeutet, dass ich noch zwei Jahre warten muss. Wie kann ich noch zwei weitere Jahre warten?

meine Familie fehlt mir

Ich vermisse meine Töchter, ich vermisse meine Frau, ich bin ein Niemand ohne meine Familie. Ist das menschlich, wenn ich von meiner Familie nur träumen darf? Ich versuche mehr Geduld zu haben, ich lenke mich mit meiner Arbeit ab. Weil ich keine andere Wahl habe. Ich bin ein Flüchtling.

Und jetzt hat die CDU ein anderes Gesetz vorgeschlagen, dass wir Flüchtlinge bis März 2020 auf unsere Familien warten müssen. Mit Tränen möchte ich den Innenminister fragen, was sind denn eines Vaters Gefühle ohne seine Kinder, ohne seine Familie? Ist das fair? Ist das menschlich?

Es gibt viele Deutsche, die mich gefragt haben, warum kamen nur Männer nach Deutschland und haben ihre Familien im Krieg gelassen? Weil wir nach Deutschland für unsere Familien und unsere Kinder kamen. Wir haben unser Leben riskiert in der Hoffnung, dass wir hier ein sicheres Leben für unsere Familien finden. Aber leider haben wir ein großes Gefängnis gefunden, wir sind in Sicherheit, aber unsere Familien sind im Krieg. Wie können wir so leben? Wir sind hier, aber unsere Seelen sind in Gefahr. Wir müssen die Sprache lernen und Integration schaffen. Wie können das alles schaffen?

Wir möchten in Frieden leben

Zum Schluss möchte ich noch sagen: Wir kamen nicht nach Deutschland, weil wir Hunger hatten, sondern weil wir Sicherheit und Frieden für unsere Kinder brauchen. Weil wir im Frieden mit unseren Familien leben möchten.

Hussam studierte in Damaskus Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen. Parallel dazu arbeitete er als schreibender Journalist. Seit 2015 lebt er in Deutschland. Er ist Gründer und Chefredakteur von kohero. „Das Magazin nicht nur mein Traum ist, sondern es macht mich aus. Wir sind eine Brücke zwischen unterschiedlichen Kulturen.“

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Hussam studierte in Damaskus Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen. Parallel dazu arbeitete er als schreibender Journalist. Seit 2015 lebt er in Deutschland. Er ist Gründer und Chefredakteur von kohero. „Das Magazin nicht nur mein Traum ist, sondern es macht mich aus. Wir sind eine Brücke zwischen unterschiedlichen Kulturen.“

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