Zum Inhalt springen
„kohero Magazin „kohero Magazin
6 Min. Lesezeit wana update News

wana: Warum der Krieg im Jemen uns betrifft?

Im Jemen ist der Krieg zurückgekehrt. Dieses Mal ist die Eskalation Teil des Konflikts zwischen dem Iran und den USA. Die Folgen könnten bis nach Afrika und Europa reichen.

wana: Warum der Krieg im Jemen uns betrifft?
Sanaa Altstadt- By Hamza Shiban - Wikimedia CC BY-SA 3.0

Während der Krieg zwischen dem Iran, den USA und Israel in den siebten Monat geht, hat US-Präsident Donald Trump die Islamische Republik vor der UN-Generalversammlung vor die Wahl zwischen einem Abkommen und der „Auslöschung“ gestellt. Mittlerweile kehrt auch im Jemen ein Krieg zurück, der eigentlich nie wirklich beendet wurde. Hussam Al Zaher erklärt die historischen Hintergründe sowie die neue KI-Komponente des Krieges.

In diesem Newsletter:


Du ließt wana update mit 434 anderen aus unserer kohero Community. Diese Ausgabe von Montag, dem 23. September 2026, umfasst rund 1.562 Wörter – und ca. 6 Minuten Lesezeit.


Salam,

der Krieg im Jemen ist zurück. In den vergangenen Wochen haben die Huthi wichtige Gebiete an der Westküste und strategische Inseln im Roten Meer eingenommen. Damit haben sie ihre Position am Bab al-Mandab erheblich ausgebaut. Zugleich greifen sie wieder Ziele in Saudi-Arabien mit Drohnen und Raketen an. Saudi-Arabien wiederum greift erneut Ziele im Jemen aus der Luft an.

Für die Bevölkerung verschärft diese Regionalisierung des jemenitischen Konflikts vor allem die humanitäre Krise. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) wurden allein zwischen dem 1. und 17. September rund 114.500 Menschen innerhalb des Landes vertrieben – in einem Land, in dem sich die Hälfte der Bevölkerung bereits in einer akuten humanitären Krise befindet und rund 4,8 Millionen als Binnenvertriebene leben.

Laut IOM-Berichten haben zudem mehr als 3.500 Menschen den Jemen über das Meer in Richtung Dschibuti verlassen. Damit kehrt sich eine etablierte Migrationsroute teilweise um: Dschibuti war bisher vor allem Transitland für Menschen vom Horn von Afrika, die über den Jemen in Richtung Golfstaaten weiterzogen.

Hinter dieser schwierigen humanitären Lage steht eine militärische Entwicklung, deren Bedeutung weit über den Jemen hinausreicht. Der Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden. Schiffe auf der Route zwischen Asien und Europa passieren von dort aus das Rote Meer und anschließend den Suezkanal. Vor Beginn der Angriffe der Huthi auf die internationale Schifffahrt entfielen im ersten Halbjahr 2023 rund zwölf Prozent des weltweiten seegestützten Ölhandels und acht Prozent des Handels mit Flüssigerdgas auf den Bab al-Mandab. Was im Jemen passiert, wirkt sich auf Transportkosten, Lieferketten und Energiepreise aus.

Zwei Kriege aus historischen Gründen

Während der regionale Krieg die aktuelle Eskalation verschärft, liegen die Ursachen des jemenitischen Konflikts viel tiefer. Der Jemen steckt heute zwischen zwei Kriegen: Einem inneren Konflikt um Macht, Staat, Einheit, den Süden und die Verteilung von Ressourcen sowie einem regionalen Krieg, in den der Iran, die USA, Saudi-Arabien und weitere Mächte verwickelt sind, die um Einfluss und strategisch wichtige Routen wie Hormus und Bab al-Mandab ringen.

Stabilität kannte der moderne Jemen nur selten. Bis zum Jahr 1990 existierten zwei Staaten: Im Norden stürzten Offiziere im Jahr 1962 die Monarchie. Es folgte ein achtjähriger Bürgerkrieg zwischen den von Ägypten unterstützten Republikanern und den von Saudi-Arabien unterstützten Royalisten. Im Süden endete 1967 die britische Kolonialherrschaft. Dort entstand ein Staat, der sich später sozialistisch ausrichtete und der Sowjetunion annäherte.

Im Jahr 1990 vereinigten sich beide Staaten unter dem nordjemenitischen Machthaber Ali Abdullah Saleh, der zunehmend autoritär regierte. Doch die Vereinigung brachte keine Einigung. Im Jahr 1994 scheiterte der Süden mit dem Versuch, sich wieder abzuspalten. Die Vorherrschaft der Hauptstadt Sanaa und die Frage nach der politischen Zukunft des Südens blieben zentrale Konfliktpunkte.

Die Huthi vom Norden nach Sanaa

Im Norden des Jemen entstanden die Huthi, auch „Ansar Allah” genannt. Die Bewegung hat ihren Ursprung im zaiditisch-schiitisch geprägten Saada. Ab dem Jahr 2004 führte Salehs Regierung mehrere Kriege gegen die Huthi und tötete ihren Anführer Hussein al-Huthi. Dennoch gewann die Bewegung an Stärke und erhielt zunehmend Unterstützung aus dem Iran. Nach den Protesten des Arabischen Frühlings übergab Saleh im Jahr 2012 die Macht an Abd Rabbo Mansur Hadi. Die grundlegenden Konflikte um Macht, Ressourcen und die Zukunft des Landes blieben jedoch ungelöst.

Im Jahr 2014 nahmen die Huthi Sanaa ein, zunächst auch mithilfe von Kräften, die ihrem früheren Gegner Saleh loyal waren. Das Bündnis zerbrach später. Im Jahr 2017 wurde Saleh von den Huthi getötet. Damit etablierten sich die shiitische Gruppe als wichtigste Macht im Norden, während der Süden politisch und militärisch zersplittert blieb. Aus diesen innerjemenitischen Konflikten entwickelte sich zugleich ein regionaler Krieg, in dem der Iran die Huthi unterstützte und damit eine Militäraktion Saudi-Arabiens auslöste.

Regionaler Krieg mit KI-Komponente

Der Krieg in Jemen hielt jahrelang an, ohne die Huthi aus Sanaa vertreiben zu können, trotz militärischer Überlegenheit. Das gegnerische Lager blieb nämlich zersplittert: Einige Kräfte wurden von Saudi-Arabien, andere von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt. Seit dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Krieg im Gazastreifen hat sich die regionale Dimension erweitert. Die Huthi griffen Israel mit Raketen und Drohnen an und attackierten später Schiffe im Roten Meer und im Golf von Aden.

Inzwischen kommt eine weitere Komponente hinzu: Künstliche Intelligenz. Das US-Unternehmen Anthropic berichtete im September über eine Gruppe im Norden des Jemen, die Claude für Arbeiten an Raketensystemen eingesetzt haben soll. Die Gruppe soll mehrere Claude-Instanzen gleichzeitig eingesetzt haben – eine zum Programmieren, eine für Recherchen und eine weitere zur Überprüfung des Codes. Anthropic sperrte eigenen Angaben zufolge die identifizierten Accounts.

Trump vor einem Dilemna

Seit Beginn des Krieges gegen den Iran ist der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus massiv eingebrochen. Gleichzeitig hat der Öltransport durch den Bab al-Mandab deutlich zugenommen. Saudi-Arabien kann die Straße von Hormus teilweise umgehen, indem es Öl über seine Ost-West-Pipeline zum Hafen Yanbu am Roten Meer transportiert.

Dadurch gewinnt der Bab al-Mandab weiter an strategischer Bedeutung. Zugleich rücken alte Konflikte und politische Spaltungen auf beiden Seiten der Meerenge – im Jemen und in Somalia – wieder stärker in den Fokus.

Für Washington entsteht dadurch ein Dilemma: Eine weitere militärische Eskalation im Jemen wäre kostspielig und politisch riskant. Vor den amerikanischen Zwischenwahlen im November stehen sowohl die Kosten des Krieges als auch die Energiepreise innenpolitisch unter besonderer Beobachtung. Eine weitere Front könnte beide Debatten zusätzlich verschärfen.

Letztlich bleibt damit eine Frage, die älter ist als die aktuelle Eskalation: Wird der Jemen weiterhin ein Ort bleiben, an dem regionale und internationale Mächte ihre Konflikte austragen, oder werden die Jemenit*innen eines Tages selbst darüber entscheiden können, welche Form ihr Land und ihre Zukunft haben sollen?

Liebe Grüße

Hussam Al Zaher
Gründer und Geschäftsführer



Kurzüberblick der Region

USA wollen iranische Airlines weltweit lahmlegen

Die USA verschärfen ihre Sanktionen gegen den iranischen Luftverkehr. Ab heute sollen iranische Fluggesellschaften nach Angaben von US-Finanzminister Scott Bessent faktisch vom internationalen Flugverkehr abgeschnitten werden. Flughäfen und Unternehmen, die iranische Maschinen betanken, abfertigen oder Tickets für sie verkaufen, droht Washington mit dem Ausschluss aus dem US-Dollarsystem.

Der Libanon verliert seine Fachkräfte und Geschäfte

Fast 730.000 Libanes*innen haben ihren Heimat seit Beginn der Wirtschaftskrise 2019 verlassen. Eine Auswertung von Grenzdaten zwischen 2020 und April 2026 zeigt, wie die anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise und zuletzt der Krieg seit 2023 die Abwanderung weiter verschärft haben.

Die Folgen zeigen sich auch im Gesundheitssektor. Nach Angaben der libanesischen Apothekerkammer, zitiert von L’Orient-Le Jour, droht 1.000 der rund 3.600 Apotheken im Libanon die Schließung. Besonders angespannt ist die Situation im Süden und in den Grenzgebieten, wo infolge des Krieges zusätzlich rund 300 Apotheken geschlossen sind.

Debatte über "Feminisierung" an Syriens Schulen

Äußerungen zweier Abgeordneter haben in Syrien eine Debatte über das Bildungssystems der Nachkriegszeit ausgelöst. Der Abgeordnete Mohammed Ibrahim al-Zoubi kritisierte im Parlament die von ihm so bezeichnete „Feminisierung des Bildungswesens“ durch einen hohen Anteil von Lehrerinnen, die seiner Ansicht nach die „Autorität“ der Schulen schwäche. Nach heftiger Kritik erklärte al-Zoubi später, seine Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. In derselben Parlamentssitzung forderte der Abgeordnete Ahmad Mohammed al-Ismail, körperliche Strafen an Schulen unter bestimmten Regeln wieder zuzulassen. Bildungsminister Mohammed Abdul Rahman Turko widersprach deutlich.

US-Visa für die Mahmoud Abbas erneut verweigert

Die USA haben dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas und weiteren hochrangigen Vertretern der Palästinensischen Autonomiebehörde die Visa für die UN-Generalversammlung in New York zum zweiten Jahr verweigert.


Zahl der Woche

Die US-Regierung plant ein neues Waffenpaket für Israel im Wert von 2,8 Milliarden US-Dollar. Es soll unter anderem 40.000 Bomben mit einem Gewicht von jeweils rund 900 Kilogramm umfassen. Eine Lieferung dieses Bombentyps hatte die Biden-Regierung im Jahr 2024 aus Sorge vor hohen zivilen Opferzahlen im dicht besiedelten Gazastreifen vorübergehend gestoppt.

Ein großer Teil des neuen Pakets soll durch das amerikanische Foreign Military Financing finanziert werden: Die USA stellen Israel dabei Gelder zur Verfügung, mit denen Israel wiederum Waffen bei US-Unternehmen kauft. Im Kongress gibt es Widerstand gegen das Geschäft. Die geplante Lieferung ist noch nicht endgültig beschlossen. Über das Vorhaben berichtete zuerst die Washington Post unter Berufung auf anonyme US-Regierungsquellen.


Hast du den Newsletter noch nicht abonniert? Hier kannst du dich kostenlos anmelden – und bekommst jeden Mittwoch Analysen und Nachrichten, die in den Mainstream-Medien nicht vorkommen, direkt in dein Postfach.

📢 Dieser Newsletter könnte auch für jemand anderen interessant sein? Leite ihn gerne weiter oder teile ihn.

Dieser Newsletter wurde von Hussam Al Zaher und Silvana El sayegh mit Hilfe von KI geschrieben.
Teilen Teilen Teilen Teilen