Die sicheren Häfen sind nicht sicher

Mahsa* lebt in Hamburg. Sie floh aus dem Iran. Dort gilt sie als Ungläubige. Tatsächlich ist Mahsa eine selbstbewusste und engagierte Frau. Das passt allerdings nicht in das Weltbild der islamischen Republik. Kohero erzählt ihre Geschichte als Hörbuch auf soundcloud, spotify und itunes, gesprochen von Lilli Janik. Jan-Christian Petersen kommentiert ihre Geschichte in diesem Text.

Fotograf: Jonas Tebbe via Unsplah

Mahsas Geschichte verdeutlicht, wie diskriminierend es ist, als Frau im Iran aufzuwachsen. Als Sozialpädagogin hat sie dort unter anderem in einem iranischen Jugendgefängnis gearbeitet. Sie berichtet von den sozialen Missständen des Landes. An diesen Fehlentwicklungen hat die Religion einen entscheidenden Anteil; denn viele gesellschaftliche Normen werden in Iran nicht vernünftig, sondern religiös begründet.

Nicht nur in Iran, sondern auch in Deutschland führen religiöse Normen zu Konflikten. Das Aushalten dieser Konflikte gehört zur Demokratie. Die Grenze der Toleranz ist allerdings dort erreicht, wo das Ausleben der eigenen Religionsfreiheit dazu führt, dass die Freiheit der anderen verletzt wird. Das ist eine Regel, die für jeden nachvollziehbar ist.

Vernunft ist Zusammenhalt

Das Zusammenleben in unserer Demokratie basiert auf solch nachvollziehbaren Regeln. Das geschieht deshalb, weil religiöse Regeln einen individuellen kulturellen Hintergrund besitzen, der eben nicht von allen Menschen geteilt wird. Die Verständigung in einer multikulturellen Gesellschaft kann aber nur erfolgen, wenn sie in einem gemeinsam geteilten Rahmen stattfindet. Dieser Rahmen ist die Vernunft. Mit ihr lässt sich das Zusammenleben für alle Menschen gleichermaßen gestalten. Dies ist der Grund, warum wir uns auf gesamtgesellschaftlicher Ebene um eine Sprache bemühen, die Meinungs- und Beweggründe anhand von nachvollziehbaren Argumenten und Regeln formuliert. Vernunft ist Zusammenhalt.

Atheisten und Säkulare – also Ungläubige wie Mahsa erleben auch hierzulande Diffamierungen von streng religiösen Gruppen. Es kann nicht allein Aufgabe staatlicher Träger sein, den Regeln der offenen Gesellschaft bereits in den Geflüchtetenunterkünften Geltung zu verschaffen. Hier ist das Bewusstsein aller Akteure gefordert, die in der Geflüchtetenarbeit aktiv sind. Es gilt, den Geflüchteten vor ihrem individuellen kulturellen Hintergrund das Ankommen in der Gesellschaft zu erleichtern. Doch der gemeinsame Hintergrund – ein vernunftbasierter Zusammenhalt – spielt dabei die größte Rolle.

* Name von der Redaktion geändert.

Jan-Christian ist Verfasser von Literatur und prosaischer Dichtung. 2018 begründete er die Humanistische Initiative in Schleswig-Holstein mit. Er schreibt Artikel und kulturaktivistische Textbeiträge.
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