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# Israels Wahl und die Gräueltaten in Gaza
- URL: https://www.kohero-magazin.de/der-film-naza-enthullt-kriegsverbrechen-in-gaza/
- Published: 2026-10-28T05:00:23.000Z
- Updated: 2026-10-28T05:00:23.000Z
- Description: Israel hat gewählt, und die arabischen Parteien haben den ersten Prognosen zufolge ein historisches Ergebnis erzielt. Während die Regierungsbildung ungewiss bleibt, zwingt der Dokumentarfilm „NAZA“ die israelis zur Auseinandersetzung mit ihren Verantwortung für die Gräueltaten in Gaza.
- Author: Silvana El Sayegh
- Tags: wana update, News

Israel hat gewählt, und die vorläufigen Ergebnisse zeigen eine starke politische Polarisierung, die die Regierungsbildung erschwert – insbesondere, wenn die arabischen Parteien weiterhin von einer Regierungsbeteiligung ausgeschlossen bleiben. Passend zum Thema schreibt heute unsere Autorin [Marejke Talea Tammen](https://www.kohero-magazin.de/author/marejke-talea-tammen/) über ihre Eindrücke, nachdem sie den Dokumentarfilm „NAZA“ über die israelische Kriegsführung in Gaza gesehen hat. Sie kommt zur Fazit, dass er **eine visuelle Anklageschrift** ist.

**In diesem Newsletter:**

- Israel: Historisch hohe Wahlbeteiligung, keine klare Mehrheit
- Mehrere Tote nach Schüssen auf Kirche in Jordanien
- Iranische Revolutionsgarden greifen Stellung im Irak an
- **Zahl der Woche**: 2.231 Palästinenser\*innen vertrieben

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*Du ließt *wana update* mit 433 anderen aus unserer* **„*kohero Community* *. Diese Ausgabe von Mittwoch, dem 28\. Oktober 2026, umfasst rund 1.600 Wörter – und ca. 7 Minuten Lesezeit.***

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**Marhaba,**

ich habe mir vergangene Woche einen Film angesehen, der nur schwer zu ertragen ist: Den britisch-israelischen Dokumentarfilm „Naza“. 80 Minuten lang hört man ehemaligen israelischen Militärangehörigen und Geheimdienstler\*innen dabei zu, wie sie von unmenschlichen Gräueltaten an der palästinensischen Bevölkerung erzählen. Dabei verrät der Titel schon, worum es geht. „Naza“ ist das hebräische Militärkürzel für „Kollateralschaden“. Das bedeutet: Bei einem Bombenangriff zur Tötung eines Hamas-Mitglieds berechnet eine KI-Software im Vorfeld die erwartete Anzahl der zivilen Todesopfer, den sogenannten NAZA-Wert. Die Gleichung lautet dabei: Je wichtiger das zu tötende Ziel, desto geringer wiegt das Leben der Zivilist\*innen.

Nach ihrem vielfach ausgezeichneten Werk „No Other Land“ haben die Filmemacher\*innen Yuval Abraham und Rachel Szor für „Naza“ mit 24 ehemaligen Angehörigen des israelischen Militärs und der Geheimdienste gesprochen. Diese berichten offen über ihre Einsätze und enthüllen eine grausame Form der Kriegsführung. Um die Whistleblower\*innen zu schützen, wurden die Interviews heimlich nachts auf den Dächern von Tel Aviv gedreht – der Film zeigt ihre Gesichter nur als Schattenrisse und verfremdet ihre Stimmen.

### Reine Mathematik

Was diese Zeugnisse so beklemmend macht, ist der Tonfall der Befragten: So mathematisch wie die Naza-Berechnung selbst, so nüchtern berichten sie von ihrer Arbeit. Während in Gaza Bomben fallen, sitzen die Verantwortlichen rund 70 km entfernt in Tel Aviv. Das Töten aus der Entfernung vergleichen einige Interviewte mit Videospielen – eine Abstraktion, in der die palästinensische Zivilbevölkerung zu Spielfiguren wird.

Ein zentraler Baustein dieses „Spiels“ ist das KI-System „Lavender“: Es verarbeitet riesige Datenmengen, um mutmaßliche Hamas-Mitglieder mit einer berechneten Wahrscheinlichkeit von 85 Prozent zu identifizieren. Eine Fehlerquote von 15 Prozent wird dabei bewusst in Kauf genommen. Sogar das Töten von Kindern erscheint in dieser Logik nicht mehr als bedauerliche Nebenfolge, sondern als einkalkulierte Aufgabe.

Ergänzt wird diese Praxis durch die systematische Zerstörung ganzer Landstriche. Wie im Film erklärt wird, bewerte das System komplette Wohnviertel im Norden Gazas nach Quoten. Schätze die KI ein, dass in einem Haus weniger als 25 Prozent der Bewohner\*innen verblieben seien, gelte das Gebäude als freigestellt und werde komplett gesprengt. Die mathematische Logik treffe hier längst nicht mehr nur Einzelpersonen, sondern radiere ganze Straßenzüge aus, auch wenn sie durch wenige Menschen noch belegt sind.

### Where’s Daddy?

Gleichermaßen beklemmend ist das Zusammenspiel mit weiteren Technologien: „Du hackst ihr Handy und bringst sie dann um“, erklärt einer der Whistleblower\*innen das Abhörsystem „Where’s Daddy“ (deutsch: Wo ist Papa?). Das System greife auf Kameras und Mikrofone von Mobiltelefonen in Gaza zu: Sobald Sätze wie „Papa ist wieder zu Hause“ fielen, schlage es Alarm. Die Nachricht von der Rückkehr des Vaters werde so zum Signal für einen Drohnen- oder Raketenangriff – der nicht nur das eigentliche Ziel, sondern die gesamte Familie samt Besucher\*innen und Nachbar\*innen tötet.

Wie fehleranfällig und grausam dieses Vorgehen in der Praxis ist, verdeutlichen konkrete Schilderungen: So berichtet ein Befragter von einem Fall, in dem das eigentliche Ziel sein Handy zu Hause vergaß, als es das Gebäude verließ. Während die im Haus verbliebene Familie durch den Raketeneinschlag getötet wurde, überlebte der Mann selbst. Eine andere Erzählung handelt von zwei kleinen Mädchen, die nach dem Angriff in den Flammen des getroffenen Hauses gefangen waren. 

Ein Geheimdienstmitarbeiter schildert im Film, wie er zuvor über das gehackte Telefon des Vaters Familienfotos der Kinder gesehen hatte – und nach der Detonation über das aktivierte Mikrofon live mitanhören musste, wie eine der Töchter bei lebendigem Leib verbrannte. Indem man alles mithören könne, fühle man sich „wie Gott“, zitiert der Film einen der Befragten.

### Starken Kontrast

Es sind Aussagen wie diese, die den Film so schwer erträglich machen. Der Kontrast zwischen den schlicht gezeichneten Skizzen der Befragten und den am Ende gezeigten, grauenhaften Bildern aus Gaza hinterlässt ein Gefühl der tiefen Hilflosigkeit gegenüber dieser Grausamkeit.

Fast schon wahnsinnig macht der Kontrast, wenn die Kamera auf israelische Wohnhäuser blickt und dort das friedliche Alltagsleben zeigt, während die Zeug\*innen erzählen, wie das System funktioniert, ohne dass je jemand die eigene Moral hinterfragt.

Den Höhepunkt der Grausamkeit erreicht die Dokumentation, als einer der Befragten mit einfachen Strichmännchen-Skizzen veranschaulicht, wie Scharfschützen gezielt auf Menschen schossen, die sich an einer Essensausgabe vordrängelten.

### Israel weist alle Vorwürfe zurück

Es sind Berichte wie diese, die für massive politische Sprengkraft sorgen sollten. Doch das israelische Militär weist diesen Vorwurf wie auch alle anderen Schilderungen von Kriegsverbrechen entschieden zurück. Inwiefern die im Film präsentierten Aussagen und Beweismittel im Verfahren Südafrika gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof eine Rolle spielen könnten, bleibt abzuwarten. Bei den Filmfestspielen von Venedig erhielt das Werk den Sonderpreis der Jury, gefolgt vom Publikumspreis beim San Sebastián Film Festival.

Während israelische Politiker\*innen den Filmemacher*\**innen Verrat vorwerfen, ihre Ausbürgerung fordern und Premierminister Benjamin Netanjahu rechtliche Schritte verlangt, entfacht das Werk international eine doppelte Debatte: Über die Grenzen automatisierter Kriegsführung und über die Frage, warum erst die Berichte israelischer Insider\*innen nötig waren, um das zu bestätigen, was palästinensische Aktivist\*innen seit drei Jahren vergeblich im Westen vorbringen.

**Der Film verlässt einen nicht so schnell. „Naza“ ist kein Film, sondern eine visuelle Anklageschrift.**

Liebe Grüße,  
**Marejke Talea Tammen**

*Der Film ist aktuell in ausgewählten Kinos zu sehen. Ende November wird die Dokumentation zudem kostenlos und ohne Bezahlschranke auf der Website von The Guardian verfügbar sein.*

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## Empfehlung aus der Redaktion

Entdecke eine religiöse Minderheit aus dem Irak, die Zuflucht in Deutschland gefunden hat. Unsere Autor [Hassam Al Khalaf](https://www.kohero-magazin.de/author/hassan-al-khalaf/) hat mandäische Gemeinden im Irak und Nürnberg besucht.

[Mandäismus vom Südirak bis nach NürnbergIn Westasien sind sie eine religiöse Minderheit. In der Diaspora werden sie als Muslim\*innen angesehen. Dabei besitzen Mandäer\*innen ihre eigenständige Religion und Sprache, über die kaum jemand Bescheid weiß.![](https://www.kohero-magazin.de/content/images/icon/kohero-favicon-2026-358eb097-fd3a-4b83-b5d2-dc9ea868fa14.png)„kohero MagazinHassan Al Khalaf![](https://www.kohero-magazin.de/content/images/thumbnail/IMG-20260805-WA0051-2-45c9a515-12a6-4c06-b9f6-eebe66b3d38b.jpg)](https://www.kohero-magazin.de/mandaismus-arabische-community-tauft-in-deutschen-flussen/)

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## Kurzüberblick der Region

### **Israel: Historisch hohe Wahlbeteiligung, keine klare Mehrheit**

Bei der Parlamentswahl am Dienstag in Israel zeichnet sich eine Rekordwahlbeteiligung ab. Laut [israelischen Medien ](https://www.timesofisrael.com/turnout-hits-historic-high-as-israel-votes-in-national-election-parties-allege-foul-play/?ref=kohero-magazin.de)hatten 74,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben – so viele wie zu diesem Zeitpunkt seit 1988 nicht mehr. Erste Prognosen deuten jedoch darauf hin, dass keines der politischen Lager die für eine Regierungsmehrheit erforderlichen 61 Sitze erreicht.

 Die arabischen Parteien kommen den Prognosen zufolge auf rund 16 Sitze – ein Rekordergebnis. Sie könnten bei der Regierungsbildung eine entscheidende Rolle spielen. Während der Wahl warnte Netanjahu vor einer hohen Wahlbeteiligung in arabisch geprägten und linken Wahlbezirken und rief rechte Wähler\*innen zur Stimmabgabe auf. Er behauptete, seine politischen Gegner würden versuchen, „die Wahl zu stehlen“. Eisenkot warf ihm daraufhin vor, den Boden für eine mögliche Anfechtung des Wahlergebnisses zu bereiten.

### **Mehrere Tote nach Schüssen auf Kirche in Jordanien**

Bei einem Angriff auf eine Kirche in Jordanien sind am Freitag mindestens sechs Menschen getötet worden. 28 weitere Menschen wurden verletzt, als mehrere Schützen das Feuer auf eine Trauerprozession in der Provinz Al-Karak im Süden des Landes eröffneten. Jordaniens König Abdullah II. bezeichnete den Vorfall als Terrorattacke und kündigte Vergeltung an. Terroranschläge sind in Jordanien selten, vor allem gegen die christliche Minderheit, die etwa zwei Prozent der Bevölkerung ausmacht.

Laut dem Innenministerium wurden die mutmaßlichen Täter am Sonntag festgenommen. Sie gehörten alle einer Familie an. Die jordanische Armee gab bekannt, eine Luftoperation gegen Stellungen im Süden Syriens durchgeführt zu haben, die eigenen Angaben zufolge "terroristischen Organisationen" gehören. Syrien verurteilte die jordanischen Luftangriffe auf mehrere Ziele in der Provinz Daraa und sprach von sieben Todesopfern, darunter Frauen und Kinder.

### **Iranische Revolutionsgarden greifen Stellung im Irak an**

Die iranischen Revolutionsgarden haben einem Bericht zufolge kurdische Stellungen im Nachbarland Irak angegriffen. Der Angriff mit Kampfdrohnen sei auf ein Hauptquartier der Komala-Partei in der teilautonomen Region Kurdistan im Nordirak erfolgt, berichtete die regierungsnahe iranische Nachrichtenagentur Mehr. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor.

Die iranische Staatsführung stuft viele kurdische Gruppen im Irak als „Terrorgruppen“ ein. Auch die kurdische Minderheit im Iran wird Menschenrechtler\*innen zufolge unterdrückt. Die Revolutionsgarden haben in den vergangenen Jahren immer wieder kurdische Ziele im Irak angegriffen. Seit Beginn des Kriegs der USA und Israels haben die Spannungen an der Grenze zugenommen.

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## Zahl der Woche

![](https://www.kohero-magazin.de/content/images/2026/10/3-2.png)

Am Wochenende haben die israelischen Streitkräfte 2.231 Palästinenser\*innen aus ihren Häusern in der Stadt Hebron im besetzten Westjordanland gewaltsam vertrieben, wie aus einem Bericht der [Haartez](https://www.haaretz.com/west-bank/2026-10-25/ty-article/.premium/idf-forcibly-removes-2-231-palestinians-from-west-bank-city-deputy-mayor-says/000001a1-7230-dcd9-a5ab-7a314e280000?ref=kohero-magazin.de) hervorgeht.

Die Armee startete eine Militäroperation in der Stadt, nachdem zwei Palästinenser bei einem Schussangriff in der Nähe der Stadt zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt hatten. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte diese Operation am Freitag als Reaktion auf den Angriff angekündigt. Netanjahu kündigte an, dass die Gebäude rund um den Ort des Anschlags sowie die Stadtviertel, aus denen die beiden Angreifer stammten, „zerstört“ werden würden. Die israelische Regierung hat das Militär zudem angewiesen, das Westjordanland vollständig abzuriegeln.

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[![](https://www.kohero-magazin.de/content/images/2026/09/Banner-Kampagne-1.jpg)](https://www.kohero-magazin.de/membership/#tarife)

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**Dieser Newsletter wurde von Silvana El Sayegh und Ahmad Shihabi* **geschrieben.*